Andrew Lindsay (Fenech-Soler)

Schon im vergangenen Frühjahr hatten die Trendmauscheler Fenech-Soler auf ihrer Schauliste für Nullzehn. Mit einer so starken Single wie "Lies" und Remixen von Topkatzen wie Alan Braxe, war der Drops eigentlich schon so gut wie gelutscht. Als sich dann Anfang des Jahres zu dem kleinen aber feinen Internethype noch die Collabo mit den Discodudes von Groove Armada für deren Auskopplung "Paper Romance" gesellte, war sowieso alles klar. Warum nicht noch so eine starke Single wie "Stop And Stare" inklusive der üblichen Reworksause nachlegen, um im August dann mit dem Debütalbum alles abzureißen? Jan sprach mit Drummer Andrew Lindsay über die Anfänge der Band, hilfreiche Kategorisierungen von findigen Musikjournalisten und das anstehende Album.

Ich habe mal gelesen, dass Fenech-Soler eigentlich ein Studio-Projekt sein sollte. Stimmt das?
Ja, das war es. Wir wollten die Songs erstmal nur im Studio einüben. Aber natürlich kam irgendwann auch der Punkt, an dem wir damit auf die Bühne wollten. Es sollte eben alles passen, bevor wir unser Zeug überhaupt irgendjemandem, geschweige denn ein paar hundert Leuten, zeigen wollten.

Auf den ersten Pressefotos waren immer vier Leute zu sehen. Jetzt seid ihr nur noch zu dritt. War der Typ mit dem Totenschädel auf dem Kopf nur ein Gag?
(lacht) Der Typ mit dem Schädel auf dem Kopf bin ich! Als wir das Foto machten, ging es darum, der Öffentlichkeit unser neues Bandmitglied vorzustellen. Davor waren wir nur zu dritt. Die Bilder, die du kennst, sind ältere Fotos, die vermutlich noch im Umlauf sind. Für's Protokoll: Fenech-Soler sind definitiv vier Leute.

War es hilfreich für euch in einem kleinen Dorf wie Kings Cliffe aufzuwachsen. Entwickelt man, wenn man ein bisschen von der Musikszene isoliert lebt, eher einen eigenen Sound?
Das könnte schon gut möglich sein, ja. Wenn wir mit ein paar Leuten aus der Szene abgehangen hätten, würden wir jetzt vermutlich anders klingen. Aber so haben wir unsere Sachen ganz alleine für uns irgendwo im Nirgendwo aufgenommen. Das ist wirklich eine gute Sache und ich hoffe, dass dieses uneingeschränke Musikmachen der Grund ist, aus dem wir wirklich so einen eigenen Sound haben.

Vielleicht ist das ja auch der Grund, weswegen sich die Musikjournalisten an der Bezeichung für eure Musik die Zähne ausbeißen. Von "glam dance" bis "post-millennial dancefloor pop” habe ich schon alles gelesen.
Ehrlich gesagt ist es sogar ziemlich nützlich, diese Bezeichungen zu lesen. Wir werden oft gefragt, wie wir unseren Sound beschreiben würden. Also haben wir immer irgendetwas, dass wir sagen können – weil wir es ehrlich gesagt selbst nicht so richtig beschreiben können. Insofern sind wir echt dankbar für diese Klassifizierungen!

Geht euch dieses 80's-Label eigentlich auf die Nerven? Ich habe vor kurzem mit Fear of Tigers gesprochen und Ben (Berry, Anm. d. Verf.) war der Meinung, dass es gar nicht so sehr um diesen typischen 80's-Sound, sondern vielmehr um den Spaß am Herumexperimentieren geht.
Ich denke, das ist wirklich ein guter Punkt. Die Achtziger waren ein Jahrzehnt, welches sehr ehrgeizig war und Bands und Musiker dementsprechend viel experimentiert haben, um aus ihren ursprünglichen Genres auszubrechen. Mit den Referenzen haben wir kein Problem, haben als Band aber auch nicht den Anspruch, danach zu klingen. Und wenn wir mal nach den Achtzigern klingen, ist das auch kein Ding – ich mag viel Musik aus der damaligen Zeit.

Wie kam es eigentlich zur Zusammenarbeit mit Groove Armada für den Song “Paper Romance”?
Die Sängerin von Andy und Tom, Saintsaviour, war in einer Band (The RGB’s, Anm. d. Verf.) mit welcher wir einige Konzerte spielten. Sie erzählte Groove Armada von uns. Tom kam dann zu einem unserer Konzerter und fragte nach, ob wir nicht Lust hätten, beim Lovebox Festival in London zu spielen. Er schickte uns dann eine Rohversion des Tracks, der später „Paper Romance“ werden sollte und fragte Ben, ob er nicht Lust hätte darauf zu singen. Der sagte natürlich nicht nein. (lacht) Gleichzeitig arbeitete Tom aber mit Saintsaviour an dem Song und die Kombination aus all dem ist im Endeffekt wirklich gut gelungen.

Denkst du, dass die Zusammenarbeit euch ein bisschen bekannter gemacht hat?
Auf jeden Fall. Die Leute hatten uns plötzlich auf dem Schirm und wir haben ein paar Shows mit den Jungs von Groove Armada in Großbritannien und den USA gespielt. Insofern sind wir sind Saintsaviour und Groove Armada wirklich dankbar für ihre Hilfe.

Ihr seid außerdem gut mit Alan Braxe befreundet. Er hat sogar eure erste Single über sein Label releast.
Ja, Alan war wirklich großzügig und gab uns eine Chance, ohne zu wissen, wohin das Ganze gehen würde. Er hat außerdem einen coolen Remix zu „Cult Of Romance“ gemacht, den wir sehr mögen.

Wie sieht es denn mit eurem Debütalbum aus. Kannst du mir schon etwas darüber verraten?
Das Album wird im August kommen und hoffentlich von allem was wir können ein bisschen etwas zeigen. Wir haben es komplett selbst aufgenommen - mit einer Menge Synthies und weit über 1000 Tassen Tee. Außerdem habe ich zwei Lautsprecher und einen Verstärker geschrottet. Bis jetzt kamen trotzdem noch keine Beschwerden von den Nachbarn. (lacht)

Ist es eigentlich schwierig, so unter Druck zu arbeiten? Es ist ja schon ein Unterschied, ob man nur für sich im Keller spielt oder plötzlich mit Erwartungen von Labels und Fans konfrontiert ist.
Der einzige Druck war eigentlich die Zeit. Als wir eine Deadline gesetzt hatten, mussten wir schneller arbeiten, um den Abgabetermin einzuhalten. Moda Music, welches unsere ersten beiden Singles releast hat, hat uns ohne jeglichen Druck immer unseren Freiraum gelassen – das war wirklich großzügig. Natürlich ist es schwierig, gleichzeitig an einem Album zu arbeiten und ständig auf Tour zu sein. Aber wir haben gehofft, dass uns das Touren im Gespräch hält, während wir parallel an den Songs arbeiten. Das ist allemal besser, als für ein paar Monate im Studio zu verschwinden.

Letzte Frage: googlet ihr euch eigentlich manchmal selbst?
Ja, das haben wir auf jeden Fall schon gemacht. Meistens eben, um die korrekte Schreibweise der Band zu checken. French-Soler, Fenech-Solar, French-Soldier - das hat es alles schon gegeben, wird aber trotzdem auf unsere die korrekten Seiten verlinkt. (lacht)

Foto: Anorak London