Kurzinterview mit AV
Der Rapper AV aus Münster veröffentlicht am kommende Sonntag, den 14. Februar, und somit auch am Valentinstag seine EP "<3". Worum es auf der EP geht? "Anfang, Mitte, Ende. Gut, wunderschoen, boese, schlecht. Liebe, Hass, Zwischenfarben - das Alles ist '<3'". Jan Wehn bat den Rapper zu einem kurzen Gespräch über Enstehungsprozess, Zeitlosigkeit und musikalische Einflüsse.

Releasedate deiner "<3"-EP ist ja am Valentinstag, dem 14. Februar. Das Konzept dahinter ist also klar. Denkst du, dass sie - trotz oder vielleicht gerade wegen diesem Titel - etwas Zeitloses hat? Immerhin ist sie ja schon auf deine ganz persönliche Situation hin geschrieben worden.
Also Zeitlos ist sie eigentlich nicht. Wenn man überlegt, dass sie einen bestimmten Zeitraum meines Lebens behandelt, der nun ja auch schon wieder als solcher abgeschlossen ist, sind die Songs so gesehen eher eine Beschreibung der damaligen Zeit. Für mich persönlich ist aber zum Beispiel ein Song wie "ybid" schon zeitlos, da das Thena, auch wenn es traurig ist, sicherlich noch mal so in meinem, wohl aber auch in jedem Leben, vorkommt. Das ist eben Liebe. Das Schönste und gleichzeitig Schmerzhafteste, dass das Leben zu bieten hat. Am Ende hoffe ich aber, dass die Songs auch nach mehrmaligem Hören und nach mehreren Wochen und Monaten relevant bleiben. Für mich hat sich das aber auf jeden Fall schon mal erfüllt.
Stört es dich da, dass der weg vom schreiben übers mastern bis zum Download so lange gedauert hat?
Nein, wobei ich jetzt auch nicht sagen würde, dass der Zeitraum wirklich lang war. Ich habe einige Wochen daran geschrieben, alles etwas sacken lassen und konnte dann auch einigermaßen fix einen Recordingtermin mit Exzem finden. Dann alles an einem Tag recordet und am Ende hat Sterio das auch alles in einem humanen Zeitraum gemastered. Mr. FuckedUp! war ebenfalls sehr schnell mit dem Artwork fertig. Und dann hat es natürlich perfekt gepasst, dass der 14. Februar, also der Valentinstag, mehr oder minder direkt vor der Tür stand. So gesehen hat das alles schon ziemlich gut gepasst. Beim Ich & Wirr Album war das ja damals eher so das Problem...
Nenne doch mal ein paar Platten, die dich beim Entstehungsprozess inspiriert haben.
In erster Linie wollte ich zwar Rap machen, sehe das aber als mehr an, als nur 16er auf Beats zu packen und hatte schon den Anspruch, wirkliche Songs zu schreiben. Somit war ich einfach von Sachen wie Morrissey und The Smiths inspiriert, aber auch von Hardcore-Punk Geschichten wie Defeater, Carpathian, vor allen Dingen aber American Nightmare, die mir ja auch im Bezug auf das Zitat in meinem Artwork als Inspiration galten. Was Wesley Eisold auf der "Background Music" an Schmerz und allen Farben zwischen Liebe und Hass verarbeitet, ist einfach das Größte, was in diesem Bereich jemals verzapft wurde. Das für mich wichtigste Album meines Lebens! Das wollte ich, auch wenn es natürlich sehr ambitioniert klingt, irgendwie auf meine EP übertragen. Das ganze Beziehungswesen schildern, es auseinandernehmen, es wieder zusammensetzen und die jeweiligen Gefühle in den Vordergrund stellen, ohne aber die Technik und den Style außer Acht zu lassen. Abseits davon war gerade die "Unknown Pleasures" von Joy Division für das Artwork und für mein Fotoshooting wichtig. Aber am Ende des Tages war der Anspruch einfach, mehr als nur Rapsongs zu machen. Inspiriert werde ich für meine Musik eh vom Leben und all dem, was ich privat auch höre. Und das erstreckt sich nun mal von HipHop über Hardcore, Indie, Elektro zu zig anderen Genres. Wobei: Fuck Genres! Was zählt ist gute Musik!
Trotz der Hardcore-Einflüsse ist der Sound - was Raps und Beats angeht - sehr an den HipHop der 90er Jahre und den klassischen Boom Bap angelehnt. Warum?
Das hat sich durch die Zusammenarbeit mit DJ Exzem ergeben, der einfach solch einen Sound produziert und das auch authentisch feiert. MPC, Turntables, Samples cutten... Und natürlich feiere ich solche Beats ebenfalls sehr ab, zumal sie zum Konzept sicherlich besser passen, als irgendwelche 16tel Hihats und Synthieflächen. Irgendwie fand ich dieses Gang Starr-Bild aber auch ganz geil: Ein Rapper, ein Produzent/DJ, also ein Tagteam, dann dieser Sound, ein gemeinsames Projekt. Is schon ganz geil.
Denkst du, dass Musiker in anderen Genres weniger Probleme mit Ehrlichkeit und Gefühlen haben?
Definitiv! HipHop ist nun mal dicke Eier haben und da spricht man einfach weniger über sein inneres Selbst. Und wenn das passiert, kann es im Rap einfach sehr leicht passieren, dass es pathetisch und aufgesetzt klingt. Zwar sind in den letzten Jahren immer mehr Songs von Künstlern entstanden, die das sehr gut beherrschen, aber nimm dir ne Klampfe und sing entweder schön darüber oder schrei dir den Wolf, ganz egal - solche Thematiken sind damit einfacher zu bewerkstelligen. Aber Rap ist nun mal die Musikrichtung in der ich mich aktuell am meisten bewege und daher wollte ich das Medium dazu nutzen, dass Konzept darauf zu münzen. Es ist halt schwieriger, aber nicht unmöglich. Und ich hoffe, dass ich das ganz gut hinbekommen habe.
Die "<3"-EP könnt ihr ab dem kommenden Sonntag hier kostenlos herunterladen.
