Ein klarer Fall: unsere bisherigen Gesprächspartner, DJ's, Musiker und Autoren, wollen stets ins rechte Licht gerückt werden. Jemand, der dieses Handwerk versteht, ist Philipp Paulus. Der 18-jährige fotografiert seit etwa zwei Jahren - hauptsächlich in den Bereichen Fashion, Beauty und People. Zu seinen Kunden zählt unter anderem die renommierte Bekleidungshauskette Peek & Cloppenburg. Ein Gespräch über sein junges Alter, die damit einhergenden Vorurteile, das nötige Equipment für einen guten Fotojob und den Shooting-Alltag.
Wann hast du angefangen, dich für Fotografie zu interessieren?
Ich glaube ein gewisses Interesse war da schon immer da. Ich wurde zwar nicht in einem besonders künstlerischen Umfeld erzogen, habe mich jedoch zum Beispiel schon immer für tolle Cover im Zeitschriftenhandel begeistert, schon als Grundschüler. Ich denke in diesem Alter schon Zeitschriften wie die Vogue bildlich toll zu finden ohne zu wissen wie man diesen Namen überhaupt ausspricht, war höchst unnormal. Ebenso haben mich schon immer Menschen optisch sehr interessiert. Es gibt keine hässlichen Menschen, es gibt vielleicht Ideale, aber jeder Mensch ist optisch, vom Inneren mal ganz abgesehen, auf seine Art und Weise künstlerisch interessant, man muss es nur in ihm sehen. Ganz egal ob dick oder dünn, schwarz oder weiß. Diese beiden Interessen wollte ich dann vor gut zwei Jahren durch die Fotografie miteinander kombinieren und habe mir meine erste Spiegelreflex gekauft.
Wie hast du deine ersten Gehversuche in der Fotografie getätigt? Man denkt ja immer, dass es viel und vor allem teures Equipment braucht, um ansprechende Fotos zu schießen.
An mein erstes Shooting erinnere ich mich noch genau. Ich hatte damals ein Mädchen angesprochen, das ich als hübsch empfand und habe sie in einem Schloss fotografiert, mit Reflektoren und so. Also wirklich keinem teurem Equipment. Dafür aber natürlich mit entsprechender Vorbereitung, Posingvorlagen, Inspirationen, etc. etc. Die resultierenden Bilder hatte ich dann ausgewertet, bearbeitet und anschließend meine damaligen Fotografen-Idole mal um Rat und Meinungen gebeten. Die Kritik war teilweise natürlich hart, aber gerechtfertigt. Aus den Fehlern hatte ich dann gelernt und so ging es weiter. Leider ist es tatsächlich so, dass viele Menschen denken Equipment ist alles, das ist aber nicht so. Gutes Equipment ist wichtig, wenn es auf die Qualität der Bilder ankommt, aber die Kreativität lässt sich auch mit Low Budget oder sogar selbst gebautem Equipment fördern. Wer teures Equipment besitzt, aber leider gar nicht kreativ ist, kommt auch nicht weiter. Warum also nicht mal eine kleine analoge Einwegkamera kaufen und damit kreative Bilder schießen?
Und welches Equipment benutzt du mittlerweile?
Mittlerweile greife ich ausschließlich auf den Rent zurück. Das ist am Praktischsten, da man dann sein eigenes Equipment nicht immer mit auf die Reise nehmen muss. Die Equipmentansprüche variieren je nach Shooting sowieso teilweise so stark, dass man einfach mieten muss um die passende Ausrüstung für genau das Shooting zu haben. Um ab und an mal neue Techniken bzw. Looks zu testen, habe ich zuhause eine Kamera von Canon und Licht von Profoto.
Warum hast du dich auf Modefotografie spezialisiert?
Mode hat mich schon immer sehr interessiert. Sie ist einfach so wahnsinnig komplex und beschäftigt eigentlich jeden von uns, denn ob man es nun so will oder nicht, wenn man einem Menschen begegnet, sieht man zuerst mal wie er aussieht und was er trägt, bevor man mit ihm spricht und das verschafft einem einen ersten Eindruck des Menschen. Kurz gesagt: Kleider machen Leute, das ist einfach so. Auch wenn es viele Menschen gibt, die das Gegenteil behaupten. Meistens sind das aber genau die Menschen, die am intensivsten hinschauen wenn sie auf der Straße einen Obdachlosen in zerfetzten Kleidern sehen. Kein Mensch kann was dafür, wie er aussieht, aber jeder hat selbst in der Hand, wie er sich kleidet. Mit seiner Kleidung gibt jeder Mensch ein Stückchen von sich selbst preis, ob er will oder nicht. Was die Kleidung über den Menschen preis gibt, möchte ich in meinen Bildern verdeutlichen. Ich kann mir einfach nichts schöneres Vorstellen, als Mode zu fotografieren. Es ist wunderbar vor dem Shooting mit dem Designer an einem Tisch zu sitzen, sich zu unterhalten und zu zeigen was einen persönlich an der Kollektion so inspiriert, mit was man sie verbindet, und daraus dann ein Konzept zu schreiben und es in einem Bild zu vermitteln.
Was beeinflusst dich bei den Vorbereitungen für ein Shooting. Hast du konkrete Vorgaben vom Kunden bekommen?
Die Vorgaben des Kunden sind immer ganz verschieden, je nach Art des Auftrags. Manchmal gibt es ein komplett vorgegebenes Konzept, meistens bekomme ich aber ausreichend Freiraum um noch genug Kreativität mit einfließen zu lassen. Wir setzen uns dann mit dem Team zusammen und arbeiten gemeinsam unsere Ideen zu einem fertigen Konzept aus. Während dem Shooting soll nichts dem Zufall überlassen sein, alles läuft nach einem vorher bestimmten Konzept. Beeinflusst wird man dabei von ganz alltäglichen Dingen. Man bewältigt seinen Alltag während man permanent das Shooting im Hinterkopf hat und sich dadurch von den kleinsten Dingen, die einem jeden Tag begegnen, inspirieren lassen kann.
Wie läuft ein Shooting denn so ab? Wie viele Leute sind dabei involviert?
Grundsätzlich ist natürlich jedes Shooting sehr individuell, meistens beginnt so eine Produktion mit einem Tag, an dem nur das Set im Studio aufgebaut wird. Der zweite Tag startet dann morgens früh mit einer kurzen Besprechung, in der man mit dem Team nochmal alle wichtigen Punkte des Tages durchgeht und beginnt anschließend mit Hair & Make-up und dem darauf folgendem Shooting. Es kann dann durchaus mal vorkommen, dass etwas umgebaut werden muss, etc. dafür sind dann auch Assistenten vor Ort. Bei großen Produktionen können dann schon gerne mal 12 Leute anwesend sein.
Wie fühlt es sich an, bei großen und teuren Produktionen plötzlich die Zügel in der Hand zu haben?
Ich freue mich immer sehr über das Vertrauen, wenn die Kunden mir größtenteils die Zügel was die Bildgestaltung und Kreativität betrifft in die Hand geben und auch meine Ideen meist sehr schnell akzeptieren und visualisieren können, egal wie verrückt sie sind. Es ist ein unbeschreiblich tolles Gefühl seine Ideen in den Projekten genau so verwirklichen zu dürfen, wie man sich das vorgestellt hat.
Hast du schon negative Erfahrungen im Bezug auf dein Alter gemacht?
Als ich angefangen habe zu fotografieren war es natürlich total schwer an Menschen zu kommen, die sich wirklich auch von mir fotografieren ließen, gerade wegen meinem Alter. Da war man doch schon sehr, sehr skeptisch. Aber mit der Zeit hat sich das sehr gelegt und zum Positiven gewandt. Inzwischen ist das junge Alter kein Problem mehr, im Gegenteil, ich würde am liebsten nicht mehr älter werden.
Gibt es bestimmte Models oder Marken, für oder mit denen du gerne in Zukunft gerne arbeiten würdest?
Oh ja, da gibt es so einige, aber die hier jetzt alle zu nennen, würden den Rahmen sprengen. Ich wünsche mir in Zukunft auf jeden Fall sehr viele Auftraggeber mit tollen kreativen Konzepten, da macht die Arbeit am meisten Spaß. Kate Moss würde ich gerne mal fotografieren. Sie ist einfach unglaublich schön und ausgefallen, das lässt sich so schnell nicht toppen. Aber generell finde ich es auch total interessant Charakterköpfe wie zum Beispiel Leute aus der Musikbranche oder des öffentlichen Lebens zu fotografieren und in die Bilder mit einzubauen, mit was man sie verbindet bzw. was sie in der Gesellschaft darstellen. Als favorisierte Marke würde ich Louis Vuitton anbringen. Ich mag die Kampagnen von L&V und die Kreativität, die dahinter steckt. Aber zum Beispiel auch H&M Advertisements sind immer überzeugender. Also da ist es wirklich sehr schwer, sich festzulegen, für wen man gerne mal arbeiten würde. Letzten Endes bereitet einem doch jedes Shooting mit dem nötigen kreativen Hintergedanke eine große Freude.
Was hat es denn mit diesem Studio, der Luminanz, auf sich, von der Du auf deinem Blog berichtet hast?
Die Luminanz ist eine Hensel Rent Station und ein Mietstudio hier im Saarland, das von einem Freund von mir betrieben wird und wo ich größtenteils arbeite. Profis und Amateurfotografen können dort ihr Equipment mieten oder auch direkt das ganze Studio, das einem unendlichen Freiraum für kreative Produktionen bietet und vom Feinsten ausgestattet ist. Im Umkreis von 200km gibt es nichts Vergleichbares. Nähere Infos dazu findet man in den nächsten Wochen auf www.luminanz.eu.