Soundcheck mit Sharon Jones, Team Avantgarde, Ellie Goulding und Scuba

Soul, Funk, R'n'B, 'Dubstep', Rap, Mainstreampop. Der dieswöchige Soundcheck ist wieder mal sehr ausgeglichen - sei es Sharon Jones, die, obschon ihr Amy Winehouse die Band ausspannte, eine äußerst respektable Platte darbietet, Team Avantgarde, die gesellschaftskritischen Rundumschlag in Reinkultur zelebrieren, eine enttäuschende Platte von Ellie Goulding oder Scubas Rückbesinnung auf die Wurzeln des Dubstep.

 

Sharon Jones - I Learned It The Hard Way

„I Learned It The Hard Way", das neue Album von NeoSoul-Neuzugang Sharon Jones startet mit einem Song, der bezeichnender nicht sein könnte: "The Game Get's Old". Bezeichnend deshalb, weil das inspirationslose Etikett „NeoSoul" bei dieser Zusammenführung aus der Routine einer Brassbanderei wie den Dap Kings und einem brillant zwischen butterweich und rotzröhrig schwingenden Organ wie dem von Sharon Jones schlichtweg keine Berechtigung hat. Referenzen oder Querverweise in diesem Funkfundus, allzu offensichtliche Vintageproduktionen in dieser R'n'B-Zeugnis originärer Sorte zu suchen, wäre respektlos. Natürlich haben Sängerin und Band auch in den vergangen Jahren nicht viel anderes gemacht. Aber „I Learned It The Hard Way" ist die unbewusst-ablehnende Demonstration dessen, wie diese Musik, welcher in den letzten Jahren von Breitbandproduktionen die Seele genommen wurde, in Wahrheit zu klingen hat. Und das ist schon eine enorme Leistung. (8) Jan Wehn

VÖ: bereits erscheinen Daptone Records (Groove Attack)

 

 

Team Avantgarde - Paradox

„Ich bin ein 68er-Kind-leb-deine-Träume-Typ / ich bin ein Mein-scheiß-Wille-versetzt-Bäume-Typ / du bist ein Fernseher-drei-Räume-Typ / du bist ein Ist-mir-egal-was-ich-versäume-Typ" - Ansagen wie diese auf dem Titeltrack machen klar, dass Phase, der rappt und Zenit, der macht die Musik, trotz einer vermeintlich lockereren Grundstimmung, die dem Vernehmen nach auf Paradox vorherrscht, doch ganz die Alten geblieben sind. Denn auch wenn ein Lied wie „Mein Tag" die Unbeschwertheit eines verträumten Nachmittags zelebriert, durchzieht die Platte vor allem Schwermütigkeit. Dazu kommen dann Wut und Resignation angesichts einer Gesellschaft, bei der man allzu oft vor Stumpfsinn und Banalität kotzen möchte. Die zumindest lyrische Rückkehr zum Absolut ist da nur die logische Schlussfolgerung. Angesichts dessen sorgen die Gastparts für eine angenehme Abwechslung. Tracks wie „Deinen Namen" oder „Fertig!" stehen wie gewohnt für eine Auseinandersetzung mit Frauen und Beziehungen, die ohne Kitschpassagen auskommt, sondern ihre Intensität in der Alltäglichkeit der geschilderten Bilder findet, oft aber auch Enttäuschung ausdrückt. Und das sind nun mal auch die Lieder, die sie am besten können. Transportiert wird das Ganze perfekt durch Phases manchmal nachlässig wirkende, näselnde Stimme. „30 qm" ist für mich persönlich dann der Team Avantgard'sche Urmoment, die komplette Essenz ihres künstlerischen Schaffens gebündelt in einem Lied: Melancholie in der nie endenden Hektik der Urbanität, das Individuum isoliert im Kollektiv, von dem es sich lossagen möchte, weil darin doch so vieles so offensichtlich verkehrt läuft, ein leerer Blick und dann wieder scharf stellen, auf einen beleuchtenden Park, der plötzlich wieder unendliche Ruhe ausstrahlt, nachts in der Großstadt. Paradox ist also in erster Linie doch wieder Gesellschaftskritik und Schwermut geworden, abgeschmeckt mit etwas Schnappes auf den Kopf. Und vielleicht werden ja auch ein paar „Konsumaffen, Koksköpfe und Fick-mich-Spalten" in das Album hereinhören. Vermutlich aber nicht. (8) Philipp Laage


VÖ: 9. April 2010 via edit ent.

 

 

Ellie Goulding -Lights

Eigentlich war ich gewillt, über dieses Album ein ganzes Buch zu schreiben, so entzückt war ich von Ellie Goulding und ihren Singles "Starry Eyed" und "Under The Sheets". Nach mehrmaligem Hören von Lights bleibt es aber bei der Kurzversion. Schmalziges Popkalkül mit Nintendocoreeinwürfen im Softmodus und auf Charts gebürstetem Kükensingsang. Ich empfehle lieber die beiden wirklich guten Remixe vom Wobble-Wanker meines Vertrauens: Jakwob. (3) Jan Wehn

VÖ: 7. Mai 2010 via Polydor (Universal)

 

 

Scuba - Triangulation

Dubstep - Dubstep - Dubstep. Komisch, eine vermeintliche Genrebezeichung wird zum Modewort - klingt halt auch geil. Doch was ist Dubstep? Die auserkorenen Experten sind sich uneinig: Gibt es das Genre überhaupt noch? Ich weiss es nicht. Was einst halbwegs klar zuzuordnen war, wird immer diffuser. Klar, Burial, Kode9 und die ganze Hyperdub-Charge, dann noch Distance, ok. Und dieser Tage: Joy Orbison und die ganze junge Garde? Dubstep-Mainstream oder was? Eine Antwort auf all diese hektischen Fragen rund um das Genre, seine Grenzen und seine scheinbare Mainstreamisierung scheint Scuba zu haben. Auf Triangulation bewegt er sich an der Schnittstelle zwischen House, 2Step und Garage, jenen Genres also, aus denen der Dubstep ursprünglich hervorgegangen sein soll. Er skizziert hier minimalistisch eine dunkle Atmosphäre mit viel Raum, gespickt mit Subbässen, die ohne den obligatorisch gewordenen Wobble-Sound auskommen. Die Drums lehnen sich sehr gerne mal in Richtung Drum`n`Bass. Eine Rückkehr zu den Wurzeln dessen, was wir mit ziemlicher Sicherheit bald modifiziert im - nicht nur elektronischen - Mainstream wiederfinden werden. Und dann müssen wir uns nur erinnern, wo es herkommt: Scuba ist einer der Ziehväter. (7) Andreas Peters

VÖ: 26. März 2010 auf Hotflush Recordings

 

 

Kommentare

zustimmung im bezug auf ellie

zustimmung im bezug auf ellie goulding.
das album ist der totale reinfall.