Nurkan Erpulat wagt sich an "Das Schloss"

Ohne mit der Wimper zu zucken würde ich Nurkan Erpulat als Theaterregisseur und Autor der Stunde bezeichnen: Mit seiner Inszenierung „Verrücktes Blut“ im Ballhaus Naunynstraße  wurde er zum Theatertreffen eingeladen, er erhielt den Publikumspreis in Mülheim und wurde Nachwuchsregisseur des Jahres. Letzte Woche fand mit Kafkas Romanfragment „Das Schloss“ seine nächste Premiere in den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin statt. Dieses Mal ist es nicht das, was viele "post-migrantisches" Theater nennen. Jedenfalls nicht unbedingt. Wieso, erklärt Nurkan Erpulat selbst.

Lachsauge: Seit „Verrücktes Blut“ sind Sie Aushängeschild des Integrationstheaters. Sind sie geehrt oder genervt davon?
Erpulat: Ich bin nicht genervt. Aber für mich ist die Inszenierung auch kein Integrationstheater: Es handelt nicht von Kindern mit schwarzen Haaren. Es geht um Jugendliche, die als fremd abgestempelt werden: Das sind auch, aber nicht nur Ausländer. Es geht nicht um Jugendliche mit Migrationshintergrund, sondern um den Blick auf sie. Es geht also um die Mehrheitsgesellschaft.
Lachsauge: Um das Fremde geht es in fast jedem Ihrer Stücke. Warum?
Erpulat: Innerhalb der Türkei bin ich neun Mal umgezogen. Dann nach Berlin ein zehntes Mal. Ich empfinde Fremdsein eigentlich als nichts Schlimmes: Ich mag es sogar. Es ist besser, nicht zur Masse zu gehören. Bei mir ist das ein allgemeines Gefühl, was auch nichts mit meiner Herkunft aus der Türkei zu tun hat.
Lachsauge: Darf man „Das Schloss“ ein Integrations-Stück nennen?
Erpulat: Man würde Kafkas reichen Roman zu sehr reduzieren. Es geht um Sexualität und Liebe, um Privatheit und Öffentlichkeit. Die Fremde ist nur eines von vielen Themen.
Lachsauge: Sie leben seit 1998 in Berlin. Sind Sie inzwischen hier angekommen?
Erpulat: Nein, aber ich will auch gar nicht richtig ankommen. Ich bin immer in Aktion und auf der Reise und das ist interessanter und fruchtbarer. Wenn man angekommen ist, dann ist das ein Zustand, man wird müde. Und das will ich nicht.
Lachsauge: Nach ihrem großen Erfolg die nächsten Stücke aufzuführen: Macht Ihnen das Angst oder sehen Sie darin eine Herausforderung?
Erpulat: Ich bin Theaterregisseur und inszeniere. Dabei versuche ich dem Stoff möglichst gerecht zu werden. Genauso war es auch bei „Das Schloss“. Nicht mehr und nicht weniger.
 
Schumannstr. 13a, 10117 Berlin. Nächste Vorstellungen: 14., 21., 26. November. Karten unter 030-28441-225.
 
Foto: Arno Declair