Soundcheck mit Toro Y Moi, Local Natives, Kashmir und Yeti Lane

Elektro-R'n'B-Pop und tribalistischer Indie-Folk-Pop aus den Staaten, Rock aus Dänemark und Laptop Skizzen aus Frankreich. Der Pop ist schon lange vielfältig. In seinen Ausführungen sowie seiner Internationalität, was unser dieswöchiger Soundcheck erneut beweist. Außerdem hat Jan eine kurze, aber klare Meinung zur The Knife-Oper Tomorrow In A Year.

 

Toro Y Moi - Causers Of This

Toro Y Moi macht Schlafzimmerpop, wie man ihn wohl besser nicht hinbekomomen dürfte. Die 11 Titel auf „Causers Of This", dem Debüt von Chaz Bundick, zeigen, wie man softe Drumloops, gecuttete Vocal- und Soundschnipsselchen und das Gespür für eingängige Melodien gekonnt zu etwas vollkommen Neuem und Eigenständigem verschneidet. Chaz Bundick schafft es, Musik zu machen, die nach vielem klingt, das man sich so eigentlich gar nicht anhören würde, weil man es zutiefst verabscheut. Aber wenn da beispielsweise Lounge-Musik von ihrer ekelhaften Großstadthaftigtkeit oder den Pop von seiner cockyness getrennt wird - dann erhält man eine wunderbare Kreuzung aus R'n'B und elektronischen Soundskizzen. Ein Manko hat das Ganze dennoch: die Stücke sind kurz. Fast wünscht man sich, weitere zweieinhalb Minuten - durch einen seichten Flächenübergang noch einmal an den ursprünglichen Song herangeheftet. Oder man hört das Album einfach zweimal hintereinander. (8) Jan Wehn

VÖ 19. Februar 2010 via Carpark (Indigo)

 

 

Local Natives - Gorilla Manor

Viel wurde gesagt und geschrieben über die Popmusik und ihre neue Naturbezogenheit. Das Träumerische hat Einzug in den Indie-Pop erhalten und spiegelt sich nicht nur in Band- und Albennamen wieder, obschon diese meist der erste Indikator sind. So auch bei den Local Natives, deren Gorilla Manor eine Wucht und Kraft impliziert, die in keiner Sekunde des Albums zum Ausdruck kommt. Stattdessen schwelgen die Songs vor sich hin, mit tribalistischen Beats, Fleet-Foxes-haften Harmonien, seltenem Streichereinsatz und diesen alles vereinnahmenden Melodien, die Hahn, Rice und Ayer niemals in den Hintergrund rücken lassen. Nein, hier stimmt wirklich alles, was einen diese unsägliche Marotte mit den Bandnamen und diesen Naturkult, der uns Popliebenden langsam doch schon zum Halse raushängt, vergessen lässt. (9) Andreas Peters

VÖ: 29. Januar 2010 via Rough Trade

 

 

Kashmir - Trespasser

Die dänische Formation Kashmir brachte die Tage ihr neuestes Album auf den Markt und noch immer müssen sie sich über den Vergleich mit bekannten Größen, wie etwa Radiohead, ärgern, da ihnen neben Ähnlichkeit auch zuviel Anlehnung nachgesagt wird. Doch welche Musik funktioniert heute noch ohne Zitate und die Einflussnahme andere Bands? Das dachten sich wohl Kashmir und produzierten munter weiter, was sie zu mittlerweile sechs Platten im Handgepäck brachte. Nichtsdestotrotz sollte Trespasser eine Entwicklung zeigen und so holte man sich Brian Eno (U2) und Andy Wallace (Nirvana) mit ins Boot - klare Ansage. Herausgekommen ist ein, im Gegensatz zu den letzten Werken stehendes, Rockalbum. Es ist lauter und eine Spur härter als erwartet und doch wird Trespasser vor allem durch die Vocals beherrscht. Letztlich findet es seine Balance zwischen handgemachtem und gelegentlichen, wohl dosierten Elektroeinflüssen. Gut geworden, aber kein Meilenstein. (6) Silvia Follmann

VÖ: 5. März 2010 via Sony BMG

 

 

Yeti Lane - Yeti Lane

In Anlehnung an die Besprechung zu den Local Natives mag man sich denken: herrje, jetzt wird schon der Yeti ausgepackt. Doch bei der Band aus Frankreich bleibt der Naturbezug auf den Namen beschränkt. Versprochen. Vielmehr wird hier relativ häufig zum Laptop und zu den Synthesizern gegriffen, was man der Platte zunächst nicht anhört. Im Vordergrund steht die klassische Instrumentierung. Einem Song wie dem großartigen "Black Soul", das einen Mikro-Industrial-Charme versprüht, merkt man jedoch an, dass die Entstehungsgeschichte eng mit dem Laptop verbunden ist. Ein Vorwurf, den man der Platte machen muss, ist die stellenweise zu konstruiert wirkende, zu plastische und zu glattgebügelte Songstruktur, die schnell dazu führt, dass vom Grundsatz her gute Songs wie "Think It's Done" ob der fehlenden Überraschungsmomente zu belanglos daherkommen. "Lucky Bag" mit seinem Bratz-Bass und "Lonesome George" mit seinem Shins-ähnlichen Falsettgesang gehören genau deswegen zu den absoluten Highlights einer ansonsten durchschnittlichen Platte, weil sie diesen Missstand gerade zu bügeln versuchen. (6) Andreas Peters

VÖ: noch nicht erschienen in D. erhältlich als Import via Clapping Music

 

 

außerdem:

The Knife - Tomorrow in a Year

Maskierte Musiker. Dieser eine Radiohit. Bewusstes Rarmachen. Verschleierung der Wirklichkeit. Unangreifbarkeit des Sounds. Projektionsfläche und Spiegel anderer Pop-Phantome. Knarz, Pop, Puff. Guerilla-Gitarren-Bratzerei. Kann man machen. Aber auch sein lassen. (5) Jan Wehn

http://www.myspace.com/theknife