Juli Zeh - Schilf
Alles was möglich ist geschieht! Sebastian ist der jüngste Physikprofessor Deutschlands und inzwischen bekannt für eine Weltsicht, die man „Viele-Welten-Theorie“ nennt. Ihre Anhänger glauben, dass jedes statistisch mögliche Ereignis auch stattfindet und dass die Welt, in der wir leben, somit lediglich eine von zig Milliarden real existenten Welten ist. Mit anderen Worten: Es gibt 6 Millionen Erden, auf denen der Mensch nicht existiert. Es gibt eine Welt, in der ich heute morgen Kaffee statt Tee getrunken habe. Mit jeder Entscheidung die wir treffen, verändern wir nicht den Lauf der Dinge, sondern entscheiden uns lediglich für eine von unendlich vielen Welten. Wenn man das weiß…ist es dann auch möglich zu wechseln? Und hat man noch Verantwortung für seine Entscheidungen?
Sebastian und Oskar kennen sich seit dem ersten Tag an der Uni. Für Oskar war Sebastian der erste Mensch, der auch 10 Minuten nach ihrem ersten Wortwechsel „noch nichts Einfältiges gesagt und kein einziges Mal töricht gelacht hatte“. Die beiden Physikstudenten werden Freunde, so eng, dass zwischen sie bald kein Blatt Papier mehr passt – und das buchstäblich. Die homoerotischen Szenen sind zu vielfältig als dass dies eine normale Männerfreundschaft sein könnte. Aber normal ist bei Sebastian und Oskar sowieso nicht drin. Sie lösen die schwierigsten Aufgaben in einer (gemeinsam Stirn an Stirn verbrachten) Nacht und sind ihren Kommilitonen um Lichtjahre voraus. Trotz ihrer Liebe zur Physik und zueinander wird eins immer wieder offensichtlich – Oskar ist überlegen. Nicht viel, nein, für den Laien ist dies nicht zu erkennen. Für Sebastian dagegen wird es immer klarer und da Oskar (wie ja schon die erste Begegnung der beiden zeigt) nicht gerade zu Bescheidenheit neigt, leidet Sebastian zunehmend. Doch dann geschieht das Unglaubliche: Sebastian lernt Maike kennen und verliebt sich in sie.
Die eigentliche Geschichte beginnt Jahre später. Maike und Sebastian haben einen kleinen Sohn, Liam, Sebastian ist der jüngste Physikproffessor Deutschlands, Oskar jedoch ist einer der besten Physiker der Welt. Beim CERN in Genf ist er mit der absoluten Spitzenforschung beschäftigt, nicht wenige halten ihn für den besten lebenden Physiker und Oskar selbst würde das wohl ähnlich sehen. Einmal im Monat besucht er Sebastian in Freiburg (ihrem alten Studienort und Sebastians Arbeitsplatz) um mit ihm und seiner Familie zu Abend zu essen. Dort diskutieren sie leidenschaftlich über die „Viele-Welten-Theorie“, über die Fachwelt und vieles andere. Oskar hält Sebastians Theorie für „Esoterik“, für kompletten Unsinn und zudem für gefährlich. Denn Sebastian braucht diese Theorie, braucht sie, da er immer wieder mit seiner Entscheidung für die Familie und damit gegen Oskar, gegen die Spitzenforschung hadert. In einer Parallelwelt ist er immer noch Oskars geistiger Zwilling, Physiker aus Leidenschaft, frei und ungebunden. Seine Entscheidung für die Familie ist somit auf Sand gebaut – er ist jederzeit bereit in dieses andere Leben zu wechseln. Und was will Oskar? Will er ihn zu einer Entscheidung bringen? Will er Sebastian für sich? Oder handelt es sich lediglich um eine wissenschaftliche Meinungsverschiedenheit zwischen zwei exzellenten Physikern?
All dies ist plötzlich nicht mehr wichtig, als Sebastian etwas Schreckliches zustößt: Sein ganzes Leben wird von einem auf den anderen Tag völlig auf den Kopf gestellt, sogar ein Mord scheint auf einmal machbar, wenn nicht notwendig. Hier kommt Kommissar Schilf ins Spiel, der dem Buch seinen Namen gibt und auch nicht ohne persönliche Leidenschaften und Gefühle in diesem Fall ermittelt. Wird es ihm gelingen, die Wahrheit ans Licht zu bringen? Oder entschlüsselt er gar die wahre Beschaffenheit von Raum und Zeit?
