Nick Hornby – Slam

Einmal so richtig in den Dreck. Bei einem Slam beim Skateboarden reißt es einem jeden Halt unter den Füßen weg, direkt zu Boden. Nick Hornbys Romanheld Sam beschreibt das wie folgt: „Die Rollen waren von den Achsen geflogen, die Achsen waren vom Deck geflogen, und ich war zwanzig Fuß hoch in die Luft gesegelt und voll gegen eine Ziegelmauer geknallt.“ Im wahren Leben kann das ganz ähnlich sein. Als Sechzehnjähriger schläft er mit seiner gleichaltrigen Freundin, schwängert diese und stellt dadurch alles in Frage, was ihm bisher im Leben wichtig war.

In den Geschichten des britischen Autors geht es oft um Fantum. In „The Fever Pitch“ dreht sich alles um Fußball und in „High Fidelity“ um Musik. Sam hingegen ist ein besessener Skateboardfahrer. Tony Hawk ist für ihn vielmehr als lediglich ein Vorbild, dessen Poster an seiner Wand pinnt. Die Autobiographie „Hawk. Beruf: Skateboarder“ hat er dutzende Male gelesen. So oft, dass der professionelle Skateboardfahrer gesprächig zu werden scheint. Jedes Mal wenn er in der Klemme sitzt, ist es dieses Buch, das er nach brauchbaren Hinweisen und Antworten durchsucht. Und es sieht so aus, als würde er sie finden. Außerdem berichtet Nick Hornby vom Alltäglichen. Das ganz normale, das jedoch für die Figuren außergewöhnlich und weltbewegend ist. Es geht um Teenagerschwangerschaften. Nicht gerade ein Aufsehen erregendes Thema in England. Ist es für Sam aber wohl, soll er nun - wo er doch gerade dabei ist, aufzuhören, ein Kind zu sein - bereits selbst eines großziehen.

Der Magic Tony, was kann er noch? Er vermag es, Sam in die Zukunft zu schicken und präsentiert ihm Auszüge aus seinem nahenden Leben als Vater. So ahnt er, dass sich schon bald nicht mehr bloß alles nur um Grind City oder die Bowl, also ums Skaten drehen wird. Klaro, dass er diese Realität für sich zu Anfang überhaupt nicht wahr haben will. Es wird deutlich, dass Sam nicht erwachsen oder vernünftig ist, sondern einfach ehrlich. „Ich wollte mein altes Leben zurück, meinetwegen auch das Leben irgendeines anderen. Aber dieses hier wollte ich nicht.“ Er betreibt Eskapismus in höchstem Stil und bricht auf in die Küstenstadt Hastings, um dort sein Handy und mit diesem alle Probleme, die ihn aus London erreichen könnten auf dem Meeresboden zu versenken. In seinem Kopf drehen sich Fragen, die ihn und seine Freundin Alicia betreffen, um sich selbst. „Werde ich da gut rauskommen? Werden deine Eltern mich umbringen? Hast du was dagegen, dass ich trotzdem aufs College gehe?“

Diese Sprache soll die eines Fünfzehn oder Sechzehnjährigen sein. Aber Nick Hornby gelingt es nicht, sie kumpelhaft unkompliziert anzuwenden. Zu oft wirkt sie merkwürdig und künstlich. „Du hattest keinen Bock mehr auf mich, oder?“, fragt die Freundin des Protagonisten an einer Stelle. Die Antwort: „Hattest du nicht auch keinen Bock mehr auf mich?“ Fast argwöhnisch parodistisch klingt das aus dem Kontext gerissen. Nick Hornby meint das jedoch ernst.

Eine häufig angewandte Technik des Autors zur Erzeugung von Komik ist die Doppelung, die Wiederholung. Der Leser erkennt etwas wieder und soll sich darüber freuen. Klingt stumpf? Ist es auch. Warum also funktioniert dieser Handgriff trotzdem immer wieder? Sams Mutter, die schon mit ihm jung schwanger wurde, wird sich nun nicht lediglich darüber bewusst, dass auch ihr Sohn Vater werden soll – nein – auch sie wird einfach noch ein zweites mal Mum, weil es so schön war. Ist das lustig? Höchstens ein bisschen. Warum sollte also trotzdem gelacht werden?

Über die Reihe der Ultraschalluntersuchungen, mit einem Geburtsvorbereitungskurs und mit all dem Kopfzerbrechen ist das kleine Ding nun plötzlich da. Die ersten Eindrücke sind wohl eher keine Begeisterung, sondern vielmehr ein sich Wundern und sich Sorgen. „Wenn ich es nicht schon gesehen hätte, hätte ich gedacht, es würde was mit ihm nicht stimmen.“ Ungewohnt wird es vorerst noch immer bleiben für Sam. Unverschönt werden seine Gedanken gezeigt und dass gerade nicht alles wie von selbst in Ordnung ist, wenn es auf einmal so weit ist. Dass es aber irgendwie trotzdem geht ist eine weiterführende Aussage und damit außerdem das Liebenswerte am unperfekt Alltäglichen bei Nick Hornby.

Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2008