Soundcheck mit Adam Green, Midlake, These New Puritans und Vampire Weekend

Ja, da ist er wieder, der Soundcheck. Auch Anfang 2010 weiterhin EINE Möglichkeit, euch mit neuen Entwicklungen aus der popkulturellen Klangwelt zu konfrontieren. Und wie es der Zufall so will, sind die ersten Platten, die wir uns in 2010 vorgenommen haben, ein guter Start in eine neue Dekade. Übrigens: in den nächsten Wochen geht es mit hoffnungsschwangeren Neuerscheinungen weiter. Stay Tuned!

Adam Green - Minor Love

Den guten Adam hatte man die letzten Jahre nicht so richtig auf dem Schirm. Er hat uns mit dem ein oder anderen Liedtext zum Lachen gebracht und vielleicht zuckte auch der große Zeh, indem er halbherzig Tanzlust ans Gehirn sendete. Aber so richtig ernst hat man es nicht mit ihm gemeint - und nach dem Ende der großartigen Moldy Peaches: er wahrscheinlich auch nicht mehr so richtig mit seiner Kunst. Denn die eher bemühte Version des Spaßbarden im Anti-Folk-Röckchen war zwar sympathisch, hat aber auch genervt. Doch mit der neuen Platte „Minor Love" hat die windige Indie-Krause einen echten Coup gelandet. Sie ist das bisher gereifteste Produkt aus der Schmiede, was sicherlich auch mit der Inspirationsgrundlage, nämlich des gebrochenen Herzens des Sängers, zusammenhängt. Doch wer in den episodenhaften Geschichten alleine Wehmut und große Gefühle vermutet, liegt falsch. Der Mann lässt sich nicht auf eine Ebene festlegen und ist immer noch der große Geschichten Erzähler mit wirr-amüsantem Hintergrund. Der private Bruch scheint ein Glücksfall zu sein - das alte Spiel im Musikgeschäft! Runde Melodien und die Konzentration auf ebenso wenige, wie gut überlegte Mittel neben der Stimmgewalt Greens im Crooning-Stil, überzeugen. Und dass die Produktion im Hause des Freak-Folk Königs Banhartt stattfand, hat mit Sicherheit zum Guten beigetragen. Kann man machen. (6) Silvia Follmann

VÖ: 8. Januar 2009 via Rough Trade

 

Midlake - The Courage Of Others

Mit ihrem NeoFolk-Abenteuerroman in CD-Form „Trials Of Van Occupanther“ waren Midlake für mich eine der Überraschungen des Jahres 2006. Die Mischung aus bewusst rückwärtsgewandter Instrumentalisierung und erkennbarer Anlehnungen an Fleetwood Mac und Konsorten so wie die episodenhaften Liedtexte, machten das Album fast schon dem Filk, also die textliche Orientierung an historischen Ereignissen und Erzählungen oder Sci-Fi-Romanen, angehörig. Gerade dieser Bruch mit dem inflationären Indie-Boom in der Mitte der 2000er war für mich nicht nur mutig sondern gleichzeitig auch als durchaus logisch anzusehen. Knapp vier Jahre später kommt die Band nun mit dem Nachfolger via Cooperative Music. Bei „The Courage Of Others“ hat man bewusst darauf verzichtet, die Story um das Leben eines bestimmten Protagonisten zu konstruieren und hat sich thematisch mehr der Jetztzeit zugewandt – wobei das natürlich Interpretationssache ist. Was den Sound und Gesang angeht, wurde sich dafür mehr am britischen Folk orientiert. Ich würde gerne einen der Songs herauspicken, ihn in seiner Gänze aufzudröseln, um so vielleicht die Großartigkeit hinter Songwriting und Instrumentalisierung von Midlake aufzuzeigen. Vielleicht könnte man „In The Ground“ mit verhaltenem Oboenklang oder das dezente, wenngleich epochale „Winter Dies“ hervorheben. Prinzipiell solltet ihr euch „The Courage Of Others“ aber einfach anhören. Denn auch 2010 noch so unique zu klingen und dank Tim Smith einen Frontmann mit solch wunderschöner Stimme zu besitzen, sollten als Argumente ausreichen. (8) Jan Wehn

VÖ: 29. Januar 2010 via Cooperative Music (Universal)

 

These New Puritans - Hidden

Bei dem Nachfolger zum Debüt "Beat Pyramide" darf man wohl mit Fug und Recht behaupten, dass sich diese Platte selbst eine Nische suchen muss. Nach dem ansprechenden, auch schon etwas anderen New Wave, den die Engländer aus Southend-On-Sea vor fast genau zwei Jahren auf den Markt schmissen, gehen sie hier den Umweg von Bombast-Rock, über pathosgeschwängerte Choreinlagen, beatbefruchteten Industrial-Pop hin zu - ja wohin denn eigentlich? Dieser kreativen Bombe, fernab jeglicher vorgewärmter Schuibladen, muss erstmal ein Name verpasst werden. Dazu lassen wir uns nicht herab. Fest steht, dass selten von einer Band im 21. Jahrhundert behauptet werden kann, sie sei schwer zu definieren, und wenn doch, dann presst wenigstens noch der letzte findige Kritiker sie in eine Schublade, die nun wirklich nicht die ihre zu sein scheint. Nicht so bei uns und den These New Puritans. Unbedingter Anspieltipp: "We Want War" und "Three Thousand". (9) Andreas Peters

VÖ: 15. Januar 2010 via Domino

 

Vampire Weekend - Contra

Ich möchte es den Kollegen der Spex nicht gleichtun, mich an einem Ralph Lauren-Pferdchen aufhängen und im gleichen Atemzug auch noch versuchen, in den vier NY-Jungs die Reinkarnation der dieser Tage allzu oft durchgekauten preppyness zu sehen. Denn in erster Linie haben Vampire Weekend ein zweites Album nachgelegt. Genau deshalb möchte ich auch den ständigen Afrobeat-Querverweis in Gänze aussparen. Djembetrommlerei und musikalische Ausschweifungen in Richtung Folkpercussion hat es ja schon immer gegeben - reicht jetzt auch. Abseits von dem ganzen Drumherum ist „Contra" eine ziemlich runde Sache geworden. Klar, „Horchata" sollte man mittlerweile kennen, „Diplomat's Son" hat die Steeldrum und Ska-Referenzen im Gepäck und mit „I Think UR A Contra" gibt's dann auch die verhaltene Schlussmachballade. Gut, die unschöne Überreizung des Autotune-Effekts auf „California English" ist wohl noch Überbleibsel des Discovery-Projektes von Keyboarder Rostam Batmangli aus dem letzten Jahr. All das formt „Contra" zu einem Mischgemüse der jungen Früchtchen von Vampire Weekend, die, so wage ich zu behaupten, schon mal mehr wussten, wer sie sind. Würden Vampire Weekend die Musik machen, nach der sie aussehen, wäre das hier ein überragendes Album. Genau deshalb sollte die den Vampys (sic!) durch die Bank und alle Popgazetten entgegengebrachte Liebe mit Vorsicht genossen werden. Kollegen wie den Kings of Leon hat dies zwar eine größere Fanbase, dafür aber auch radikale Abstriche im Sound, Eigenständigkeit und Charakter eingebracht. Muss ja jeder selber wissen, aber nur mal so als Gedankenanstoß... (7) Jan Wehn

VÖ: 8. Januar 2010 via Xl/Beggars Group

 

 

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd><br><img><embed><object><param>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen

CAPTCHA
Diese Frage dient dazu festzustellen, ob Sie ein Mensch sind und um automatisierte SPAM-Beiträge zu verhindern.
1 + 0 =
Lösen Sie dieses einfache mathematische Problem und geben Sie das Ergebnis ein. Für 1 + 3 geben Sie z.B. 4 ein.