Dass es auch mal gut und sehr sehr wichtig sein kann, Musik separat von ihrem Schöpfer zu betrachten, zeigt die neue Platte von Oberkotzbrocken Nathan Williams. Ein eindrucksvolles Zeugnis, die dritte Wavves-Platte. Richard Ashcroft treibt einen gewissen Personenkult mit seinem neuen Projekt RPA And The United Nations Of Sound weiter voran - mit eher mittelmäßigem Ergebnis. Ansonsten: ein großartiger DJ Kicks-Sampler von Kode 9 und ein eher schwaches Album von Tired Pony. Der Souncheck...
Wavves - King Of The Beach
Wenn man sich Nathan Williams so bei Live-Auftritten oder in interviews reinzieht, entsteht der Eindruck, dass dieser -'tschuldigung - Vollidiot bestenfalls postpubertäre Kacke fabrizieren kann. Dann hört man eine der ersten beiden Platten der Wavves oder "King Of The Beach" und weiß: es ist nicht alles, wie es zunächst zu sein scheint. "King Of The Beach" dürfte die erste Platte des Projektes sein, die nicht direkt einen Hörschaden hinterlässt, sondern gezielt mit schiefen Melodien spielt und einen musikalischen Dilletantismus feiert, der in Dissonanzen und bewusstem Gesang in Schieflage spielt. Großartig - das Pubertäre erhält dann in den Texten wieder Einzug, doch ein bisschen Postadoleszenz feiern wir ja auch ab - kommt uns sozusagen sehr gelegen. Daumen hoch. Für die Musik, nicht für den Typen. (8) Andreas Peters
Bereits erschienen via Cooperative Music (Universal)
Tired Pony - The Place we ran from
Eine Woche mehr für Größe. Das wär's gewesen, damit die vielen Starköche die doppelte Zeit gehabt hätten das Super-Gumbo so abzuschmecken, dass Gary Lightbody, Richard Colburn, Peter Buck und Co. genügend Platz zu atmen geblieben wäre. So hat „The Place we ran from" seine schönen Momente als Instant-Melange, jedoch ohne wirkliche Würze. Doch jetzt mal die kulinarischen Metaphern beiseite. Wenn Tired Pony nicht aus berühmten Namen bestehen würde, dann wäre dieses Album an uns verbeigegangen und nicht mal in obskuren Jahresschönheitslisten für die Country-Easy-Listening-Grammy-Vorauswahl gelandet, wo sich solche Alben gerne mal rumtreiben. Wenn dieses Album durchblitzen lässt, wozu es fähig gewesen wäre, dann in den Songs, die den jeweiligen Stempel zu lassen. „Point me at lost Lands" z.B. lebt von Peter Bucks Gitarre, die Gary Lightbody dankbar aufnimmt und gesanglich verfeinert, aber nicht überlagert. Genauso „Get on the Road", wo Lightbody die treibende Kraft ist und seinen Background nicht verleugnen kann/will und sich das Star-Ensemble zur tragenden Begleitband verflüchtigt. In vielen anderen Momenten hingegen wird einen wieder die Tragik der Supergroups bewusst, die daraus besteht, dass es scheint, also würde keiner den anderen sagen wollen, dass dieser oder jener Part fehl am Platz, langweilig, oder einfach schlecht ist. „Dead American Writers" könnte auf diesem Album als Blaupause dafür dienen. „The Place we ran from" wäre dafür ein typischer Soundtrack, um in einem Film die wichtigen Momente mit viel Pathos, Hall und Herzblut zu unterstützen, die Protagonisten zu begleiten und zu ummanteln. Eine eigenständige Geschichte schafft das Album aber nicht zu tragen. (4) Matthias Schädl
Bereits erschienen via Cooperative Music (Universal)
RPA & The United Nations of Sound - United Nations of Sound
Come on! Ja, man sollte einem Künstler seine Entwicklung lassen und nicht ewig den gleichen Stil einfordern. Es sind Menschen, die auch einmal etwas anderes probieren wollen, gerade ihre Meinung geändert haben und eine neue Idee zu einem Lebensgefühl aufpumpen und sich dabei für den Moment prächtig fühlen. Absolut legitim. Doch genau wie Freunde einen manchmal mit sorgevoll hochgezogenen Augenbrauen dabei begleiten, so muß der Künstler mit den vielen Augenbrauen seiner Fans rechnen/leben. Mr. Ashcroft wird dieser Tage sicherlich bis in den Schlaf davon verfolgt. Zwar hat die Vorab-
Single „Are you ready?" durchschnaufen lassen und Hoffnung auf mehr gemacht, jedoch verpufft diese Hoffnung sofort, wenn anschließend „Born again" eine eklige Pseudo-80s-Pseudo-Hymne-Synthie-Drums-Katastrophe ist. Wobei man eigentlich gleich auf des Übels Kern stösst: Wenn man eine Stimme, wie die von Richard Ashcroft, über die billigsten Keyboard-Drums legt, dann treffen zwei Welten aufeinander, die einfach nicht matchen und schon im Grundgedanken gar nicht fähig sind eine fruchtbare Symbiose einzugehen. Wie Nutella mit Sülze (ja, es wird Leute geben, die auch das schätzen). Leider wird es auch nicht geschafft, die urbanen Hymnen zu erzeugen, die in einigen Songs kurz aufblitzen, sich bis zum Refrain hochschaukeln und in selbigen zusammenfallen. Das Potential und das Können wäre ja vorhanden. Doch vielleicht ist es der Instrumentierung geschuldet, dass sich das Urbane in Megacity verwandelt hat und es sich irgendwie falsch anhört. „United Nations of Sound" scheint nämlich durchaus, und zwar immer wenn Mr. Ashcrofts Stimme mit einer unüberhörbaren Freude an der wieder erlangten Freiheit sich seine Bahnen in die Herzen sucht und findet. Bei „America" und „Royal Highness" schafft er damit auch den Kampf zu gewinnen und die künstlerische Weiterentwicklung schlägt erfrischend durch. Da wird der Parkakragen aufgestellt und mitgewippt. Ein bißchen mehr 80s, ein bißchen mehr Swingrock, ein bißchen mehr Coolness. Auf Albumlänge leider ein bißchen zu wenig. (5) Matthias Schädl
Bereits erschienen via EMI UK
Kode 9 - DJ Kicks

Die DJ-Kicks-Reihe erfreut sich seit einiger Zeit großer Beliebtheit. Sinn der Reihe ist es, den Einflüssen und Geschmäckern des ausführenden Künstlers auf den Grund zu gehen. Dabei kann es oft arge Überraschungen/Enttäuschungen geben oder, wie im Falle von Kode 9, ein 1a-Mixtape herauskommen, das exakt das hält, was es versprochen hat. Mal etwas mehr, aber vor allen Dingen nicht weniger. Bei der Kode 9-Version der Reihe erkennt man schon beim Blick auf die Playlist, dass hier keine großen Überraschungen zu erwarten sind. Ikonika, Digital Mystikz, Zomby, The Bug und Ramadanmman sind Namen, die man auf jeden Fall vermutet hat. Der Rest der Platte ist gespickt mit unfassbar tollen Halb-Überraschungen wie dem ultrakurzen "Phat Si" von Cooly G. Aardvarck, Morgan Zarte, Scratcha DVA und Maddslinky dürften dann (klärt mich auf, wenn es anders sein sollte) in die Kategorie der hörenswerten Undergroundacts gehören. Auffällig ist bei diesem Mix die Stringenz, die entsteht, wenn man versucht, aus dem Gehörten ein Gesamtbild über das Schaffen Kode 9s zu erhalten. Man bekommt, was man erwartet hat, puren Dubstep, in seiner schönsten und reinsten Form und nebenher sogar noch ein paar vielleicht vorher ungehörte Namen. (8) Andreas Peters
Bereits erschienen via K7!