Alex Amsterdam, das sind zwei hochgradig sympathische Jungs, die auch noch gute Musik machen. Als Indie-Pop würde man es wohl bezeichnen, was sie machen. Auf ihrer Tour spielen sie nun unter anderem in Düsseldorf, Berlin und Hamburg. Das soll es uns wert sein, sie für unsere Rubrik „Gespräche“ zu befragen. Vor allem drehte es sich um ihre Zielstrebigkeit, die sie in immer größere Konzertsääle führt, die eigene Musik und darum, in welche Richtung das weiter gehen soll, mit all ihren Ambitionen.
Mein Kindheitsheld war Rolf Zuckowski. Als Kind hätte ich euch wie wild beneidet, weil ihr eure eigenen singenden Dads zu Hause hattet. Aber im Ernst, eure beiden Väter sind bekannte Kinderliedermacher. Inwiefern hat euch das musikalisch gelenkt oder beeinflusst. Außerdem bemerkenswert ist daran, dass ihr zwei euch doch sogar auf diesem Wege kennengelernt habt.
Gute Wahl mit Herrn Zuckowski – aber unsere Dads sind in der Liga auch nicht zu verachten! Nein also mal im Ernst: Der Einfluss aus unseren musikalischen Elternhäusern ist sicherlich extrem prägend (bis heute noch). Als kleine Dötze durften wir immer schon vors Mikrofon im Studio und mit auf die Bühnen – wir haben die Faszination Musik einfach schon als Babys verinnerlicht. Wir durften somit schon so viele Jahre diese Musikluft atmen, das „Business“ kennenlernen und natürlich auch dauerhaft musikalische Anregungen bekommen. Irgendwie trifft es glaub ich „musikalischer Gendefekt“ am besten
Über unsere Väter haben wir uns auch kennengelernt. Das war vor ein paar Jahren auf einer Messe: wir haben da beide für unsere Väter gearbeitet, uns kennengelernt und dann ist es erstmal bei der Musikerfloskel „wir müssen mal was zusammen machen“ geblieben. Das „wir müssen mal was zusammen machen“ hat dann über ein Jahr gedauert – aber dann haben wir es einfach mal ausprobiert und die Chemie stimmte einfach - sowohl musikalisch als auch menschlich. Tja und ab dann hieß es: Symbiose und „was die Papas können, können wir schon lange“.
Ihr spielt unentwegt Konzerte. Man könnte meinen ihr schlaft kaum noch. Weiterhin habt ihr Interviews mit der Unclesally’s oder 1Live. All das macht ihr zu einem großen Teil auch noch selbst, weil ihr so engagiert seid. Wenn man wollte könnte man euch als Streber bezeichnen. Wisst ihr das?
Wir fassen das als Kompliment auf. Aber es trifft es schon in gewisser Weise. Wir haben beide eine hohe Strebsamkeit. Wir wissen ziemlich genau, was wir wollen und wohin wir wollen. Aber der Weg dahin bedeutet nun mal viel Arbeit. Wir spielen so gute hundert Auftritte pro Jahr und machen noch vieles selbst: vom Booking über die Promo bis hin zu den Gigs; vom Songwriting übers Arrangement bis hin zur Produktion. Der DIY-Anteil bei Alex Amsterdam ist was unsere Seite angeht so ziemlich am Anschlag. Viel mehr können wir beiden nicht leisten. Aber seit einem guten halben Jahr haben wir ein Management, das uns unter die Arme greift. Und gerade sind wir für unser neues Album in der Labelakquise. Wir sind nun einfach an einem Punkt angekommen, an dem wir gute Partner brauchen, um weiter voran zu kommen. An die besten Plätze im CD-Regal kommt man nun mal nur mit ein wenig Hilfe....
Ihr habt zusammengespielt mit den Kilians, mit Kettcar oder mit Gisbert zu Knyphausen. Und das sind ja nur einige die man anführen kann. Könnt ihr mal Wunschpartner für das nächste Jahr nennen?
Oh ha – da gibt’s eine ganze Latte. Wir fangen erstmal mit dem Wunschrahmen der Gigs an: Hurricane – Samstag – 22.00 Uhr – Center Stage. Und mit wem wir uns dann das Brett am liebsten teilen würden:
Friska Viljor, Tomte, Get Well Soon, Mumford & Sons…oder auch…Franz Ferdinand, Mando Diao oder die hoffentlich bald wiedervereinten Oasis.
Ihr kommt beide aus relativ verschlafenen Nestern. Beschreibt mal, wie es ist, im Gegensatz dazu jetzt in Städten wie Düsseldorf, Berlin und Hamburg zu spielen. Welche Vor- oder auch Nachteile hat da die Stadt gegenüber dem Landleben?
Unsere Wurzeln liegen in Ostwestfalen – in Bad Oeynhausen (Alex) und in Lippstadt (Simon). Alex wohnt mittlerweile seit vier Jahren in Düsseldorf und hat das „Verschlafensein“ mittlerweile hinter sich gelassen. Simon wohnt noch in Lippstadt aber die offizielle Bandheimat liegt schon am Rhein! In der Regel ist es so, dass in größeren Städten einfach bessere Locations/Venues/Clubs zu finden sind. Und natürlich einfach mehr potentielle Konzertbesucher vorhanden sind. Vorteil Großstadt! Auf der anderen Seite sind die Leute hier natürlich schwieriger zu erreichen aufgrund der Masse. Und dann gibt es einfach oft ein regelrechtes Überangebot an Kulturprogramm. In Berlin sind zum Beispiel jeden Tag hundert Konzerte in der ganzen Stadt. Sich da entsprechend zu platzieren ist natürlich schwieriger als auf dem Land. Wir bevorzugen eigentlich die Gigs in den größeren Städten aufgrund des Flairs der Großstadt und dem oft einfach besser passenden Publikum. Jedoch machen wir beides gerne und so herrscht auch immer eine gesunde Abwechslung auf Tour.
Ich habe ja bereits erwähnt, dass ihr unablässig Konzerte spielt. Eine Folge ist da, dass ihr viel rumkommt auf Deutschlands Straßen. Könnt ihr sagen, was dabei die für euch die aufregendste, vielleicht auch haarsträubendste Geschichte war?
Ein internes Ziel von Alex Amsterdam ist es, mal auf jeder deutschen Autobahn mindestens einmal gefahren zu sein. Wir arbeiten daran und es sieht ganz gut aus. Also wir geben mal eine der skurrilsten Geschichten zum Besten. Wir haben letztes Jahr in Halle gespielt, in einem kleinen Club. Wir haben brav die Adresse ins Navi getippt und als unser Kaiser (unsere Navistimme) sagte „mir soand doa“ sahen wir nur ein einsames Wohnhaus. Kurze Zeit später kam zu unserer Freude der Booker und unsere Laune verbesserte sich bis zu dem Zeitpunkt, als er sagte „wir haben da ein kleines Problem“. Der Club war nicht angemeldet und die sind denen auf die Schliche gekommen. Das Ergebnis war also: Fenster mit Brettern zunageln, nicht lüften, und ein Stromkabel durchs Treppenhaus vom Nachbarn ziehen, da der Strom abgedreht wurde. Folglich gab es auch kein Licht uns nix... Wenn du aufs Klo wolltest, warst du gut damit beraten eine Kerze mitzunehmen (oder das Kerzenapp auf dem Iphone anzuschalten). Wir haben also aufgebaut, Soundcheck gemacht, uns über den Strom vom Nachbarn gefreut und hatten entgegen unserer eigenen Erwartungen einen großartigen Abend. Was man bei so vielen Shows in so vielen verschiedenen Läden lernt ist: bleib immer optimistisch uns skeptisch zugleich. Man kann die besten Gigs in den skurrilsten Läden spielen und auch umgekehrt...
Ihr seid zu zweit. Das ist eigentlich zu wenig, um euch eine Band nennen zu können, oder? Warum die Zweierkonstellation? Was sind Vorzüge, aber vielleicht auch Nachteile daran?
Wir sind schon eine schizophrene Band: ein Name, zwei Typen – und wir klingen wie eine ganze Band...
In der Tat sind wir ja live nur zu zweit unterwegs und arbeiten mit Backing Tracks, die uns als vollwertige Band erklingen lassen. Der Grund dafür liegt im Organisatorischen: Unser Ziel ist es, die Frequenz der Konzerte hoch zu halten – die Ochsentour noch weiter zu fahren. Und zu zweit ist man einfach flexibler. Von der Terminabsprache angefangen bis hin zur finanziellen Kalkulation.
Die Band vom Band ist ein Kompromiss. Jedoch alles, was unsere Band so abspielt, ist live eingespielt. Somit merkt ihr: wir haben die Musiker und die Band im Hintergrund eigentlich schon am Start. Und mit der wollen wir auch bald auf die Bühne...
Schwierige letzte Frage: Euer eigener Lieblingssong. Welcher ist das und warum?
„Lost without a trace“ – weil wir diesen Song im Studio völlig neu entdeckt haben. Wir haben ihn sonst immer in einer sehr chilligen, intimen unplugged Version gespielt und im Studio haben wir das Rockpotential der Nummer entdeckt.