Indietronicacidravebloghypekids dürfte Benjamin Berry wohl durch seine Remixarbeiten für Yes Giantess und The Sound of Arrows schon ein Begriff sein. Kaum einer bringt aufgeblasenes Trancetammtamm und Happy Hardcore-Hymnen so seriös auf die Tanzfläche wie der Engländer. Der große Run auf sein Projekt Fear Of Tigers, welches sich in einem Kosmos zwischen straightem Buddhismus, aufgehübschtem Eurotanzgehabe und einer ausgeprägten Meerschweinchenaffintität bewegt, blieb bisher allerdings noch aus. Zeit für Lachsauge, Benjamin Berry auch hierzulande mal die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Was Benjamin außer dem Fakt, dass er in Japan aufgewachsen, als Kind mit seinem Eltern um die halbe Welt gereist ist, mittelschlechte House-Bömbchen auf seinem Amiga produzierte, sich danach als DJ auf einem Piratensender versuchte, irgendwann doch alles hinschmiss um Music Business Managment zu studieren und das mit der Musik aber irgendwie doch nie wirklich sein lassen konnte, zu erzählen hat? Lest selbst…
Was macht Fear Of Tigers eigentlich, wenn er nicht gerade Musik produziert oder auflegt?
Auch was mit Musik. (lacht) Fear Of Tigers kann ich derzeit nur nebenberuflich verfolgen. Die Woche über arbeite ich bei Yahoo!-Music und betreibe dort die Musik-Section.
Das heißt, am Wochenende legst du auf und nach Feierabend produzierst du Musik?
Genau. Aber zugegeben: das ist schon harte Arbeit. Und ehrlich gesagt habe ich wenig Zeit für Freunde. Wenn ich nicht arbeite, bin ich im Studio. Bin ich nicht im Studio, lege ich irgendwo auf. It’s quiet hectic.
Lass uns mal über die Musik sprechen. Du machst ja reine Instrumentale, hast aber auch Stücke mit Vocals, die offensichtlich gesamplet sind. Wie produzierst du das?
Normalerweise mache ich zuerst die Musik. Ich singe ja nicht selber und deshalb probiere ich einfach herum, was für Vocalsamples wohl am besten passen würden. Und wenn sie das tun, ist das cool. Ich hätte wirklich gerne jemanden, der auf meine Songs singt. In der Zwischenzeit benutze ich aber eben die Samples.
Wen hättest du denn gerne als Sängerin oder Sänger?
Oh, wenn ich mir das wirklich aussuchen könnte, wären es wohl Frank Black von den Pixies oder Sarah Cracknell von Saint Etienne.
Man kennt dich ja auch für deine Remixe, etwa den vom neuen Yes Giantess-Song „The Ruins.“ Wie kam die Zusammenarbeit zustande?
Die Jungs kamen auf mich zu und fragten, ob ich nicht Lust auf einen Remix hätte. Aber das ist mal so, mal so. Früher habe ich meistens bei den Bands angefragt. Es freut mich echt, dass Bands wie Yes Giantess mit einem Remix-Wunsch an mich herantreten. Aber es ist immer noch so, dass mich melde, wenn ich einen coolen Song hör, dem ich gerne meinen ganz persönlichen Stempel aufdrücken würde.
Mit was für einer Idee gehst du denn dann an einen solchen Remix heran? Möchtest du eher etwas Neues schaffen oder eine Hommage ans Original kreieren?
Ich denke, das hängt ganz vom Song ab. Meistens möchte ich etwas Emotionales schaffen, etwas, dass die Leute beim Zuhören bewegt. Oder aber es ist so, dass ich das Ganze clubtauglicher gestalten möchte. Dann lege ich ein paar krasse Akkorde darunter und lenke den Song so in eine etwas andere Richtung.
Ich habe gelesen, du wolltest demnächst eine Compilation online stellen, auf der auch ein paar unveröffentlichte Remixe sind.
Ja, das stimmt. Ich werde sie demnächst mal hochladen und so jedem einen kleinen Überblick über meine Remix-Arbeiten bieten. Unter anderem wird auch ein Remix zu „Bulletproof“ von La Roux dabei sein. Vielleicht packe ich noch mehr solche exklusiven Sachen und Leftovers dazu, mal sehen.
Du bist ja schon ein paar Mal mit den Jungs von Passion Pit aufgetreten. Schon mal über einen Remix für die Jungs nachgedacht?
(lacht) Das wäre natürlich ziemlich geil. Ich habe regelmäßig Kontakt mit Ayad Al Adhamy (Keyboarder von Passion Pit, Anm. d. Verf.). Die Jungs haben aber gerade eine ganze Menge zu tun – wenn sie allerdings Lust hätten, wäre ich sofort dabei.
Was denkst du denn eigentlich darüber, dass die Leute Bands wie Passion Pit oder Yes Giantess und vielleicht auch dich in diesen 80’s-Topf werfen.
Ich denke, dass das dieses 80’s-Label manchmal Überhand nimmt. Eigentlich klingen die 80er ganz anders als das, was Yes Giantess, Passion Pit oder ich machen. Anfang 2000 gab es ja auch dieses Electro-Clash-Revival, welches ebenfalls locker unter diesem 80’s-Trademark laufen könnte. In meinen Augen waren die 80er einfach eine Zeit, in der viel experimentiert wurde. Was jetzt gerade auch wieder der Fall ist.
Okay, dann mal was ganz anders: ich habe auf Facebook gelesen, dass du Vegetarier bist.
Ja, das stimmt. Mich so zu ernähren, ist eine Herzenssache von mir. Ich setze mich viel mit buddhistischem Glauben auseinander und beherzige deren Lebensphilosophie. Natürlich habe ich auch Freunde, die viel Fleisch essen – ich bin aber militanter Vegetarier. (lacht)
Außerdem hast du auf Facebook ein Video von den Mumins gepostet. Bist du Fan?
Absolut. Ich mag die Mumins, wirklich alles an ihnen. Ich habe sogar Schwedisch gelernt um sie in ihrer eigentlichen Sprache zu schauen und zu lesen. Stefan Storm von The Sound of Arrows hat mir ein großes Mumins-Spielzeughaus geschenkt, das jetzt in meinem Studio steht. (lacht)
Sind solche Sachen deine Inspiration außerhalb der Musik?
Auf jeden Fall. Die Mumins leben ja in einer Art Utopie in Nord-Finnland. Das ist eine richtige Parallelwelt, in der man versinken kann. Und Gedanken zu der Serie oder Ideen, die dahinter stecken, fließen definitiv mit in meine Musik ein und schweben um einen Track herum.
Foto: Benjamin Berry