Soundcheck mit Korn, Morcheeba, Magic Numbers und Sleigh Bells

Die Sleigh Bells hatten wir schon lange auf dem Schirm, doch pünktlich zu ihrem Albenrelease sind sie dann doch irgendwie in Vergessenheit geraten. Nur kurzfristig. Die Tristesse der mittelmäßigen Veröffentlichungen erlaubt es uns nun, die Platte des Duos mit einmonatiger Verspätung zu besprechen. Korn, die Magic Numbers und Morcheeba mussten sich ebenfalls unseren prüfenden Ohren darbieten und machten keine allzu gute Figur. Doch lest selbst.

 

Korn - III: Remember who you are

Manch monumentale Gebäude werden nach Ablauf ihrer Tauglichkeit gesprengt und innerhalb einer Sekunde zerstört, andere Groß-Konstruktionen wie Brücken werden stückchenweise demontiert. Was das mit Korn zu tun hat? Nun, die Parallelen sind vorhanden. Korn hat in den Neunzigern eine einmalige Brücke zwischen rhythmischer Härte und Mainstream gebaut und damit zwei Welten verbunden. Doch nun sind die Neunziger schon lange her und Genre-Grenzen gibt es mittlerweile nicht mehr. Natürlich wäre es vermessen einer Band, die einen einzigartigen Trademark-Sound geschaffen hat, zu sagen, dass man sein Erbe manchmal besser verteidigt, wenn man sich zur Ruhe setzt. Anyway, Korn haben den Zeitpunkt des würdevollen Abgangs sowieso schon lange überschritten. Anscheinend ist das auch an den Jungs aus Berkeley nicht komplett vorbeigegangen und so wird auf „III: Remember who you are" der Mann zum dritten Mal ins Boot geholt, der die ersten zwei Alben zu Audio-Meilensteine gemacht hat. Cleverer Move! Ross Robinson schafft es auch wirklich erneut der Scheibe eine Produktion aufzudrücken, die dich bei den richtigen Subwoofern direkt ins Jenseits befördert. Der Slap-Bass von Fieldy stört einem den Herzschlag, die Gitarren von Munkey ficken die Synapsen und der Gesang von Mr. Davis kommt von ganz weit hinten in den verstörten Verstand und hinterlässt einen geistigen Horrorfilm, den man keine FSK 16-Empfehlung mehr aussprechen kann. Wo ist also der Haken? Vielleicht, dass man den Bass schon besser und inspirierter gehört hat, dass die Gitarrenspuren unglaublich austauschbar geworden sind und man dem Gesäusel, Geschrei und Gewimmer von Jonathan einfach nicht mehr zuhören mag? Möglich. Dabei ist es nicht so, dass „III: Remember who you are" wirklich schlecht wäre, sondern sogar das beste Album, dass sie in diesem Jahrzehnt aufgenommen haben. Songs wie „Pop a Pill", „The Past" und „People Pleaser" fügen sich schlüssig in das Gesamtbild Korn und geben einem ein nostalgisches Gefühl. Vor zehn Jahren hätten es echte Indie-Hits werden können und vor fünf bis acht Jahren der o.g. würdige Abgang. Nun ist es nur noch eine langsame Demontage einer Legende. (5) Matthias Schädl

Bereits erschienen via Roadrunner Records (Warner)

Video: Korn - Pop A Pill

 

 

Morcheeba - Blood Like Lemonade

Die Ungekrönten der, eigentlich recht undankbaren, Kategorie der Lounge-Music sind ein siebtes Mal mit einer neuen Platte am Start. Blood Like Lemonade heißt das gute Stück und auch wenn kaum ein Künstler in besagter Sparte dümpeln will, so ist es doch manchmal eine feine Sache. Man schiebt sich damit in eine bequem ausgepolsterte Ecke des Künstler-Daseins, die immer seine Abnehmer findet. Ok, das klingt jetzt alles nicht so nett. Dabei sind Morcheeba doch wirklich ausgebuffte Freunde des Trip-Hop, was sie in der Vergangenheit zu genüge demonstrieren konnten, auf dem gerade erschienen Album jedoch kaum eine Rolle spielt. Wer stattdessen wieder seinen Platz in der Formation gefunden hat, ist Sängerin Skye Edwards. Die sanfteste Schmiergelpapier-Stimme weit und breit unterstützt die durch den Gehörgang wabbernden Sounds und gibt ihnen den altbekannten, wohligen Feinschliff. Auf dieser Platte gibt es keine Höhen und Tiefen. Die Damen und Herren Morcheeba kennen sich in ihrem Metier aus, so dass man wieder einmal ein verlässliches Werk an der Hand hat, dass sich unglaublich gut im Hintergrund melancholisch-schöner Stunden macht. Und zudem kaum seine Gültigkeit verliert. Das muss man auch erstmal hinbekommen. (6) Silvia Follmann

Bereits erschienen, via Pias Recordings (Rough Trade)

Video: Morcheeba - Self Made Man

 

 

Sleigh Bells - Treats

Die Sleigh Bells haben wir schon lange auf dem Schirm. Blöd nur, dass wir sie pünktlich zum Albenrelease dann wieder so ein bisschen aus den Augen verloren haben. Egel, die Platte ist zeitlos, erst recht aus dem Blickwinkel einen Monat nach Veröffentlichung. Aber überhaupt: was soll man da groß schreiben? Versuchen wir doch einfach in aller Kürze und aller Würze den Noise-Pop des Duos in eine Metapher zu packen, die das Cover (ob gewollt oder nicht gewollt so gewählt) mit einbezieht. Im Grunde ist auf "Treats" klassischer (Dream-)Pop zu hören, so aalglatt und oberflächlich, wie es die Cheerleaderpyramide andeutet. Doch die Fassade wird im Grunde auch in keiner Sekunde aufrecht gehalten. In jedem Moment erschüttert ein orkanhaftes Noisegewitter die Pop-Strukturen und Harmonien, so wie es eine Horde bulliger Footballspieler mit der Pyramide der Cheerleader tun würden. Eine der definitiv besseren Platten in 2010! (8) Andreas Peters

Bereits erschienen via Sony Music

Video: Sleigh Bells - Tell 'Em

 


The Magic Numbers - The Runaway

Wer 4 Jahre keine Platte aufgenommen hat und nicht etwa U2, Radiohead oder Depeche Mode heißt, dürfte es ziemlich schwer haben, wieder Fuß zu fassen, gerade dann wenn Platte Nummer 1 und Nummer 2 keine Über-Alben waren. Der einzige Weg aus dieser Misere wäre eine treue, große Fanschar oder aber ein fantastisches, alles umhauendes 3. Album. Bei den Magic Numbers ist bei beiden Bedingungen eher Fehlanzeigen. Um es kurz zu machen: "The Runaway" ist profilloser, moderner Folk aus dem Herzen Londons. Eine nette Platte, die keinem weh tut, aber an die sich auch niemand mehr erinnern wird, sollte die Bande entscheiden, demnächst nochmal eine längere Pause zu machen. Der Wiedererkennungswert fehlt, da helfen die 1-2 guten und Mixtape-tauglichen Songs "The Pulse" und "Once I Had" im Endeffekt auch nicht wirklich. (4) Andreas Peters

Bereits erschienen via Cooperative Music (Universal)

Video: The Magic Numbers - Once I Had