Soundcheck mit Starkey, Efdemin, Memory Tapes und The Dead Weather

"Was wollen sie uns damit sagen?". Diese Frage stellte sich Matthias anlässlich der neuen Veröffentlichung von The Dead Weather, der Supergroup um Jack White. So ganz eindeutig kann er die Frage für sich auch nicht beantworten, daher bleibt das Urteil eher bescheiden. Anders verhält es sich beim guten Starkey, dessen neue Veröffentlichung Andreas in höchste Höhen lobt. Und auch Philipp Sollmann a.k.a. Efdemin und Memory Tapes haben mit Album Nr. 2 bzw. 1 schön was Nahrhaftes in die Plattenküche geworfen.

 

Starkey - Ear Drums and Black Holes

Das ist wirklich ganz großes Kino. Der Philadelphia-Sound, den der gute Starkey sich angeeignet hat, ist so beängstigend nah am Dubstep, dass die Buddies der Hyperdub-Crew schon ängstlich mit den Beinen schlottern. Doch der Street-Bass, der auch auf Ear Drums And Black Holes mal wieder mit reichlich Melodie unterfüttert wird, kriegt immer noch die Kurve in Richtung Hip-Hop. Hierzu holt sich der Gute gerne mal den ein oder anderen Fehleingeschätzten ins Boot oder eben jene, die bewiesenermaßen großes Potenzial bewiesen und dennoch vom Mainstream noch nicht vereinnahmt wurden. In diesem Fall wären das namentlich Cerebral Vortex, P-Money, Anneka und Kiki Hitomi. Auffällig ist dabei wie sehr sich die Tracks an die Skills der Rapper/Sänger anzuschmiegen versuchen. So ist "Murderous Words" mit Cerebral Vortex ein astreiner Grime-Schaber, legen sich die Sci-FI-Sounds in "Numb" um den überragenden Flow von T-Money oder hält sich das spacige Geblubber in "Stars" schön im hintergrund, um das herzerwärmend schöne Gesäusel Annekas nicht in eine Nebenrolle zu drängen. Ja, dafür gibts alle Daumen hoch. Well done! (9) Andreas Peters

VÖ: 23. April via Planet Mu

 

 

Efdemin - Chicago

Philipp Sollmann's Kurs zum Strukturaufbau von House-Tracks. Ganz recht, denn viel sanfter und vorsichtiger, gleichzeitig aber clever und bis in die Haarspitzen mit Neugierde erfüllend als in "Cow Bells" kann ein Song doch nicht eingeleitet werden, der gleichzeitig die ganze Platte gewissermaßen vorstellt. Hinter der Deep-House-Fassade finden sich Jazz-Drums, live wie elektronisch, die titelgebenden Kuhglocken und auch sonst noch so einiges aus dem Kuriositätenkabinett. Trotz des Einsatzes von u.a. Orgel, Cello und Flöten bleibt Chicago ein Deep-House-Album, das in seinem Minimalismus und in Form seines Titels der gleichnamigen amerikanischen Stadt als Ursprung dieser Art von Bass-Musik huldigt. Und auch jene, die nicht so sehr "into the scene" sind, dürfte diese Platte doch überzeugen können. Und die unter euch, die einen kleinen Kurs zur Struktur elektronischer Tracks belegen wollen, sind hier genau richtig. Doch vorsicht: nur für Fortgeschrittene. (7) Andreas Peters

VÖ: 24. Mai via Dial

 

Memory Tapes - Seek Magic

In New Jersey leben, sich tagsüber um das Kind kümmern und nachts Musik aufnehmen, die mal dick durch die Decke der Blogosphäre geht und sogar die "MP3 Of The Day" beim brasilianischen MTV abliefern? Macht er klar, der gute Davye Hawke, der hinter dem Projekt Memory Tapes steckt. Remixe für die Yeah Yeah Yeahs, Peter, Bjorn & John, Britney Spears und, ja, auch Michael Jackson machten ihn unter diversen Pseudonymen im WWW bekannt. Jetzt rückt er mit einer Platte nach. Seek Magic ist Indietronic, der irgendwo zwischen Depeche Mode und Shoegaze pendelt. Eine am Laptop mit modernen Mitteln elektronischer Musik entstandene Version von Bands wie My Bloody Valentine und Cocteau Twins. Jedenfalls müssen diese Bands als Einflüsse herhalten, will man den verrauchten, nebelwändigen Sound erklären, den Seek Magic verkörpert. (7) Andreas Peters

VÖ: 14. Mai via Rough Trade

 

 

The Dead Weather - Sea Of Cowards

The Dead Weather sind was sie sind. Eine Supergroup mit einem Mastermind der niemals anders kann und einem endlich lasziven und talentierten Bühnenaushängeschild. Das war spannend für ein Album. Doch mit Sea of Cowards steht nun bereits der zweite Silberling innerhalb eines Jahres in den Regalen und da stellt sich die Frage: Was können die uns noch auftischen? Nun: ein weiteres Gericht mit den üblichen Zutaten. Da fuzzt es bluesig aus der mit Hall unterlegten Gitarren-Ecke, da gibt es dreckigen Tarantino-Desperado-Sound, der einem die vom Wind getriebenen Strohbüschel direkt vor Augen hält und da singt eine Lady, die sich immer noch hörbar freut all das exzessiv ausleben zu können, was die Hauptband nicht zu lässt: Schnurrendes Kätzchen und Riot Grrrl - Femme Fatal und Frauchen. Hat ja bereits einmal funktioniert. Doch müssen wir das noch mal hören? Natürlich ist alles noch handwerklich einwandfrei und gibt einem in seinen besten Momenten („I can't hear you") wieder den Drang Vincent Vega als Freund bei Facebook zu adden, um mit ihm über Kulinarisches zu diskutieren. Auch eine Lonesome-Cowboy-Epik auf 2:53 zu zelebrieren („Old Mary") gelingt heutzutage nicht vielen. Vielleicht sogar nur Jack White. Aber da einem alles schon so vertraut und gar nicht unique vorkommt, ertappt man sich dabei zu denken, dass es sich hierbei auch um eine B-Seiten-Sammlung, oder um ein Jam-Skizzen-Album handeln könnte, das einfach raus musste. Vertrautes kann halt entweder ein Gefühl von zu Hause hervorrufen, oder irgendwann nur noch langweilen. Leider überwiegt auf Sea of Cowards das Letztere. Vielleicht sollte Mr. White die nächsten drei Alben, die er an einem Tag schreibt, nicht releasen, sondern das Beste aller Welten zu einem Supergroup-Super-Album reifen lassen. Dass sowohl er, als auch Alison, sowie die nicht zu unterschätzenden Mitstreiter Dean Fertitia und Jack Lawrence, das Zeug dazu haben ist unbestritten. Das hört man in den kleinen Momenten auch diesem Album an. Aber halt nur in den Kleinen. (5) Matthias Schädl

VÖ: 21. Mai via Warner Bros. Records (Warner)