Während Andreas in dieser Woche fasziniert ist von den Anti-Pop-Konstruktionen der Liars und Silvi die Ehrlichkeit des knackigen Indiesounds der Good Shoes zu schätzen weiss, trifft Jan beim Debüt von Two Door Cinema Club auf den klitzekleinen Makel lupenreiner Perfektion, um dann beim Elektro-Bratz der Crookers festzustellen, dass für diese Songs das Format Album überflüssig ist.
Liars - Sisterworld
Was auch immer "Sisterworld" sein soll, schön ist das nicht. Eher spooky und ziemlich beängstigend. So jedenfalls klingt das so betitelte fünfte Album der Liars. Ebenso behutsam wie bedrohlich schleichen sich die Dissonanzen heran, um sich dann in einem Moment des Erschreckens aufzutürmen und übereinander einzustürzen. Die Liars dekonstruieren hier jedes klassische Ressentiment der Popmusik, vom mainstreamtauglichen Aufbau von Songstrukturen bis hin zur Harmonielehre und stehen vor einem musikalischen Aschehaufen, den sie, krumm und schief, kreuz und quer wieder auftürmen und so zu einem Manifest des Anti-Pop machen. Das Ganze wird getragen von einem fantastisch dynamischen Bassspiel und stumpfen Riffs, sowie der enormen Stimmvielfalt Angus Andrews. Ein durchweg gutes Zeugnis davon wie es klingen kann, wenn man sich bewusst allen Regeln widersetzt. (7) Andreas Peters
VÖ: 05. März 2010 via Mute
Good Shoes - No Hope No Future

„Good Shoes" sind vier Kerle aus Morden (UK), die versuchen, mit ihrem neuen Album 'No Hope No Future' endlich richtig was zu reißen. Kritiker waren bereits vom Erstling überzeugt, aber eine Massenhysterie blieb den sympathischen Engländer bisher verwehrt. Also hängen sie bei ihrer Europatour in kleinen Clubs ab und begnügen sich mit unluxeriösen Hostels. Das Ganze ist sicherlich eine gute Schule, aber langsam könnte alles ein bisschen größer werden, denn der leicht näselnde Rhys Jones und seine Kumpanen sind herrlich unaufgeregt, beherrschen ihre Instrumente und machen ehrlicheren Indie, als man es meist unter dieser Überschrift findet. Die neue Platte handelt von Wehmut, Gedankenwirrwarr und Frauenkram, verpackt mit viel Gitarrensound und einem Augenzwinkern. Humor scheint grundsätzlich Teil des Band-Selbstverständnisses zu sein, wie z.B. auch im Video zu „Under Control" zu sehen ist. Zusammengefasst darf man von einem kompakten Potpourri aus Up-Tempo Nummern und ruhigen Klängen, Popanleihen und New Wave Gehabe, in knackiger halbstündiger Länge sprechen. Konsequent ohne TamTam. I like. (8) Silvia Follmann
VÖ: 5. März 2010 via Pias UK/Brille (Rough Trade)
Two Door Cinema Club - Tourist History
Klar, mit dem Hipster-Imprint Kitsuné im Rücken, kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Mit zwei so starken Vorabsingles wie "Something Good Can Work" und "I Can Talk" auch nicht. Insofern ist es nur logisch, dass 'Tourist History' dann in die selbe Kerbe schlägt, nichts Anbrennen lässt und so weiter und so fort. Dieses Album ist schlichweg perfekt: catchige Tappingloops im oberen Griffbrettbereich undt textlich wird ein bisschen durch die versifften irischen Pubs getourt. Dazu ein bisschen Disco, ein bisschen Electroverschnitt, ein bisschen Afrobeat (auch wenn ich immer noch nicht ganz verstanden habe, was das sein soll), zu enge Hosen, jugendlicher Leichtsinn und der ganze Kram. "Cigarettes in the Theatre" ist ein cleveres Stomper-Intro mit sympathischen Licks, "Eat That up, It's Good for You" der unverzichtbare Phoenix-Moment und "Undercover Martyn" dann das, was man in A&R-Sprache gerne "eine verdammt starke Nummer" nennt. Das Problem dieser Platte ist ihre Unangreifbarkeit, das kann man getrost als Stärke sehen, sich aber hier und da auch daran stoßen. (8) Jan Wehn
VÖ: 5. März 2010 in Deutschland via Cooperative Music (Universal)
Crookers - Tons Of Friends
Die Crookers waren schon auf Bratz-Electro, als man hierzulande noch nicht mal wusste, was das überhaupt genau ist. Als sie dann Kid Cudi und dessen Single "Day 'N' Nite" in die Großraumdisco remixten ging es richtig los mit dieser Fuhre an Obskuritäten aus Hipster-Rap, NuRave-Wahnsinn, Schlitzbrillen und dem ganzen Kram. Für Andrea Fratangelo und Francesco Barbagliaja nicht unbedingt das Schlechteste. Zwar verdiente man keinen müden Cent am allabendlichen Airplay für die Ed Hardy-Anhängerschaft, war aber um die Erkenntnis reicher, dass B-Boy-Boheme und Mischpultgewichse im oberen BPM-Bereich ganz wunderbar zusammenpassen. Uns genau so klingt 'Tons Of Friends' dann auch. Pit Bull, Will.I.am, Kelis oder Spank Rock auf brachialem Fiepgewitter, rumpelnden Drums und Filterspielereien - und auch Kid Cudi bekommt mit "Embrace The Martian" wieder eine astreine Dance-Sause unter den beskinnyjeansten Hintern geschustert. Dazwischen tummeln sich dann noch B-Blogosphären-Stars wie Yelle auf Faux-Riddims rum. Selbst die Collabo mit Miike Snow klingt mehr wie ein fragwürdiger Mash Up aus dem "s/t"-Album-Material und Drumloossampleien. Klar, auf dem Tanzflur deines Vetrauens funktioniert das alles sehr gut und macht auch Spaß. In meinen Augen hat 'Tons Of Friends' allerdings eher Mixtape- oder Give-Away- als Albumcharakter. (6) Jan Wehn
VÖ: 12. März 2010 via Ministry Of Sound (Warner)
außerdem erschienen:
Joanna Newson - Have One On Me
Heidewitzka. Joanna Newson, die Nu-Folk Elfe am Harfeninstrument, serviert gleich drei neue Platten mit Liedern, die sich in der Länge um 8 Minuten einpendeln. Doch bevor sich aufgrund der Opulenz Furcht breit macht, mach ich es kurz: Es ist ein wunderschönes Werk aus Folk, Jazz und Klassik mit den unterschiedlichsten Einflüssen und einer gereiften Stimme der Sängerin geworden. (7)
VÖ: 26. Februar 2010 via Drug City (Rough Trade)