Lachsauge Slept On #2 - mit Who Made Who, Tim Exile, Hell, Tegan And Sara, Bibio, N.A.S.A., Morrissey, BLK JKS und St. Vincent

Lachsauge Slept On #2: Wie versprochen werden wir hier in aller Kürze Platten vorstellen, die aus diversen Gründen in diesem Jahr nicht bei uns besprochen wurden. Im zweiten Teil dieser Rubrik haben wir die diesjährigen Veröffentlichungen von Who Made Who, Tim Exile, Hell, Tegan And Sara, Bibio, N.A.S.A., Morrissey, BLK JKS und St. Vincent nochmal hervorgekramt.

Who Made Who - The Plot

Der Norden bleibt weiter auf dem Vormarsch. Dänemark hat uns 2006 Who Made Who beschert und das hat gefallen. Sehr. 2009 tanzt der Nachfolger an und noch immer wird uns ein ein breites Klang-Spektrum präsentiert, das in zu Ende gedachten Sounds mündet, die einen lauten Gruß an die Tanzlust schicken. Der große Hammer bleibt aus, aber diese Schuster wissen was sie können und bleiben bei ihren disco-lastigen Leisten. Ein solides Zweitwerk ist mit The Plot gelungen und die Lust den Kopenhagenern auch weiterhin zu lauschen, hält sich. (8) Silvia Follmann

Tim Exile - Listening Tree

Verdrogtes Breakcore-Bouquet aus Großstadtgeschwurbsel und sphärischem Abgesang. Das Erstaunliche: funktioniert sowohl beim Cold Turkey-Symposium als auch beim Sonntagnachmittagkaffee. Kam natürlich über Warp, die dieses Jahr eh so ziemlich alles richtig gemacht haben. (7) Jan Wehn


Hell - Teufelswerk

Helmut Josef Geier legt sein Opus Magnum vor. 2 Platten, unterteilt in 'Day' und 'Night', liefern den Gegenetwurf zum hippen Minimal dieser Tage. Mit Unterstützung von P. Diddy und Bryan Ferry kredenzt der Falco-Lookalike eine der ansprechendsten elektronischen Platten des Jahres und das, obschon ihn viele bereits abgeschrieben hatten. (8) Andreas Peters

Tegan And Sara - Sainthood

Chris Walla wollten sie, und so sollten sie ihn haben. Ein buntes Album zwischen elektronischen Tönen, Folk, Pop, Punk und Death-Cab-Romantik wollten wir, und wir haben es bekommen. Eigentlich gibt es wenig auszusetzen an Sainthood, dem im Oktober erschienen Langspieler der kanadischen Zwillinge. Gut, die wenigen Stücke mit einem Hauch Elektropunk nerven nach dem fünften Hören schon ein
wenig; aber dafür wird man mit solch besonders textlich schönen Stücken wie „Sentimental Tune" oder „Someday" mehr als entschädigt. (8) Max Link

Bibio - Ambivalence Avenue

Niemand weiss, wo die Ambivalence Avenue liegen soll. Die imaginäre Straße, die Bibio mit seinem gleichnamigen Album in diesem Jahr bekannt machte, dürfte eine ruhige Allee sein, mit großen Altbauten, in denen Künstler wohnen, die sich, ganz nach Bedarf und in aller Ungezwungenheit, gegenseitig beeinflussen. Die künstlerische Version einer Reihenhaussiedlung, vielleicht. Die musikalische Konstruktion hinter Ambivalence Avenue dürfte als per Laptop generierte Folkmusik gut beschrieben sein. Die Leichtigkeit elektronischer Musik, fernab von irgendwelchem Ambient-Lounge-Mist. Sehr gut. (8) Andreas Peters

N.A.S.A. - The Spirit Of Apollo

Indieklassentreffen auf futuristischen HipHop-Beats der alten Schule. Klang erst komisch, dann geil und schließlich absolut richtig. Und selbst Kanye West hat auf dieser Platte mit Lykke Li und Santigold seinen Verse des Jahres platziert: „It seems that everybody dress' tight now - and I just want my credit." Noch Fragen? Nö, ich auch nicht.(8) Jan Wehn


Morrissey - Years Of Refusal

Pathos, Verzweiflung, Größenwahn, Menschenliebe, Misanthropie und Egozentrik. Morrissey 2009 ist wieder wer. Trotz Baby auf dem Cover tritt Years Of Refusal heftig aufs Gaspedal und zeigt, dass der Mann nicht vor hat, sich zur Ruhe zu setzen. Diejenigen, die das bedauern, verkennen das Potenzial der 12 Songs, die zum Besten gehören, was Mr. Steven Patrick Morrissey als Solokünstler aufgenommen hat. (10) Andreas Peters

BLK JKS - After Robots

Die Black Jacks (BLK JKS) kommen aus Johannesburg und machen Rock n' Roll. Schon das ist irgendwie exotisch. Doch mit weiteren „Hallo-wach!-Assen" in der Hinterhand darf gerechnet werden. Die Platte knallt mit einem rhythmisch einwandfreien, dunklen Sound, der das Genre mit neuen Elementen bedient. Angst vor Experimenten hatten sie jedenfalls nicht. Gut! Denn dafür haben sie sich genau die richtige Zeit ausgesucht. „After Robots" ist: Rock mit unerwarteten Extras und davon reichhaltig. Sehr melodisch, sehr vom Weg ab, sehr gut. (7) Silvia Follmann

St. Vincent - Actor

Auch auf Actor, dem zweiten Album Annie Clarks, lugt uns eine lockige Schönheit mit weit aufgerissenen Porzellanaugen entgegen. Dieses Mädchen, das mit ihrer Mona-Lisa-esken Ausdruckslosigkeit Pate für die ruhige und zurückhaltende Stimmfarbe der Sängerin steht, ist sie selbst. Und im Gegensatz zur einfarbigen Umgebung des Bildes steht ihre Stimme auf der Platte im bunten Kontext von herzzerreißenden Streichern, treibendem Bass und Schrammelgitarren. Doch egal was passiert, nichts bringt diese selbstbewußte, herzerwärmend kühle Stimme aus dem Konzept. Eines der unterschätztesten Alben 2009. Auch bei uns. (8) Andreas Peters