Lachsauge Slept On #3 - mit Telefon Tel Aviv, We Were Promised Jetpacks, The Flaming Lips, The Notwist, Speech Debelle, Royal Bangs und Patrick Wolf

Lachsauge Slept On #3: Wie versprochen werden wir hier in aller Kürze Platten vorstellen, die aus diversen Gründen in diesem Jahr nicht bei uns besprochen wurden. Im dritten und letzten Teil dieser Rubrik haben wir die diesjährigen Veröffentlichungen von Telefon Tel Aviv, We Were Promised Jetpacks, den Flaming Lips, The Notwist, Speech Debelle, Royal Bangs und Patrick Wolf nochmal hervorgekramt.

Telefon Tel Aviv - Immolate Yourself
Letzte Woche der Exile Tim, diese Woche Isreali-IDM. Gut, stimmt nicht ganz. Joshua Eustis kommt eigentlich aus Chicago und hatte mit Charles Cooper auch mal einen sehr guten Freund, der ebenfalls gerne Musik gemacht hat. Hat. Denn im Januar verstarb Cooper. Manche Leute hören nach solchen Schicksalschlägen auf. Joshua Eustis macht weiter und hat sich im wahrsten Sinne des Wortes aufgeopfert. Schon allein deshalb ist es wohl unmöglich, die Platte scheiße zu finden. Muss man aber auch nicht. Verschobenes Beatgeklapper, sphärische Native Instruments-Spielereien und ich kann schon das Licht sehen. (8) Jan Wehn

 

We Were Promised Jetpacks - These Four Walls

Unsere Jahrescharts sind erstellt, veröffentlicht und in Stein gemeißelt? Wirklich? In Stein gemeißelt? Nein, denn wie das immer so ist, sind einige Bands, die es sicherlich verdient hätten, nicht aufgelistet. So auch die Schotten von We Were Promised Jetpacks. Ihr Debüt "These Four Walls" dürfte beim ersten Hördurchgang so unangenehme Assoziationen wie die mit Glasvegas hervorrufen - was vor allem dem schottischen Akzent geschuldet sein dürfte. Doch schon beim nächsten genaueren Hördurchgang wird klar: das ist viel mehr und ganz sicherlich viel besser. Hier sitzt jede Note, jede Bassline, jeder Rhytmus. Zwischen ganz laut und ganz leise changierend erinnern sie an ihre leider aufgelösten Landsmänner von Aereogramme mehr als den zunächst befürchteten Bombastrock von Glasvegas. Diese Platte, das schwöre ich, hätte es in unsere Liste geschafft, hätten wir ihr die nötige Beachtung geschenkt. Mea culpa! (10) Andreas Peters

 

 

The Flaming Lips - Embryonic

Sie wissen, wie die Industrie tickt, denn sie sind schon lange dabei. Dem Erfolg der letzten Alben trotzend, lassen sie „Embryonic" jedoch nicht dem erprobten Schema X folgen. Nein, die Neue ist anders. Die gewohnte Portion Rock n Roll ist drin, doch trotzdem ist diese Platte ein Vorstoß in neue Gefilde. Der Grundton ist sphärisch-düster und thematisch liegt der Schwerpunkt bei den Abhängigkeiten, denen wir alle ausgeliefert sind. Da kann man nicht mit dem Tamburin kommen, aber sehr gerne mit Karen O. (Yeah Yeah Yeahs), die auf dieser Platte mitmischen durfte. Zugänglichkeit kann man zwar nicht als Schlagwort zur Besprechung zufügen, aber doch, dass sich der erweiterte Spielraum für die Flaming Lips gelohnt hat. (8) Silvia Follmann

 

 

The Notwist - Sturm
The Notwist werden von der Fachpresse oft und gerne als einzig ernstzunehmendes deutsches Aushängeschild im Popzirkus tituliert. Hab ich nie verstanden. Klar, uuuuh: dunkel, 'n bisschen vertrackt, fragmentarisch, avantgardistisch ist das schon alles. Dann, oho, sogar noch ein kompletter Soundtrack. Unspektakulär. Und ihr könnt mir auch erzählen was ihr wollt: den deutschen Akzent hört man einfach eklig raus. (5) Jan Wehn

 

 

Speech Debelle - Speech Therapy

"I understand this is my speech therapy, this ain't rap", ist der Satz, mit dem die Mercury Prize-Gewinnerin 2009 ihr Debütalbum ausklingen lässt. Damit nimmt sie all ihren Gegnern und Kritikern den Wind aus den Segeln. Irgendwo zwischen Lady Sovereign und Kate Nash angesiedelt begibt sich das 26-jährige Babyface auf eine Reise, deren wahres Ziel tatsächlich das Befreien von persönlichen Ängsten und schlechten Erfahrungen ist. Der positive Nebeneffekt ist, dass sie den ohnehin schon weitestgehend Gangster-Attitüde-freien Brit-Hop von seinen Fesseln befreit und einfach mal so das zwar weniger beachtete, aber dennoch wohl qualitativ bessere Hip-Hop-Album von der Insel lieferte. Nicht zuletzt wegen des mehr als enttäuschenden Party-Albums von Dizzee Rascal. (7) Andreas Peters

 

 

Royal Bangs - We Breed Champions

Bei diesem Erstling wurde eigentlich so gar kein Gedanke zu Ende gebracht. Was man über den Sound des Quintetts in der Regel nicht sagen kann ist: Das habe ich erwartet. Vielleicht auch nicht immer: Das wollte ich hören. Doch was solls, aus dem Lärm entsteigt etwas, dass man mag. Das Konzept, bestehend aus Spaß an der Sache und viel Leichtsinn funktionert. Und was man heutzutage wirklich honorieren darf, ist dass die Jungs sich nicht dazu hinreißen lassen, es sich in musikalischen Fußstapfen bequem zu machen. Wer die darauf folgende Platte kennt weiß auch, dass die Jungs eben ungeschliffene Diamanten waren, die sich schlußendlich darauf einigen konnten, in unsere Ohren einzuziehen. Lasst sie drin, sie sind wunderbar. (7) Silvia Follmann

 

Patrick Wolf - The Bachelor
Patrick Wolf ist so ein bisschen die männliche Version von Lady GaGa, wenn sie die nicht sogar schon selber ist: sehr laut, sehr bunt, sehr schwul - siehe diesjähriger c/o Pop-Ausraster. So klingt dann auch die Musik. Pompöse Vögelmucke für die nächste Jahreshauptversammlung des LesBiSchwulen Kegelclubs deines Vertrauens. Ob das alles stimmt, was ich hier gerade fasel, weiß ich nicht. Gefällt mir aber gut, die Musik. (8) Jan Wehn