Melt! Tag 1
Die Vorzeichen des diesjährigen Melt!-Festivals waren nicht die Besten - jedenfalls wenn es um mich persönlich geht. Ich konnte erst am Freitagmorgen morgen gegen 10 Uhr losfahren, da ich noch universitäre Verpflichtungen hatte (nein, keine normale Vorlesung, die hätte man ja ausfallen lassen können). Also machte ich mich alleine auf den Weg von Bonn nach Gräfenhainichen. Über 500 Kilometer Autofahrt, und das alleine, das ist wahrlich kein Spaß. Mein Glück war, dass bei diesen tropischen Temperaturen die Klimaanlage funktionierte und mein iPod vollgeladen war, sonst, das schwöre ich, hätte ich die Zeit nicht überstanden.
In Ferropolis angekommen, war oberste Priorität das bereits aufgebaute Zelt zu finden, während meine bereits einen Tag vorher angereisten Begleitpersonen schon bei Oliver Koletzki vor der Big Wheel Stage abspackten. Glücklicherweise schaffte ich es dann doch noch zumindest das Ende von dessen (so ließ ich mir berichten) fantastischen Set zu sehen. Danach war die erste Bredouille, aber lange nicht letzte an diesem Wochenende, zu lösen: Pantha Du Prince, Matias Aguayo oder Ja, Panik. Aufgrund der Hitze im Intro-Zelt, wo die von mir präferierten Ja, Panik spielten, schaffte ich es am Ende doch noch bei allen mal reinzugucken und obendrein bekam ich das hervorragend passende Calypso-Feeling von Shout Out Louds' "Impossible" zu spüren. Gut gelöst.
Der Abend hatte noch so einige Highlights. Two Door Cinema Club haben einfach eine verdammt souveräne Show runter gerissen, was anbetrachts ihres Hypestatuses sehr überraschte. Ebenfalls einem Hype entsprungen ist Jamie XX, dessen Dubstep-Set zwar in den Übergängen hier und da etwas hakte, im Grunde aber solide und tanzbar war. Health wiederum hatten die undankbare Aufgabe, im Zelt zu spielen, das sich einfach nicht abkühlen wollte. Dieser Umstand wirkte sich letztlich nur auf die Zuschauerzahl aus, nicht jedoch auf die destruktive Performance der Noise-Rocker, allen voran Bassist BJ, der über die Bühne wirbelte als gebe es kein Morgen. Der Aufenthalt im Zelt nagte so an der Kraft, dass der fest eingeplante Lindström&Christabelle-Gig kurzerhand gestrichen wurde. Stattdessen gab es neben einigen Bieren und Würsten ein hervorragendes Set von Foul Tet bei unfassbarer Kulisse (auf der anderen Seite des Sees, so schien es, blitzte und donnerte es), einen mittelmäßigen Auftritt von Autokratz (inklusive absolut abspackendem Mann an den Reglern), ein interessantes Dubstep-'Battle' zwischen Kode9 und Martyn, sowie einem maximal bratzenden Set von Danger auf der Gemini-Stage. Die Nacht endete zu den After-Hour-Klängen von Ricardo Villalobos bei aufgehender Sonne auf der atmosphärisch in dem Moment nicht zu toppenden Big Wheel Stage. Und als wir um halb 7 in Richtung Schlafplatz schlurften, tanzten die Menschen immernoch. Da war der Sleepless-Floor noch nicht einmal geöffnet.
Melt! Tag 2
Das Unwetter (siehe Four Tet-Auftritt) zog an uns vorüber und als wir um 11 Uhr von der stehenden Hitze in den Zelten geweckt wurden, kamen die letzten Feiernden vom Sleepless-Floor. In Anbetracht des anstehenden langen Tages war die Entscheidung erst gegen 20.30 am Gelände aufzuschlagen, besiegelt. Tatsächlich ließ ich mich dazu überreden, mir Dendemann anzusehen und wurde mehr als positiv überrascht von einem, der mal so etwas wie ein Jugendsymbol war und hier perfekt in die Nische passen möchte. Der anschließende Auftritt Jamie T.s war mittelmäßig, die Interpretation vieler Songs ließ oft zu Wünschen übrig. Schade drum, und tschüß Mainstage. Denn es galt, eines der Highlights anzusteuern: Jamie Lidell lieferte eine unglaubliche Liveperformance mit variabler Stimmgewalt für diejenigen ab, die die lange Aufbauzeit abwarten wollten. Anschließend wieder zur Mainstage: DJ Shadow und Chris Cunningham bildeten eine perfekte Einheit, die potentiell von den Jungs von Moderat hätte weitergeführt werden können, hätte sich ihr Gig nicht um mindestens eine Stunde nach hinten verschoben und es somit für mich unmöglich machte, den Auftritt bis zum Ende zu verfolgen. Fazit des zweiten Tages: heute wurde viel zu viel verpasst: Hurts, Chromeo, Carl Craig und die Dirty Projektors sind nur einige der Namen.
Melt! Tag 3
Kein Tag des Festivals ist so deprimierend wie der letzte. Das gilt ganz besonders fürs Melt!, bei dem der letzte Tag nicht nur aufgrund einiger abreisender Gäste, sondern auch aufgrund eines (im Vergleich!) mittelmäßigen Line-Ups und der anstehenden Abreise stimmungsmäßig etwas abfällt. Dennoch, dieses Gefühl ist mit Betreten des Geländes passé. Und der heutige Opener sorgt in besonderem Maße dafür. Die Kings Of Convenience lieferten bei traumhaften Wetter ein großartig akkustisch-minimalistisches Set ab und waren, auch dank eines schon seit 3 Tagen auf dem Melt! herumgeisternden Erlend Oye, mit Sicherheit eines der Highlights dieses Wochenendes. Ein Prädikat, das man auch Fred Falke und den Broken Bells ausstellen darf, deren Auftritte durch die krasse Überschneidung einen kleinen Wehrmutstropfen erhielten. Turbostaat, die heute und insgesamt wohl am Wenigsten ins Line-Up passten, sahen sich einer Schar begeisterter Anhänger gegenüber, mit denen sie gemeinsam das Intro-Zelt zum Kochen brachten und dürften nebenbei vielen Unbehelligten ihre Platten nähergebracht haben. Den Abschluss des Festivals bestritten für uns persönlich Massive Attack (da bei WhoMadeWho das Zelt aus allen Nähten platzte und Ellen Allein und Sascha Funke aufgrund der frühen Zeiten und der anstehenden Rückfahrt verpasst werden mussten). Alles in allem war die Enttäuschung insgesamt über den heißersehnten Auftritt der Briten wohl groß. Persönlich würde ich für das Fehlen einer speziellen Stimmung für das Trip-Hop-Break-Beat-Set die unzähligen ignoranten Besucher (übrigens ein Eindruck, den ich bei diesem Melt! zum ersten Mal hatte) verantwortlich machen, die sich besoffen, grölend und ununterbrochen redend in die Menge mischten und die Musik nicht selten übertönten.
Wir fielen dennoch totmüde ins Bett und spätestens am nächsten morgen wurden verbindliche Verabredungen für das nächste Jahr getroffen, denn Fakt ist auch dieses Mal: Melt! ? Immer wieder