Mumford & Sons im E-Werk, Köln am 14. April 2010

Mumford & Sons im E-Werk. Was vor einem Jahr noch komisch geklungen hätte, ist heute halt so. EinsLive und ME sei dank ist das E-Werk restlos ausverkauft. Inmitten einer riesigen Anhäufung von Menschenmassen, bleibt am Ende eine Weisheit: die jungen, hochgehypten Folkstars bespielen dieses verhältnismäßig riesige Venue und dieses Theater-Abo-Publikum mit größter Souveränität und verdammt viel Herz. Aber lest selbst, wie Max es empfunden hat.

Myspace

„Der Weg von der Haltestelle Keupstraße zum E-Werk ist jedes Mal länger, als man ihn in Erinnerung hat", denkt man sich so, bis man merkt, dass man das beim letzten Mal auch schon gedacht oder zu seinen Weggefährten beiläufig gesagt hat. Er führt eine Weile durch die Keupstraße, dem Little Turkey Kölns (dem einzig Wahren), und dann vorbei an einem Industriekomplex, in welchem die bekanntesten Late-Night-Shows Deutschlands produziert werden. Ursprünglich hätte das Konzert der Mumford & Sons im zentral gelegenen Gloria stattfinden sollen, aber dann war da der Charterfolg (falls man das heute noch so sagen kann), und jetzt findet man sich also im unbeliebteren - da größeren, so der Konsens - E-Werk ein. Zugegeben ist es natürlich auch schwer gegen diesen Konsens anzugehen, denn größere Location bedeutet mehr Menschen, oder anders gesagt „gemischteres" Publikum, oder noch anders gesagt, mehr Menschen, die wegen den falschen Liedern da sind, und auf die man der Atmosphäre wegen gerne verzichten würde (Vorsicht vor ironisiertem Klischeedenken). Some things will never change. Und so kommt es dann zu Beginn des „Mainacts" tatsächlich zu folgender Mensch-Raum-Aufteilung: Vorne überwiegend junges, hinten überwiegend älteres Publikum, und mittendrin man selbst. Wobei der hohe Anteil an „älterem" Publikum doch ein wenig überrascht, da die Mumfords ja doch eher eine im mehrfachen Sinne junge Band sind. Wie auch immer.
 
Die Formation um Frontmann Marcus Mumford beginnt dann nach halbstündigem Folkgedudel um kurz vor zehn - die Vorbands wurden nicht gesehen, da man im noch nicht aufgebauten Biergarten des E-Werks (oder war der im Palladium?) ja auch noch ein Bier trinken konnte. Die vierköpfige Band steht gleichmäßig verteilt an ihren Instrumenten - außen ein Kontrabass und ein Keyboard, mittig Banjo und Gitarre - auf der Bühne, am Schlagzeug sitzt vorerst keiner. Was gleich mit dem ersten Stück positiv auffällt, ist der warme Gesang, egal ob Marcus alleine singt oder er mehrstimmig von seinen Bandmitgliedern begleitet wird. Manche Publikumsstimmen sagen, der sei besser als auf der Platte, zumindest genauso gut ist er aber allemal. Im Rhythmus: zwei Songs-Wortpause, zwei Songs-Wortpause überzeugen die Londoner Folkmusikanten mit ihren gerade gelernten Fremdsprachenkenntnissen, wie man das auf einer internationalen Tour eben so macht, vielleicht ein bisschen charmanter und selbstironischer als manch andere; am Ende werden dann deutsche Sätze von Blättern abgelesen. Dann schreit ab und an mal einer aus dem Publikum was rein, was dann wiederum häufig zu verlegen-sympathischen Ansagen führt.
 
Etwa zur Konzerthälfte, also nach einer dreiviertel Stunde, bestätigt sich dann Klischee eins: Bei „Little Lion Man" erreicht der Mitsingpegel den Höhepunkt, und es wird auch in den hinteren Reihen nicht immer ganz genau auf die zwei geklatscht. Dann, gerade wenn man gedacht hat, dass der eintönige Bassdrumrhythmus - der übrigens auch noch von Sänger und Gitarrist Marcus Mumford kommt - ein wenig nervt, setzt sich dieser ans Schlagzeug und legt da ziemlich los. Merke: Frontmann am Schlagzeug kann gut sein, sieht aber immer etwas komisch aus. Vom letztjährigen Debutalbum „Sigh No More" werden eigentlich alle Songs gespielt, ab und zu mal ein neuer Countrysong oder einer mit elektronischer Bassline eingeworfen. Nach eineinhalb Stunden und zwei Zugaben ist Schluss; genug gefolkt. Irgendwann während des Konzertes hat Marcus Mumford mal gesagt, dass das „venue" ja wirklich groß sei, und er das ja auch toll finden würde, dass so viele Leute da sind, aber dann hat er auch gesagt, dass er seinen Zuhörern gerne „closer" sein würde; letzteres hätte ich mir auch gewünscht, denn dann wäre während eines technisch sehr guten Konzerts eine etwas passendere Stimmung (der Nähe) entstanden. So war es eben ein eigentlich tolles Konzert, das man aber bald wieder vergessen wird.