Soundcheck mit Ok Go, Shout Out Louds, Musée Mecanique und Efterklang

Der Soundcheck soll euch eine wöchentliche Konstante bieten, an der ihr euch orientieren könnte und an dem wir uns mit euch zusammen über die neuesten Veröffentlichungen hermachen. In dieser Woche sind es die neuen Platten von OK GO, Musée Mecanique, Efterklang und den Shout Out Louds.
Abseits dieser Konstanten möchten wir Lachsauge Stück für Stück besser und interessanter machen. Jede Rubrik, jeden Tag ein Stückchen besser machen. Während an ähnlichen Vorgaben schon ganz andere gescheitert sind, tun wir weiterhin unser Bestes und präsentieren euch ab heute die (längst überfällige) Interview-Rubrik Gespräche.

 

OK Go – Of The Blue Colour Of The Sky

Die Chicagoer OK Go veröffentlichen nach langen fünf Jahren ihr neuestes Album. Zusammen mit Dave Fridmen (Mercury Rev) produzierten sie „Of The Blue Colour Of The Sky“, dass wie immer von Damian Kulashs rauer Stimme, von Gitarre und Bass lebt und irgendwie ist doch alles anders. Zugegebenermaßen bin ich ein Freund von OK Go, auch wenn die letzte Platte mehr Spaß als die große Kunst versprach. Aber den hatte man dann wenigstens auch! Statt reiner Tanzflächenfreundlichkeit gibt’s diesmal eine ziemlich reife Vorstellung von den Jungs: Starter ist „WTF?“, dass gleich mal den Putz mit dunklem Bass und hohen Vocals abreißt. In der Mitte findet sich „Skyscrapers“, ein fabulöses Ergebnis einer Zusammenkunft aus Groove und Verzweiflung und der Rausschmiss gelingt mit „In The Glass“, das sich müde aber am Ende irgendwie glücklichmachend ans Ohr kuschelt. Dazwischen, davor und danach findet sich allerhand Großartiges und Unerwartetes. Diesmal scheint das Kunst-Spaß-Verhältnis seine Versöhnung zu finden. (8) Silvia Follmann
VÖ: 22. Januar 2010 via Capitol (EMI)

 

Musée Mecanique - Hold This Ghost

Man mag das langweilig finden, was die Jungs von Musée Mecanique aus Portland hier bieten. Man mag die Ausbrüche vermissen und die offensichtlichen Höhepunkte. Dann muss man sich allerdings auch die Frage gefallen lassen, ob die effektheischerische Popmusik der letzten Jahre vielleicht etwas an der persönlichen musikalischen Wahrnehmung verstellt hat. Denn tatsächlich habe ich seit ganz langer Zeit keine Popmusik mehr gehört, die ohne Augenzwinkern, ironischer Verdrehung, 70er/80er/90er-Anleihen, Waldschratbärtigkeit oder Neon-Glam ausgekommen ist und dabei so grandios klingt. Musée Mecanique (benannt nach einem Museum voller alter Jukeboxen und Instrumenten) machen ihrem Namen insofern alle Ehre, indem sie sich aller verfügbaren Instrumente bedienen, die dieses Museum in Kalifornien wohl zu bieten hat. Was sie damit anstellen ist eine ganz andere Kategorie. 'Hold This Ghost' hat nichts von Indie-Retro-Folk, obschon alle Vorraussetzungen dafür gegeben wären. Vielmehr atmen diese wunderschönen Songs die Leichtigkeit, die einst die fantastischen Shins auf 'Chutes Too Narrow' versprühten. Popmusik zum träumen! (9,5) Andreas Peters
VÖ: 21. Januar 2010 via Rough Trade

 

Efterklang - Magic Chairs

Diese verhaltenen Klaviertappser auf dem Intro "Modern Drift", sie stehen wohl synonym für den gesamten Charakter von "Magic Chair", dem dritten Album von Efterklang. Dezent, höflich und nie aufdringlich kreieren die vier Dänen hier Folkschätzchen ohne großen Schnickschnack oder gezwungene Ausflüge in andere Gefilde. Das hier klingt einfach nach Fjorden, dem Schwappen des Meeres und Spunk. Streicher, die einem fast das Herz zerreissen ("Modern Drift"), herrliche Klagelieder ("Mirror Mirror") oder seltsamerweise doch recht stimmige Soundausflüge wie "Raincoats" - das klingt alles sehr eigenständig, durchdacht und liebevoll ausgetüftelt. Ein bisschen wie Friska Viljor ohne diese eklige Hippie-Attitude oder wie Grizzly Bear in, ja doch!, unpoppig - und das ist mit Sicherheit nichts Falsches. Schönes Frühlingsalbum für den Roadtrip an die See. (7) Jan Wehn
VÖ: 19.Februar 2010 via 4ad/Beggars Group (Indigo)

 

Shout Out Louds - Work

Wenn man 3 Jahre lang kein Album macht, kann man das Endprodukt dann wohl auch guten Gewissens "Work" nennen. Und allgemein ist es immer spannend zu sehen, was Bands, die so richtig schön weit oben auf der Indierocktrendwelle um 2003 herum, mittlerweile für Musik machen. Das geht von einer überambitionierten Affinität  zu Electro- und Wavegeschichten bis hin zu ebenfalls bierernster Erwachsenenmusik. Nicht so bei den Shouts Out Louds, die mit "Please Please Please" wohl einen der Studentensongs der vergangenen Dekade zu verantworten haben. Der Opener "1999" klingt dann auch genau so, wie er soll: nämlich nach den Shout Out Louds. Das Problem ist nur, dass das ganze Album ein bisschen zu sehr nach den Shout Out Louds klingt. Soll heißen: schwermütig-augenzwinkernde Riffs, ordentlich Hall auf Eric Edmans Stimme, hier mal noch ein paar Rhodes, da noch ein paar Pianochords. Das wird auf die Dauer dann etwas langweilig. Einer der Songs heißt übrigens "Show Me Something New". Passt irgendwie. (6) Jan Wehn
VÖ: 26. Februar 2010 via Universal