Brainstorming Yes Giantess: Ladungen an Brachialsynthies, eine energetische Frontsänger-Kopfstimme, nahe der des jungen Michael Jackson, und vor allem einen unverkennbaren Spaß an der Sache. Spaß, welcher ironiefreie Griffe in die Zitatkiste zwischen Mariah Carey, Kylie Minogue und Journey erlaubt und amerikanische Popmusik hervorbringt, die auch im sonst eher US-Pop-kritisch eingestellten Musikeuropa für Begeisterung sorgt. Wir sprachen mit Drummer Joey Sulkowski von Yes Giantess über musikalische Einflüsse, Remixarbeiten von Asher Roth bis hin zu Miley Cyrus und die ewigen Passion Pit-Vergleiche.
Wie geht es euch? Seid ihr auf Tour oder arbeitet ihr am Album?
Gerade arbeiten wir an dem Album. Es wird wirklich rund um die Uhr daran gefeilt.
Ich habe ein Interview gesehen, in dem ihr von eurer Zeit in der Musikschule erzählt habt. Als ich damals dort war, habe ich es gehasst, zu üben. Wie war das bei euch?
Ich denke, ich bin einer der Typen, die wirklich Bock auf das Spielen und Üben hatten. Aber die anderen drei haben das immer sehr schleifen lassen. Für ein paar Jahre habe ich einen „Performance“-Studiengang belegt und dort teilweise 6 Stunden täglich in einem schalldichten Studio verbracht, um mir dort meine Grundlagen anzueignen. Jan hat mich ab und zu besucht, während ich bei den Schlagzeugen saß, und da dann immer auf einem Übungspad rumgetrommelt habe, um meine Hände möglichst warm und meine Bpm's möglichst hoch zu halten. Ich bin ein echter Nerd. (lacht)
Ayad Al-Adhamy von Passion Pit hat euch bei ein paar Produktionen ja unter die Arme gegriffen. Wie kam es dazu?
Wir lieben Ayad alle sehr. Chase hat eine Weile mit ihm zusammengewohnt und so war es kein großes Ding, ihn vom Sofa ins Studio zu holen. Er war immer sehr bemüht, uns zu helfen, da er ein Vollblutmusiker ist. Er hatte immer sehr gute Ideen und wir sind ihm sehr dankbar für seine Hilfe.
Dann würde mich nämlich interessieren, was ihr über den Vergleich mit Passion Pit denkt.
(bestimmend) „Manners“ war unser Album – die Jungs haben es uns geklaut! (lacht) Nein, ich mache nur Spaß. Der Vergleich macht in gewisser Weise Sinn, auf der anderen Seite hinkt er aber auch gewaltig. Nur soviel: natürlich ist dieser Electro-Pop unsere gemeinsame Musikrichtung. Ich meine, wir haben wirklich eine Menge Liebe für die Jungs und insofern ist es cool, mit ihnen in Verbindung gebracht zu werden. Noch dazu, wenn es unsere Freunde sind.
Lass uns mal über euer Mixtape reden, welches mir sehr gut gefallen hat. Wonach habt ihr die Songs ausgewählt?
Cool, freut mich, dass es dir gefällt. Weißt du, ich mag es, aufzulegen und dabei eine Mischung aus den verschiedensten Remixen von bekannten Popsongs mit neuen Tracks zu kombinieren. Das Publikum hat dann oft keine Ahnung, was als nächstes passiert - ich mag diesen Überraschungseffekt total. Und du kennst das sicher aus eigener Erfahrung: gerade bei so trashigen und kitschen Nummern kommen sich viele blöd dabei vor zu tanzen. Durch diese Mischung an Songs versuche ich den peinlichen Moment aufzuheben. Deswegen hat das Mixtape diese gemischte Tracklist. Außerdem sind viele Freunde und auch unsere Idole mit dabei. (Das Interview wurde geführt, bevor die Jungs das "Let's Melt This Snow!"-Mixtape über ihren Blog releasten, Anm. d. Verf.)
Diese Vorliebe für Songs der 80er und 90er konnte man ja schon auf dem Mixtape heraushören. Kommt daher auch eure Inspiration?
Ganz genau. “Off The Wall” von Michael Jackson ist zum Beispiel einer unserer größten Einflüsse. Genau wie Prince oder Mariah Carey. Letztendlich nehmen wir unsere Inspirationen aber überall her. Sei es im Club, von Freunden, Straßengeräusche und all den Kram, den Lil Wayne da fabriziert.
Und andere Bands? Was hört ihr da so?
The new Dr Dog is an absolute thumbs up! Außerdem mag ich die Sachen von Shuttle. Die neue Vampire Weekend hat mir richtig gut gefallen. Ansonsten höre ich noch die Sleigh Bells, Gorillaz, Ninjasonik, Local Natives, Jamie Lidell, MGMT oder Sick Weapons... eine ganze Menge also.
Wo wir schon bei anderen Bands sind. Kennt ihr eigentlich Delphic? Es gibt da ja schon Parallelen zwischen euch und ihnen. Oder würdet ihr sagen, sie klingen britischer?
Ich kenne Delphic, ja. Und da ist schon ein kleiner Unterschied zwischen unseren Sachen. Am Ende des Tages habe ich aber schon amerikanische Bands gehört, die aus Europa kamen und herumgedreht. Das kann heutzutage einfach nicht mehr so genau sagen.
Neben euren eigenen Songs habt ihr in letzter Zeit ja auch viele Remixe gemacht. Ihr habt mal gesagt, dass meistens einer von euch alleine so einen Remix anfertigt.
Das kommt immer darauf an. Manchmal schlägt einer von uns vor, einen Remix zu machen und wir anderen haben richtig Bock drauf – dann arbeiten wir gemeinsam daran. Manchmal kann er den Remix dann aber auch alleine machen. (lacht) Oder aber zwei von uns basteln ein bisschen daran rum, dann kommt später wieder eine Idee von Jan. Das ist wirklich immer unterschiedlich, macht so aber auch am meisten Spaß. Du wirst nur nie heraushören können, wer von uns den Remix nun wirklich gemacht hat.
Wie steht es eigentlich um euer Cover eines Kylie Minouge-Songs, welches ihr schon länger angekündigt habt?
Oh man, letzten Sommer haben wir auf dem Latitude Festival in Großbritanien „In My Arms“ von Kylie gespielt. Dieser Song macht wirklich Spaß, wenn du ihn nachspielst. Das haben wir aber wirklich nur auf der Bühne gemacht. Wir haben schon Pläne für Cover-Versionen bekannter Songs. Aber da müsst ihr euch noch ein bisschen gedulden. (Das Interview wurde geführt, bevor die Jungs das La Roux-Cover von "I'm Not Your Toy" über ihren Blog herausbrachten, Anm. d. Verf.)
Wie kamt ihr denn darauf, “She Don’t Wanna Man” von Asher Roth zu remixen?
Wir wurden angesprochen, ob wir nicht Lust hätten, einen Remix für Asher zu machen. Wir sind natürlich durchgedreht – und ehrlich gesagt ist es bis dato auch unser bester Remix. Dieses ganze "Dance, Dance, Dance, Dance, Dance (on the dancefloor)"-Ding haben wir echt gut hinbekommen. (lacht)
Foto: Ben Rowland | Ben Rowland Photography