Eric Bishop ist am Arsch. Seinen Job als Postbote bekommt der überzeugte Manchester United-Fan nicht mehr geregelt, seine beiden Stiefsöhne hören nicht auf ihn, schwänzen die Schule und verdienen ihr Geld mit geklauten Flachbildfernsehern, die sie im eigenen Haus zwischenlagern. Doch damit nicht genug. Außerdem hat Eric die Beziehung mit seiner großen Liebe Lilly in den Sand gesetzt und sie einfach sitzengelassen. Die redet natürlich seitdem kein Wort mehr mit ihm. Von Depressionen und Selbstmordgedanken verfolgt, schließt sich Eric zu Hause ein und beginnt, mit dem Poster seines großen Idols, der Fußballikone Eric Cantona zu reden. Was Eric Bishop nicht erwartet hat: Cantona steht plötzlich vor ihm und beschließt, seinem Namensvetter bei der Regelung seines reichlich verkorksten Lebens zu helfen.
Regisseur Ken Loach, ansonsten eher für düstere Sozialdramen bekannt (zuletzt bei „It´s a free World"), schlägt bei seinem neuesten Werk „Looking for Eric" deutlich positivere und fast versöhnliche Töne an. Zwar verharmlost Loach das verkorkste Leben seiner Hauptfigur Eric Bishop nicht, trotzdem geht es gerade in der ersten Hälfte des Films zumeist unbeschwert und ab dem Erscheinen von Eric Cantona witzig und unterhaltsam zu. Nach und nach findet der gescheiterte Postbote zurück ins Leben, bändelt langsam wieder mit seiner Jugendliebe an und schafft es auch, für seine Stiefsöhne wieder eine Autoritätsperson darzustellen.
So weit, so vorhersehbar. Was sich nach langweiliger Sozialromantik anhört, ist dank Loachs nüchterner, nicht übermäßig kitschiger Inszenierung und insbesondere Dank des urkomischen Eric Cantona, der eine große Portion Selbstironie in seine Lebensweisheiten mischt („Ich bin kein Mensch, ich bin Cantona!") durchaus gute Unterhaltung mit sozialkritischem Unterton. Dieser gewinnt dann in der zweiten Hälfte des Films deutlich die Überhand. Plötzlich geht es nicht mehr um Eric Bishops Rückkehr in ein geordnetes Leben, sondern um Gangs und Waffen, in die Familie Bishop durch Sohn Ryan hineingezogen wird.
Erzähltechnisch kommt einem der Bruch sehr holprig vor, der „leichten" Inszenierung weicht die sonst bei Loach bekannte düstere Erzählweise. Der Film greift von hier an wichtige Themen auf, neben der Ausweglosigkeit aus dem Bandendasein zum Beispiel auch das Medium Internet als Plattform von inszenierter Demütigung und eigener Stärke und lässt sich dabei offen auf eine „YouTube"-Kritik ein. Zwar trägt die Lösung des Problems am Ende ein wenig zu stark sozialromantische Züge. Trotzdem verkommt der zweite Teil des Films nicht zum kitschigen Racheszenario an der Gang, sondern gewinnt gegenüber dem ersten Teil des Films an Tiefe. Doch so richtig zusammenpassen will die Inszenierung dann leider nicht. Zwar hebt der düstere zweite Teil den Film etwas aus der Beliebigkeit heraus, aber als Zuschauer wünscht man sich mehr Cantona im zweiten Teil, denn dieser bleibt hier leider fast komplett außen vor.
Kann man sich, vor allem als Eric Cantona-Fan, anschauen. Muss man aber nicht.