Soundcheck mit Klaxons, Casiokids, Zpyz und The Wave Pictures

Es ist fast Wochenende. Wir arbeiten mit Hochdruck hinter den Kulissen - an Lachsauge und anderen Projekten - und sind nicht einmal dazu gekommen, euch das Byte.fm Mixtape zur Verfügung zu stellen. Das wird nachgeholt, versprochen. Erstmal haben wir aber noch ein bisschen Musik gehört und unser Erlebtes dokumentiert. Wie immer, ungeschönt, offen und ehrlich.

 

Klaxons - Surfing The Void

Als 2006 irgendwann dieser Nu-Rave-Hype losging, haben die Klaxons es ziemlich geschickt gemacht und den SebastiAn-Remix ihrer Single "Golden Skans" zum trojanischen Pferd umgebastelt und sind damit quasi von Null auf Eins in den Hypem-Charts geschliddert. Schnell noch ein paar Remixe nachgelegt und dann war der Weg geebnet für ein neonfarbenes Krachmacheralbum wie "Myths of the Near Future". Mit "Surfing The Void" erscheint dieser Tage der Nachfolger. Die Welt hat sich mittlerweile ein Stückchen weiter gedreht und die Welt tanzt mehr nach David Guetta als nach Justice, Rapture oder den Herren von den Klaxons. Macht aber prinzipiell nichts, denn gute Musik wie "Surfing The Void" welche ist, funktioniert auch abseits von Trending Topics ziemlich gut. Klar, "Echoes", die erste Single sowieso. Aber nach dem emoesquen "The Same Space" lässt sich zumindest erahnen, wieso das Album von Polydor erstmal noch Retour ging und als zu experimentell abgestempelt wurde. Mir macht das aber nix. "Vally of the Calm Trees" ist mit seinen Folk-Anleihen ebenso genau richtig platziert wie das strokige "Venusia" oder das schon fast ein Stück zu poppige "Twin Flames". Im Endeffekt läuft es mir aber schon kalt den Rücken runter, wenn ich mich hier selbst bei dem Versuch beobachte, diese Stücke auf Teufel komm raus irgendwelchen Genres zuzuordnen. Was ich nur sagen kann: geiles Album, dass zwar ohne den 2k6-Hype auskommen muss - und das ist per se ja gar nicht mal etwas so Schlechtes. (7) Jan Wehn

Bereits erschienen via Polydor

Listen:Klaxons - The Same Space

 

 

Casiokids - Topp stemning på lokal bar

"Großartige Stimmung in einer lokalen Bar". Das ist der Titel dieser Platte - ebenso wie die Texte in der Muttersprache der Norweger. Im Übrigen wäre hiermit bereits das erste Puzzleteil beim Namen genannt, das dieses Album zu einem großartigen Ganzen ergänzt: die Melodie der norwegischen Sprache, ihre Intonation verleihen dieser Platte eine unfassbare Größe. Die Worte verlieren sich dabei in einer Mischung aus Brian Wilson-Pop- und Animal Collective-Folk-Harmonik und werden von einem Songwriting ergänzt, das einen immer wieder zum Visualisieren einlädt. Casiokeyboards, Gitarren, Chöre, Synthbässe und eine ganze Armee an nicht zu identifizierenden Klanggestaltungselementen helfen, eine ganz eigene Welt in seinem Kopf zu kreieren, die, unabhängig von den Worten der Texte, die die meisten nicht verstehen dürften, nur so vor Imaginationskraft strotzt. Was kann man denn von Musik eigentlich mehr erwarten? Tanz rosa Elefant, tanz! (9) Andreas Peters

Bereits erschienen via Moshi Moshi (Rough Trade)

Listen:Casiokids - Fot i Hose (Instrumental)

Listen: Casiokids - Finn bikkjen!

 

 

Zpyz - 2080

Zpyz (ausgesprochen: Spice - und oh ja, man zollt hiermit in gewisser Weise der Popgören-Formation Spice Girls Respekt), die sich bisher eigentlich eher im Berliner Untergrund herumgetrieben haben, packen jetzt ihr Debüt-Album auf den Markt. Warum sie sich erst jetzt dazu entschließen konnten, weiss das Duo allein. Denn 2080 geht bereits ein recht langer Band-Weg voraus, der sich jedoch bisher nicht auf Vinyl verewigt hatte. Die bisherigen Machenschaften spielten sich vor allem unter der Schirmherrschaft des Pop ab, doch unter dem Gut-Laune-Baldachin drängelte sich dann auch immer das ein oder andere Genre mehr. Diese Vielseitigkeit -oder auch Unentschlossenheit - ist ziemlich charakteristisch für das Musikverständnis von Locke und Ivan und spiegelt sich so natürlich auch auf dem Erstling ganz eindeutig wieder. Auch zahlreiche Zitate aus der neueren Musikgeschichte finden sich in der Mische aus Rockanleihen, Synthiepop, Glam-Geflirte, Elektro oder gar leicht psychedelischen Elementen.  Puh, das könnte anstrengend werden. Könnte, denn eigentlich beginnt das Teil mit einem Track, der zwar anständige Groove im Nacken hat, aber auch sehr zurückgelehnt um die Ecke kommt: "WTF" darf dann auch als Anspieltipp verstanden werden. Auch die restliche Besetzung der Platte zeigt, dass sich jeder Part für sich selbst, recht gesittet mit den unterschiedlichen Einflüssen auseinandersezt und sich so eine gewisse Harmonie im Chaos einstellt. Man hat die Wahl, das uneinheitliche Genrebild entweder als den schweifenden Blick über den Tellerrand zu sehen oder aber als Versuch, vor allem der Masse gerecht zu werden. Wie auch immer, das Debüt ist auf jeden Fall gelungen und dürfte so Manchen dazu bewegen, ungeniert Tanzbein und Stimmlippen zucken zu lassen. (8) Silvia Follmann

Bereits erschienen via Deag Music (Warner)

Listen:Zpyz - Walking Alone

 

 

The Wave Pictures - Sweetheart EP

Manchmal ist es schön, wenn sich nicht viel ändert. Manchmal, ist das Wiederholen der immergleichen Episode jedoch ermüdend. Bei den Wave Pictures kann man sich streiten: Garagenpop, Beatkonstrukte, 60er, 70er, 80er, 4-Spur und Fast-Falsett in Schieflage - die Eckdaten der musikalischen Komposition bleiben bestehen. Augenzwinkernde Lyrics lockern das Ganze auf und lösen die Musik vom Vorwurf reiner Retroromantik. Und obwohl seit dem großartigen "Instant Coffee Baby" etwas mehr Experimentierfreude Einzug erhalten hat, gilt: alles bleibt beim Alten. Auch auf "Sweetheart EP" ist keine große Kehrtwende zu erwarten. Never change a winning team. Doch irgendwann würde man mal gerne andere Spieler auf dem Rasen sehen als die Erfolg versprechenden, aber eben altbekannten Fratzen. Für 5 Songs geht das aber nochmal klar. (5) Andreas Peters

VÖ: 3. September 2010 via Moshi Moshi Roughtrade

Listen:The Wave Pictures - Blind Drunk (Acoustic)