Soundcheck mit Sia, Stars, Robyn und James Yuill

Jawoll. 37 Grad Celsius, Sommer, Spaß und gute Laune. Sias neue Platte passt genau hier rein, ebenso wie der unaufdringliche Synthie-Folk von James Yuill, anders jedoch als die melancholische State-Of-The-Art-New-Wave-Songs der Stars, die Matthias zwar differenziert, aber dennoch wohlwollend bewertet. Am Ende versucht Andreas die neue Platte der Schwedin Robyn musikalisch zu bewerten, auch wenn die Hauptarbeit der Analyse wohl den Gender-Forschern überlassen werden muss.

Sia - We Are Born

Zero 7 wussten schon was sie an ihr hatten. Nach der Zusammenarbeit mit ihnen stand auch  der Rest der Musikwelt auf dem Plan und die Australierin Sia startete solo durch. Schon ihre letzten Veröffentlichungen bekamen einige Aufmerksamkeit, doch irgendwie haftet ihr noch immer das Etikett eines kleinen Geheimtipps an. Pünktlich zum Sommer ist sie nun zurück mit einer neuen Platte, die sie gemeinsam mit dem musikalisch nicht gerade unbefleckten Greg Kurstin produziert hat. We Are Born ist wie gewohnt poppig mit einigem Groove und Trip Hop Anleihen auf dem Buckel. Ihre so wundervoll dunkle, markante Stimme, die sie aber bei Bedarf hauchzart werden lassen kann, hat sie glücklicherweise auch einigen balladesken Nummern zukommen lassen. Eine Disziplin die sie ganz nebenbei nahezu in Perfektion beherrscht, wie man bei "I'm In Here" oder "Be Good To Me" hören kann. Insgesamt zeichnet We Are Born ein ziemlich dichtes Soundgeflecht aus,  das man schon von den letzten Alben kennt, aber nun von einem deutlich erhöhten Basis-Tempo voran getrieben wird. Bunt. Laut. Wild. Tach gute Laune! (8) Silvia Follmann

Bereits erschienen via RCA INT. (Sony BMG)

Listen: Sia - I'm In Here

 

 

Stars - The Five Ghosts

Der (minimalistische) Rock ist weg, die Synthies haben die Herrschaft übernommen. Erst relativ unbemerkt, dann mit ernüchternder Wucht. Zu sehr nehmen einen die ersten fünf Songs mit auf den Tanzflur, bis man bemerkt, dass irgendetwas anders ist. Nicht schlimm, aber deutlich. Denn wenn „Wasted Daylight" und die Single „Fixed" mit feistem 80ties-Flavour in die Beine und den Longdrink fahren und Torquil's und Amy's Stimmen gewohnt bittersüß-zerbrechlich über das Leben singen, dann hat das schon alles seine Richtigkeit und die vertraute melancholische Wärme (Melancholie und Wärme schließen sich nicht aus!). Leider schaffen die Stars mit ihrem fünften Album nur die schnelleren Songs mit State-of-the-Art-New-Wave zu veredeln. Für die langsameren Songs reicht es meist nicht. „The last Song ever written" zum Beispiel, grenzt zwar an einer bösen Cheesyness, schafft es aber durch den lieblichen Zwiegesang sich rechtzeitig in eine kleine Offenbarung zu verwandeln. „Changes", „Winter Bones" und „He dreams he's awake" schaffen diese Kurve nicht. Dort wo sonst lieblicher Lo-Fi vorherrschte, der den Charme der Stars durchaus ausmacht und die Geschichten über die kleinen, großen Fragen im Leben trägt, wird in diesen Songs mit uninspirierten, unglaublich langweiligen Pads die nachdenkliche Ruhe gesucht. Hier hätte der Geist der letzten Scheiben gut getan, um den Spannungsbogen galant über die Zeit retten. So funktioniert die (elektronische) Weiterentwicklung unaufdringlich, während die Ausfälle unschöne Kratzer im sonst runden Bild von The Five Ghosts hinterlassen. (7) Matthias Schädl

Bereits erschienen via Soft Revolution Records (Alive)

Listen:

Stars - Wasted Daylight

 

 

James Yuill - Movement In A Storm

Zwei musikalische Leidenschaften, ein Output, ein Mann, eine Platte - und am Ende steht der abgewetzte und unsympathische Ausdruck der 'Folktronica'. Doch tatsächlich passt der Begriff wie die Faust aufs Auge. Folksongs werden in Synthiestrukturen verwoben und mal hier, mal da, von einem stoischen Beat unterlegt. Da kommen einem unweigerlich The Postal Service, Beck oder auch die Kings Of Convenience. Ein komischer Treppenwitz dieser Musikgeschichte ist, dass James Yuill auch visuell an eine Mischung aus Beck, Jarvis Cocker und Erlend Øye. Ganz unaufdringlich nähert sich Movement In A Storm dem Hörzentrum und verweilt dort solange subtil, bis die ersten Melodien in Ohrwurmform den Lippen entweichen. Und dann ist es passiert, dann ist die Platte angekommen. Und wenn eben nicht, dann bleibt immerhin eine unaufdringliche Folk-Platte von einem, den man problemlos als Hipsterversion eines Schwiegermutter-Leiblings bezeichnen könnte, und die niemanden ernsthaft stören kann. (6) Andreas Peters

Bereits erschienen via Cooperative Music (Universal)

Listen: James Yuill - Crying For Hollywood

 

 

Robyn - Body Talk Pt. 1

Mit dieser Platte und dem gesamten Habitus, der sie umgibt, könnten sich die Gender-Studies sehr lange beschäftigen. Robyn macht auf Retro-Futurismus und bestimmt nebenher einfach mal die Rolle der Emanzipation neu. Nach Ent- und Übererotisierung der sogennanten It-Girls in der Musiklandschaft der letzten Jahre setzt Robyn nun auf eine Robotisierung der Körperlichkeit und trägt somit den Feminismus auf eine neue Ebene. Fembots haben aber auch Gefühle und das beweist die selbsternannte Roboterfrau musikalisch auf ganzer Linie. Vom Dancepop zu Beginn der Platte marschiert die Schwedin über Dancehall und Balladen hin zu einer wunderschönen Hommage an die schwedische Sprache ("Jag Vet En Dejlig Rosa"). Die Wandlungsfähigkeit ihrer Person trägt Robyn in ihre Musik und das tut verdammt gut. (8) Andreas Peters

Bereits erschienen via Ministry Of Sound

Listen: Robyn - Don't Fucking Tell Me What To Do