Alles aussprechen, nichts sagen - Ein Besuch von Udo Walz

"Wo bin ich hier, in einer Journalistenschule?" Nein. Udo Walz ist nicht in einer Journalistenschule, aber er tut so, als wisse er das nicht genau. Es spielt auch keine Rolle. Der Star-Friseur, der nicht so genannt werden will, redet mit jedem über alles. Eine Stunde nimmt er sich heute für die Fragen der eifrigen Reporter. Ein Porträt.

"Ich bin nicht eitel", sagt Udo Walz am Anfang des Gesprächs. Am Ende wird er jeden Einzelnen bitten, ihm das fertige Porträt über ihn zu schicken. Er werde vielleicht alle Texte in einem Buch veröffentlichen, denn drei hat er schließlich schon geschrieben. Ob das so kommen wird, weiß niemand. Udo Walz antwortet immer sofort, er hat auf alles eine Antwort, auch auf die ganz persönlichen Fragen. Er hat alles schon einmal erzählt, im Fernsehen oder in einem Magazin oder in einer Zeitung. Er kenne jede Frage, sagt er, deshalb habe er immer schon die Antwort. Udo Walz sagt alles und deshalb sagt er im Grunde überhaupt nichts über sich.
 
Fassbar wird Udo Walz nur durch die Widersprüche zwischen seinen Antworten, die er meist schon vor dem Ende der Frage vorbringt, wobei nie klar ist, ob er den Gegensatz bewusst konstruiert. Der Begriff Star-Friseur sei eine Frechheit. Wer ein Star ist, das definierten doch einzig und allein die Medien. Tatsächlich sollen ihn 98 Prozent der deutschen Bevölkerung kennen. "Welcher Friseur schafft das schon?" Die Frage ist berechtigt. Udo Walz hat seine eigene Antwort mitgebracht: "Ich bin berühmt, weil ich ein guter Friseur bin." Das Handy klingelt. "Wer ist das, der mich stört?" Im Fernsehen sieht Udo Walz immer ein wenig putziger aus.
 
Seine größte Fan-Gruppe seien die 14- bis 18-Jährigen, erzählt der 67-Jährige, der in Schwaben aufgewachsen ist und irgendwann Romy Schneider, Claudia Schiffer und Gerhard Schröder die Haare schnitt. "Die meisten kennen mich aus dem Fernsehen. Das gefällt mir." Genauso schön finde er es, Autogramme zu geben. Nein, eitel sei er überhaupt nicht. Aber als er mal wieder in der Heimat war, eben bei den Schwaben, da sei es schon unheimlich gewesen, wie ihn die Menschen empfangen hätten: "400 Leute im Bierzelt rufen 'Udo, Udo, Udo'. Das fand ich toll."
 
Welche Stars in seinen Salon kommen, das findet man ohne Mühe im Internet heraus. Mit Sarah Jessica Parker sei vor kurzem Gulasch essen gewesen. "Die ist ein total normaler Mensch." Über seine prominenten Kunden spreche er eigentlich nicht. Im Laufe des Gesprächs fallen trotzdem noch wenigstens zehn weitere bekannte Namen. "Verona - wie heißt die? - Pooth und ich, wir sind gut befreundet." Wie wird man als Friseur so erfolgreich? "Nicht mit Ehrgeiz. Aber ich war immer fleißig."
 
Schöne Menschen hätten es leichter im Leben, sagt Udo Walz. "Das ist menschlich." Es mache ihn glücklich, wenn eine junge Frau mit einer neuen Frisur seinen Salon verlässt und sich besser, attraktiver, schöner fühlt. Seine Arbeit finde er nicht oberflächlich. Er sei in der CDU, einzig und allein wegen Angela Merkel. Bei den Wahlen in Berlin habe er für Klaus Wowereit votiert. Den Westerwelle mochte er auch mal. Udo Walz ist entweder sehr weise, oder es ist alles eine Komödie für ihn.
 
Auf viele Fragen erhält man bereitwillig eine Antwort. Udo Walz spricht von seinem verstorbenen Partner, von acht Jahren Trauerarbeit und von seiner Diabetes-Erkrankung. Aber irgendwo steht das alles schon, irgendwann hat er das alles schon erzählt, die Tür ist schon offen. Walz kennt die Fragen. "Was die Presse schreibt, interessiert mich nicht." Aber die Porträts, die wolle er gerne lesen. Er sei ein ehrlicher Mensch. "Lügen kann man nicht." Zum Abschluss hebt er die Füße und zeigt seine Diabetes-Schuhe. "Seht ihr, so eitel bin ich."