Muse - The Resistance Tour

Die momentan sehr beliebte Lanxess Arena hat letzten Montag wieder einmal Veranstaltungsort für ein Rockkonzert spielen dürfen. Diesmal waren die Herren Muse aus England zu Gast. Das vor noch gar nicht langer Zeit erschienene Album hat meist positive Kritiken bekommen, aber man hat sich gefragt, wie der darauf zu hörende teils orchestrale Sound live umzusetzen sei – und ob das überhaupt gehe. Letzte Woche traten Muse den Beweis an, dass es geht.

Drei unpersönliche Hochhäuser starren auf das Publikum hinab. Eigentlich sind es nur Türme, über die Planen gespannt wurden, welche wiederum eine graue Hausfassade zeigen. Das Licht geht aus. In den Fenstern der Hochhäuser gehen nacheinander die Lichter an, bis alle ausleuchtet sind, dazu wabert  elektronische Musik durch die Halle. Als nächstes erscheinen die Umrisse von Menschen, die in Reih und Glied durch die Treppenhäuser der Gebäude gehen; sie sehen alle gleich aus, so unpersönlich wie die Bauwerke selber. Dann fallen drei dieser Gestalten in Zeitlupe durch das Treppenhaus. Die Tücher fallen, und darunter kommen Monitore zum Vorschein, und auf halber Höhe der Türme: Muse.

Die Musik der drei Engländer neigte sich schon immer zum Pompösen, aber spätestens seit „Black Holes and Revelations“ können sie es sich auch die entsprechenden Auftritte leisten, was das Intro zum Konzert am 16. 11. 2009 in der Lanxess Arena beweist. Wie die Rock-Götter auf ihrem Olymp thronen Muse nach besagtem Intro weit über dem Publikum und starten die Show mit „Uprising“. Aber Herrschaftszeiten, den Platz so weit oben haben sie sich wirklich verdient, denn der Sound, der einem aus den Boxen entgegen kommt, ist so perfekt, wie man es nur ganz selten erleben darf. Früher in diesem Jahr durfte ich Metallica in derselben Arena erleben und ich muss sagen: Was den Sound betrifft können die Altmetaller vieles von den jungen Rockern lernen. Kein Instrument übertönt ein anderes, und man versteht jedes Wort, das Matthew Bellamy singt – hier waren wahre Sound-Fetischisten am Werk. Fairer Weise muss man aber sagen, dass Muse einen Hilfsmusiker auf der Bühne haben, der Keyboards und sonstige Synthesizer bedient.

Nach drei Liedern fahren die Türme herunter und Muse geben sich publikumsnäher. Matthew rennt von einer Bühnenseite zur anderen, wirft sich auf die Knie, springt wieder auf, singt und gibt zwischendurch noch den Gitarrenvirtuosen. Das Können und die Bühnenpräsenz dieses Menschen sind einfach unglaublich. Hauptsächlich werden Lieder von den neueren Alben gespielt wie „The Resistance“, „Map of the Problematique“, „Undisclosed Desires“ „Supermassive Black Hole“ aber zwischendurch schleicht sich dann auch mal ein älteres Stück in die Playlist, so wird „New Born“ zu einem der ersten Höhepunkte.

Aber Muse fahren alles auf, um den Abend um viele Höhepunkte zu bereichern: Es regnet Bälle von der Decke, Matthew reflektiert während eines Solos einen Scheinwerfer mittels einer verspiegelten Gitarre zurück ins Publikum und es gibt immer wieder Improvisationseinlagen, um die Show ein bisschen aufzulockern. Hier sei auch eine gelungene Bass-Schlagzeug-Improvisation von Dominic Howard und Christopher Wolstenholme erwähnt. Lobenswert ist vor allem, dass sie sich Live nicht vor den Dingen scheuen, die auf dem Album so nach Studioexperiment klangen. „United States of Eurasia“ wird einmalig gut dargeboten; natürlich werden die Streicher des Albums live durch besagten Mann an den Synthies ersetzt, aber es ist ein Fest zu hören, wie sie sich mit Matthews Piano ergänzen. Und selbst vor dem ersten Teil der Exogenisis-Trilogie wird nicht zurückgeschreckt; Matthew holt alles Pathos aus seiner Lunge, und als dann die E-Gitarre einsetzt, ist das Übrige getan, um dem Zuhörer eine Gänsehaut zu verleihen.

Das Outro des Abends wird von Christopher eingeleitet: Auf einer Mundharmonika spielt er die verlassenen Töne von „Spiel mir das Lied vom Tod“, und ein letztes Mal sei darauf hingewiesen, wie grandios der Sound ist: Man mag kurz denken, man stünde wirklich an der einsamen Bahnhaltestelle aus Leones Film. Und wie sicher jeder Muse-Fan schon denken konnte, wenn die Band ein Western-Stück covert, kann nur ein Lied folgen: „Knights of Cyndonia“. Das Publikum singt das Riff mit und tobt, was die geschundenen Körper noch hergeben, aber dann ist der Zauber auch leider schon vorbei. Für viele hätte es bestimmt noch lange so weitergehen können. Aber zurück bleibt zumindest die Gewissheit, dass Muse eine der momentan besten Live-Bands sind, vielleicht sogar die Beste?