Über Til Schweiger kann man streiten, klar. Aber darum, ob er ein eitler Gockel ist oder das charmanteste Kinn des deutschen Kinos vor sich spazieren trägt, soll es hier nicht gehen. Es geht vielmehr darum, dass Til Schweiger mit „ZweiOhrKüken“ ein Sequel seiner letztjährigen Blaupause des IKEA-Techtelmechtels „KeinOhrHasen“ auf die deutschen Kinos losgelassen hat - und das vielleicht nicht die beste Idee gewesen ist.
Während in "KeinOhrHasen" noch eifrig geturtelt wurde, ist im im lichtdurchflutenden Loft von Ludo Decker und Anna Gotzlowski mittlerweile der Alltag eingekehrt. Aus Bauchkribbeln ist Alltag, aus Frischverliebten sind sogenannte Partner geworden. Die Folge: nach dem die rosaroten Brille verschwunden ist, werden - wie sollte es anders sein? - urplötzlich fraulichen Forderungen negiert und die Augen verdreht, was das Zeug hält.
Til Schweiger mimt dabei ein bisschen die Vintage-Version von Mario Barth. Da wird die bessere Hälfte zum Beispiel fast mit im Schrank versteckten Pfandflaschen erschlagen und ein durchschnittliches Kinopublikum findet so einen durchschnittlichen Gag dann auch etwas lustig: denn Männer sind nun mal sehr unzuverlässig, faul und unehrlich. Aha, soso.
Man könnte jetzt dieses rastlos aneinandergetackerten Klischeegedanken Stück für Stück auseinandernehmen und ad absurdum führen. Wenn man sich allerdings erst einmal darauf eingestellt hat, dass hier auf Biegen und Brechen jeder noch so nichtige Stereotyp vom flachwitzigen Unterschichtenhumor in Richtung H&M-Zielgruppe mit Strauss Innovation-Interieur gezerrt wird, ist das ab einem gewissen Punkt schon okay. Gut finden muss man das natürlich nicht.
Und dennoch ist es praktisch unmöglich, ein kleines Kindergartenmädchen - welches mit einem kessen Scheitel, wenigen Zähnen im Gesicht und einer ungalanten Aussprache gesegnet - davon erzählt, dass es von Mama eben doch alle gewünschten Geschenke zum Geburtstag bekommen hat und somit eine entwaffnende Analogie zum scheinbar komplizierten Zusammenleben zweier erwachsener Menschen aufzieht, auch nur im Ansatz scheiße zu finden.
Natürlich lässt sich über die Notwendigkeit einer Fortsetzung und seinen Macher genauso debattieren wie über Thematik und Tiefe des Filmes. Liebe definiert vermutlich jeder für sich sicherlich anders - genauso wie im Unterbewusstsein schlummernde Gefühle für Exfreunde, rückwärtsgewandte Mann- und Fraubilder, unüberlegtes Fremdgehen und den Neuanfang einer Beziehung. Das ist Geschmackssache. Es sei nur soviel gesagt: die Geschichte hätte man, wenn überhaupt, in der Tradition des ersten Teils fortführen können.
Hat man aber nicht. Und so wird man die gesamten 124 Minuten das ungute Gefühl nicht los, dass das barefoot-Imperium ein bisschen auf der Lebenskrise von Til Schweiger selbst fußt. Und das merkt man "Zweiohrküken" leider viel zu oft an, was eigentlich sehr schade ist.