Soundcheck mit The Morning Benders, Trentemøller, Kele und Eminem

Während sich einer konsequent weiterentwickelt (Kele) und einer sich von seinem früheren musikalischen Schaffen gewissermaßen abwendet (Trentemøller), bleibt ein anderer konsequent bei seiner Linie und darf dafür gefeiert werden, sich mit bewährten Mitteln aus dem Sumpf gezogen zu haben (Eminem). Außerdem legt eine tolle Indieband aus Berkeley eine Platte vor, die unfassbar toll ist (The Morning Benders): Der Soundcheck mit ausgewählten Hörproben.

The Morning Benders - Big Echo

Das große Echo ist ein Versprechen, dass The Morning Benders mit der neuen Platte nicht einhalten können und wollen. Der große Knall - in Dezibel gemessen - bleibt aus, dafür knall großartigster Indie-Rock auf emotionaler Ebene durch die Lautsprecher. Veortet zwischen Dream Pop á la Beach House, Shoegaze á la Girls und Brooklyn-Indie-Pop im Stile von Grizzly Bear (deren Chris Taylor die Platte auch produzierte), bietet "Big Echo eine ganze Menge Platz, sich als Hörer einzufinden. Wie ein guter Freund ist diese Platte, die ein Gefühl der Vetrautheit erreicht ohne bloß zu kopieren. "Excuses" ist ein lupenreiner Beatles-Song, "Promises" hätte auch auf Veckatimest von Chris Taylor und Co. erscheinen können und "Cold War" widerum hätte dem selbstbetitelten Album der Girls gut zu Gesicht gestanden. Doch all diese Anleihen werden mit einer persönlichen Note versehen, die "Big Echo" zu etwas einzig- und eigenartigem (in der reinsten Bedeutung des Wortes) macht. (9) Andreas Peters

Bereits erschienen via Rough Trade/Beggars Group (Indigo)

Listen: The Morning Benders - Cold War


Trentemøller - Into The Great Wide Yonder

Wie macht man das

? Etwas über eine Platte zu schreiben, die an sich ziemlich gut ist, aber dennoch enttäuscht. Enttäuscht nicht weil sie schwächer als der Vorgänger wäre, sondern weil sie eben ganz anders als alles andere ist, was der Künstler vorher so zu Gehör gebracht hat. Wilkommen mittendrin in der Trentemøller-Problematik. Mit "Into The Great Wide Yonder" hat der Däne eine Platte aufgenommen, die zwischen Industrial, Electronica und Pop/Rock changiert, dabei großartige Momente schafft ("Syncamore Feeling", "Silver Surfer, Ghost Rider Go!!!"), aber in meinem subjektiven Empfinden doch eine Enttäuschung hinterlässt. Der Minimal-Bastler aus Single- und Remix-Zeiten ist passé, so scheint es, stattdessen widmet sich Anders Trentemøller eher der Kreation einer halbwegs düsteren Stimmung mit den Mitteln eines Pop-Songs. Durch diese neuentdeckten Songstrukturen fließt ein Fluss aus Drones, Clap-Drums, epischen Basslines und Surfgitarren und hier und da kommt dann doch nochmal der alte Elektro-Bastler hervor und das sind die besten Momente der Platte, wenn das alte und neue Ich des Mannes eine Symbiose eingehen. Bleibt festzuhalten: Gut ist die Platte, ziemlich gut sogar, wenn man sich nur einmal mit den Tatsachen abgefunden. (7) Andreas Peters

Bereits erschienen via In My Room (Rough Trade)

Listen: Trentemøller - Silver Surfer, Ghost Rider Go!!!

 

Kele - The Boxer

„Was mit Electro machen" - das war so ein Vorhaben, welches sich in letzter Zeit viele Künstler aus dem Urban-Sektor ganz interessant fanden. Das jetzt Indierockbands oder hier im Speziellen: Kele Okereke von Bloc Party, jetzt auch „was mit Electro machen" möchten, ist ja eigentlich schon ein Widerspruch sich, waren elektronische Strukturen und Ansätze eigentlich stets tief in der Musik der britischen Band. Macht aber eigentlich auch nichts, denn wo Alben wie „Weekend In The City" stets eher in Richtung melancholischer Melodramatik abdrifteten, schaltet Kele die Konstante Club dazu. Heißt konkret: hier wird das tanzbare Wochenende exzessiv vom Freitagnachmittag bis Sonntagnacht in allen seinen musikalischen Facetten zelebriert wird. Egal ob der Motorsägen-Opener „Walk Tall" mit Hi-Hat-Geschepper oder der astreine Techhouse-Throwback „On The Lam". Spannend ist vor allem, dass Kele's markantes Organ aus jedem noch so lahmen Trance-Trip einen besonderen Moment herauskitzelt. Und das allerschönste: so ganz kann Kele es dann doch nicht lassen und liefert mit „Unholy Thoughts" auch einen astreinen Left Over vom letzten Bloc Party-Album. Als Versöhnung, quasi. Was hier stattfindet ist zwar nicht so ganz anders als die restlichen Hybrid-Hypes der Stunde, geht insofern aber in Ordnung, als das hier nicht an der konsequenten Negierung der eigenen musikalischen Vergangenheit gearbeitet, sondern sich sehr wohl auf diese bezogen wird. Achso: ich hatte ehrlich gesagt keine Lust ob des Albumtitels jetzt Boxmetaphern und ähnliche schreiberische Schmonzetten aufzufahren. Aber: „The Boxer" ist ein schöner Schlag in die Fresse. Aber was für einer. Starkes Album. (8) Jan Wehn

Bereits erschienen via Cooperative Music (Universal)

Listen: Kele - On The Lam

 

Eminem - Recovery

 

 

 

 

 

 

 

 

//So don't compare me to them other bums over there
It's like apples to oranges, peaches to plums yeah
I'm bananas pussy, cut off the grapes and grow a pair
But I swear, you try to diss me, I'll slaughter you
I put that on everything, like everyone does with auto-tune
That last thing you wanna do is have me spit out a rhyme
And say I was writing this and I thought of you so//

Damn ja, da ist er wieder. Nie war er wirklich weg, doch:

 

 

//It's different now the last two albums didn't count
Encore I was on drugs, Relapse I was flushing 'em out
I've come up to make it up to you no more fucking around
I've got something to prove to fans I feel like I let 'em down//

Nein, er ist und bleibt der selbe und entweder du gehst drauf steil oder du lässt es bleiben. Die Reime ausgespuckt wie Feuer, seine Stimme zersägt alles, was sich ihr in den Weg stellt und am Ende noch eine Überraschung: Nicht überall wo P!nk mit draufsteht, ist automatisch scheisse drin (siehe unten). (9) Andreas Peters

Bereits erschienen via Interscope (Universal)

Listen: Eminem - Won't Back Down (feat. Pink)