„Das hier ist keine Liebesgeschichte!", stellt der Erzähler direkt am Anfang aus dem Off klar. Stimmt, will man nach den ersten dreißig Minuten sagen. Endlich mal eine romantische Komödie ohne unnötigen Kitsch und ausgetretenen Mann-Frau Klischees, mit ordentlich Selbstironie, ohne austauschbare Langweiler-Blondine und dauergrinsendem, eindimensionalem Gegenpart. Doch was viel versprechend beginnt, fällt schlussendlich seinem ganz eigenen Plastiklook und dem inkonsequenten Vorhaben zum Opfer, kein konventieller Liebesfilm sein zu wollen.
Die Story von "(500) Days auf Summer" geht so: Mann, in Persona von Tom, verliebt sich in Frau namens Summer. Mann erklärt Frau zur Liebe seines Lebens, beide kommen irgendwie zusammen, aber auch irgendwie doch nicht. Denn Summer hält nichts von Liebe, Beziehung und dem Ganzen Quatsch, der einem aus der Konsumgesellschaft durch Disneyfilme eingetrichtert wird. Schlecht für Tom, der nach glücklicher gemeinsamer Zeit urplötzlich von Summer sitzengelassen wird. Es folgen zahlreiche Hochs und Tiefs in Toms Gefühlswelt, an dessen Seite man die 500 Tage erlebt, in denen er sich mit seiner angeblichen Traumfrau herumschlägt.
Regisseur Marc Webb, der bisher Musikvideos für „Fergie" oder „Green Day" gedreht hat, lässt auch bei "(500) Days of Summer" einzelne Clips aufeinander folgen. Dadurch gewinnt der Film schnell an Fahrt und behält ein ordentliches Tempo bei. Gerade in der ersten Hälfte folgen die Clips schlüssig aufeinander und bieten, so ungewöhnlich das Format der Inszenierung auch ist, gute Unterhaltung. Als Zuschauer freut man sich für Tom als er endlich bei Summer landet und auch ihr kann man die Faszination, die Tom für sie entwickelt hat, nicht absprechen. Doch mit dem Bruch der Beziehung, die ja eigentlich gar keine ist (Summer), geht auch der Bruch im Film einher. Die Clips folgen jetzt hastiger aufeinander, die innerhalb der 500 Tage zwischen guten und schlechten Zeiten hin und her springen. Es zeigt sich der große Nachteil der aneinander gereihten Clipinszenierung. Die Handlung wirkt zunehmend zusammengewürfelt, wirklich gute Episoden (etwa wenn Tom zu einer von Summer veranstalteten Party erscheint und im Splitscreen die Erwartung Toms neben der Wirklichkeit stehen) wechseln mit kitschigen, weniger gelungenen Passagen ab. Wenn man gerade noch das Gefühl hatte, dass der Film wirklich einmal von der konventionellen Beziehungskomödie abkommt und mit ungewöhnlichen und guten Ideen aufwartet, folgt schnell wieder Ernüchterung.
Dem Ganzen haftet zudem über die gesamte Spielzeit ein penetranter „Indie-Schick" an, der angestrengt signalisiert, dass der Film kein bisschen konventionell und so ganz anders ist. Immer wieder hält Tom dem Zuschauer sein Joy Division T-Shirt vor die Nase, hören er und Summer ihre Lieblingsband „The Smiths" oder streiten in aufgesetzten Dialogen über die Bedeutung von Ringo Starr für die Beatles. Einmal mehr zeigt sich, dass der Film seine Andersartigkeit zum Selbstzweck werden lässt und zufrieden ist, sich damit auf ein höheres Podest setzen zu können. Gerade dadurch verlieren die beiden Hauptfiguren zunehmend an Sympathie und Authentizität. Ganz zu schweigen von Toms kleiner frühreifer Schwester, die ihm andauernd selbstgefällige Beziehungstipps in Sachen Summer geben muss. Sie stellt den Gipfel der Künstlichkeit dar und Parallelen zum „Indie"-Erfolg „Little Miss Sunshine" lassen sich kaum übersehen. Gut geklaut geht auf jeden Fall anders.
Dabei ist Webbs Grundidee bei seiner „Nicht-Liebesgeschichte" eine durchaus originelle und differenzierte. Schnell wird klar, dass Summer für Tom vor allem als Projektionsfläche für seine Sehnsüchte herhalten muss, die er in seinem sonstigen Leben nicht verwirklicht hat. Denn statt sein Architekturstudium durchzuziehen, entwirft er lustlos Grußkarten in einer Agentur. Summer hingegen, von der man als Zuschauer sonst nicht wirklich viel erfährt, offenbart sich als beziehungsunfähig und nutzt ihre Predigten von Liebe als Konsumgut zu ihrem eigenen Schutz, um sich nicht zu stark auf Tom einlassen zu müssen. So wirft der Film auch die Frage auf, ob es Liebe überhaupt gibt und wenn dem so ist, wie man sie dann genau benennen kann. Ist sie, wie bei Tom, nur Mittel, sein sonst so mittelmäßiges Leben auszufüllen. Oder gibt es so etwas wie Liebe und Summer hat nur Angst vor den damit verbundenen Gefühlen?
Auflösen will der Film die Frage am Ende nicht. Was er schlussendlich aber anbietet, auch ohne sich festlegen zu wollen, ist eher eine halbgare Erklärung, besonders was das Verhalten von Summer betrifft, und genauso inkonsequent wie die restliche Inszenierung von romantischem Kitsch und gleichzeitiger Distanzierung von eben dem. Was bleibt sind einige originelle Ideen und eine im Grunde sehr kluge Geschichte, die aber durch inkonsequente Inszenierung und „Indie"-Gehabe viele Sympathien wieder verspielt.