Am letzten Abend der Skandinavischen Filmtage wurde traditionellerweise zum Kurzfilmabend in der Brotfabrik in Bonn geladen. Wir waren vor Ort und hatten die Gelegenheit mit dem Nachwuchsregisseur Jakob Rasmussen zu sprechen. Ein schöner und geselliger Abend inklusive Bier in der "Zone" und Pommes in der "Frittebud" - zusammengefasst von Daria Hufnagel.
Die Beueler Brotfabrik ist komplett ausverkauft an diesem Freitag, im Kinosaal drängen die Besucher auf die wenigen Plätze. Der Regisseur vor der Leinwand trägt lässiges Käppi und weißes T-Shirt und lächelt sympathisch nervös. Jakob Rasmussen stellt an diesem Abend seinen Kurzfilm Manegen vor, der neben elf anderen Filmen gezeigt wird, und beschließt damit die 11. Skandinavischen Filmtage in Bonn.
Seinen eigenen Lebenslauf liest er vom Blatt ab. Gespannt folgt das dicht gedrängte Publikum dem charmanten Dänisch-Englisch des Jungregisseurs. Jakob Rasmussen führt seit sechs Jahren Regie. Mit seinem 2005 erschienenen Kurzfilm Fisk sahnte der 22-Jährige bereits internationale Nachwuchspreise ab.
Eigentlich ist Rasmussen Mitglied und Vorsitzender der dänischen Talentschmiede „Super 8" in Århus, für die er sich nach einer Ausbildung als „Filmworker" bewarb. Nur insgesamt drei Nachwuchsregisseure bilden dieses Kollektiv, das einen Einstieg ins Filmgeschäft fördern soll. Am Ende der zweieinhalbjährigen Arbeit im Team steht die Bewerbung an der nationalen Filmhochschule „Den Danske Filmskole", zu deren Absolventen auch Größen wie Vinterberg oder von Trier zählen. „Super 8" ist anerkannt in der dänischen Filmszene, die Chancen auf einen Studienplatz stehen nicht schlecht.
Heute geht es aber erst einmal um Manegen. Der Elfminüter erzählt die Geschichte eines Supermarktverkäufers, der in bunten Tagträumen versucht, seinem tristen und monotonen Alltagsleben zu entfliehen. In der eingebildeten Rolle eines Zirkusdirektors lässt er sich schließlich von einer Seiltänzerin bis auf eine Strommasten locken und stirbt bei dieser waghalsigen Aktion.
„Ich habe das Filmende in der Nacht vor dem Dreh noch umgeschrieben, es war mir ursprünglich zu glatt.", erzählt Rasmussen. Mit Manegen hatte er anfangs seine Probleme. Die Idee zum Film war bereits fertig, als Rasmussen als Regisseur zum Team hinzu stieß. „Es hat eine Weile gedauert, aber heute stehe ich komplett hinter dem Konzept.". Trotzdem widerspricht der Film im Falle der Charaktere seiner eigenen filmischen Mentalität. „Ich mag normale Menschen mit authentischen Geschichten, in die ich mich hineinversetzen kann." Und so geht er immer auch in seiner Recherchearbeit behutsam vor. „Neulich zum Beispiel habe ich zwei Tage in einem Truck verbracht, um mich in die Rolle eines LKW-Fahrers hineinzuversetzen." Auch im Fall von Manegen hat er sich einen Tag lang mit dem Hauptdarsteller im Zirkus rumgetrieben. Es ist diese Philosophie, die zu Rasmussens sympathischem und offenem Auftreten passt.
Und entsprechend dieser Philosophie agiert auch die Kamera in Film. Sie wirkt direkt und unmittelbar, gerät an manchen Stellen ganz schön ins Schwanken und immer hat man das Gefühl mittendrin zu sein, in diesem Konflikt zwischen Traum und Realität. Der Regisseur sagt dazu, dass die Kamera eher als Filter denn als Wand funktionieren sollte. So erzeugt sie, selbstständig agierend, unterstützt durch eine variierende Schnittfolge eine teilweise fast unangenehme Nähe zum Protagonisten, die zum Mitleiden und Bedauern einlädt. In nur elf Minuten wird auf diese Weise gekonnt ein Stück Sehnsucht inszeniert und der Zuschauer kunstgerecht involviert. Manegen wird an diesem Abend zum ersten Mal vor einem internationalen Publikum gezeigt und Rasmussen wirkt zufrieden. Ein Bier wäre jetzt gut. Und Pommes. Wir folgen ihm in die Nacht.
Er wirkt authentisch, dieser Däne, und entspricht dabei ganz seiner eigenen Philosophie.