Soundcheck mit Holly Miranda, Built To Spill, Beach House und The Drums

Da sag mal einer, wir von Lachsauge täten nicht alles, um unseren Lesern einen bestmöglichen Service zu liefern. In dieser Ausgabe des Soundchecks mit Holly Miranda, Built To Spill, Beach House und The Drums hat Jan Wehn zur Besprechung der Beach House-Platte sogar seinen Samstagnachmittags-Spaziergang ausfallen lassen. So selbstlos das klingen mag war es dann doch nicht und letztlich ist alles gut gegangen. Aber lest selbst.

Holly Miranda - The Magician's Private Library

Holly Miranda bringt ihr Debüt „The Magician's Private Library“ raus und es glänzt durch unangepasste Seelenstreichlermusik. Bei ihrem Erstwerk gabs direkt Unterstützung von Dave Sitek ( Tv On The Radio), auch keinem Unbeflecktem im Musikgeschäft. Zusammen sponnen sie ein Album, das seinem, Phantastisches versprechenden Titel, gerecht wird und sich stimmungstechnisch im Schnee genauso wohl fühlt wie in einer blumigen Frühlingsbrise. Die Traumwelt ist bei diesem Album offensichtlich das vorherrschende Thema, vom Cover bis in die Songs hinein. Wolken aus Blechbläsern und Eigensinn, schrulligen Electrosounds und Engelsgesang, wabbern mit zaghaften Schlagzeugklang in den Raum und lullen den Hörer ein. Das sanfteste was dieses Jahr bisher zu hören war und gerade die Ecken und Kanten an der lieblichen Hülle der Artverwandten zu Goldfrapp, machen besonderen Spaß. Mal sehen was da noch kommt. (7) Silvia Follmann

VÖ: 26.Februar 2010 via: XL/Beggars Group

 

Built To Spill - There Is Noi Enemy

Seien wir doch mal ehrlich. 'There Is No Enemy' ist ein kleines Meisterwerk. Eine der Platten, die du über den iPod laufen lässt, wenn du am frühen Früjahrsabend in leichter Kleidung das Haus verlässt und dich dabei so jugendlich fühlst, wie 2006, oder mehr noch 1999 als die Band aus Idaho das großartige 'Keep It Like A Secret' herausbrachte. Und dann kommst du irgendwann zurück nach Hause, die Nacht ist vorangeschritten, einer dieser temporär durchschnittlichen, in der retrospektive vermissenswerten Abende für beendet erklärt und auf dem iPod läuft noch immer Built To Spill. Es sind jene Abende/Nächte, in denen der Alkohol sich mit der Melancholie verbrüdert und man in einer dieser Loops gefangen ist, die das gestern und das morgen als gleichzeitige Erinnerungen erscheinen lassen. Das alles wird untermalt von den schrammelnden Gitarren und epischen Feedbacks, die den Nährboden für unvergessliche Melodien bereiten.(8) Andreas Peters

VÖ: 22. Januar 2010 via ATP

 

Beach House - Teen Dream

Es ist Samstagnachmittag und ich wollte eigentlich Spazierengehen. Mir wurde aber die Rezension der neuen Beach House-Platte aufgezwungen - und jetzt geht's eigentlich dann auch. Ist eh noch ein bisschen kalt draussen. Das dritte Album des Duos, welchem oft mit die etwas ekligen Etikette "dream pop" anhaftet erscheint dabei über Sub Pop. Und das darf gerne zweideutig verstanden werden. Wenngleich die Richtung eine ähnliche, wenn nicht gleiche, schusselige wie bei den beiden Vorgängern ist, so lässt sich doch erkennen, dass "Teen Dream" alles andere als eine Rückführung auf den Titel des Albums ist. Die dritte LP von Beach House klingt behutsam ausgearbeitet und unglaublich selbstbewusst. Beispiele gefällig? "Norway" mit vehementem Drum-Mantra und hypnotischem Delaypicking an der Ukulele, der mutig an der Grenze zum Gejaule vorbeibalancierende Gesang von Alex Scally auf dem "Used To Be"-Abgesang oder auch "10 Mil Stereo", mit Bassgebrumme und sphärischen Synthies. Das klingt alles sehr eigen und doch sehr angenehm. Hat man selten. Genau wie einen schönen Nachmittag mit Sonne. Und deswegen geh ich jetzt noch raus. Im iPod, richtig, das neue Beach House-Album. (8) Jan Wehn

VÖ: 26. Februar 2010 via Cooperative (Universal)

 

The Drums - Summertime!

Beach Boys meet Joy Division meet Sommer in Kalifornien. Die Formel, die diese EP ausmacht ist wohldurchdacht und die Kulturindustrie, die sich hinter dem New Yorker Stadtteilchen Brooklyn verbirgt, hat wieder ganze Arbeit geleistet. Post-Punk-Minimalismus und Surf-Pop waren selten (oder nie!) in solcher Eintracht. Tatsächlich klingt 'Summertime!' so als hätten sich Brian Wilson und Ian Curtis mit ihren Bands im Rahmen der 'In The Fishtank'-Reihe auf einen Jam getroffen und diese EP aufgenommen. Das Kind hat den Minimalismus von der Mutter (Joy Division) und die Pop-Anleihen, wie auch den besonders im Opener "Let`s Go Surfing" zelebrierten californian way of life von den Vätern. Letztlich stecken dahinter doch die Drums und sie können stolz sein auf das Baby. (8) Andreas Peters

VÖ: 26. Februar 2010 via Cooperative Music (Universal)