THE INFORMANT!

THE INFORMANT!, so heißt also der neue Film von Steven Soderbergh, mit welchem er sich, wie eigentlich immer, wieder einmal neu erfinden möchte. Wie schon zuletzt bei der Verfilmung des Mythos um Che Guevara bedient er sich dabei einer realen Begebenheit; nämlich der Geschichte des Biochemikers Mark Whitacre und seines ehemaligen Arbeitgebers, dem Lebensmittelkonzern ADM.

Was mir schon im Vorhinein auffällt, mich irgendwie anzieht, mir aber auch suspekt ist: Die Art und Weise wie das Image des Films aufgebaut wird. Denn eigentlich basiert der Film ja auf einer „wahren“ Geschichte, die sich Mitte der 90er Jahre in den USA zugetragen hat. Der Film mitsamt seines Soundtracks kommt aber mit einer 70er Jahre Optik daher, was zusammen mit der Twitterästhetik und dem grellen Orange seiner Vermarktung eine seltsame, aber wie gesagt, schon auch reizvolle Mischung ergibt. Man überzeuge sich am Besten selbst mit einem Blick auf die offizielle Internetseite.
 
Nun aber zum Film an sich. Mark Whitacre ist der Informant, er wird gespielt von einem, man kann es nicht anders sagen, allgegenwärtigen Matt Damon. Nicht nur, dass dieser in beinahe jeder Szene zu sehen wäre; er fungiert auch als Erzähler aus dem Off, welcher den Zuschauer ständig mit scheinbar belanglosen Fakten versorgt. In einer sehr bezeichnenden – und gleichzeitig sehr unterhaltsamen – Szene begleitet man den verkabelten Informanten auf dem Weg in sein Büro, während dieser unaufgefordert jeden seiner Schritte kommentiert. Er kann seinen Mund eben nicht geschlossen lassen, was ihm später in Kombination mit einer weiteren Eigenschaft zum Verhängnis werden soll. Aber dazu später mehr.
 
Mark Whitacre ist einer von den Guten. Zumindest glaubt er dies von sich selbst, und auch als Zuschauer kann man dem schnauzbärtigen Unternehmer nicht wirklich etwas übel nehmen. Man sieht ihn zunächst als netten, etwas beleibten Kapitalisten, der nicht mehr vermag in anderen Kategorien als Gewinn und Verlust zu denken. Genüsslich erzählt er davon, wie er schon morgens in der Dusche Zeit spart, nämlich indem er, während die Pfelgespülung ins Haar einzieht, einfach etwas anderes macht. So einfach ist also sein Leben. Der Fortschritt ist hier Programm. Dabei schwankt Whitacre in seinen Aussagen stets zwischen Naivität und pragmatischer Intelligenz.
 
Auf dringliches Anraten seiner Frau entscheidet sich Whitacre dafür dem FBI als Informant behilflich zu sein, da er die unmoralischen Geschäftsmethoden (Preisabsprachen) seines Arbeitgebers nicht weiter vertreten kann. Er ist nun gezwungen ein Doppelleben zu führen, und das über drei Jahre. Zwar wirkt er stets unbeholfen, was natürlich einen unglaublich komischen Effekt hat, doch er schafft es schließlich seinen Geschäftspartnern die richtigen Worte zu entlocken. Jedoch kommen während des Prozesses gegen seine Firma auch einige Ungereimtheiten Whitacres ans Tageslicht.
 
Und nun steht man als Zuschauer ähnlich da wie das FBI. Denn eine objektive Erzählinstanz bietet der Film nicht, man muss sich auf die Worte Whitacres verlassen. Und dieser verstrickt sich tiefer und tiefer in seine Lügen, und umso eindeutiger diese Lügen zu Tatsachen werden, umso trauriger wird der Charakter des Mark Whitacre. Die naiven Gedanken über die man eben noch lachen musste, zum Beispiel, dass er meint, in den FBI-Agenten Freunde fürs Leben gefunden zu haben, scheinen nun wie die verhängnisvollen Gedanken eines pathologischen Lügners.
 
Was man von all dem zu halten hat bleibt einem selbst überlassen. In seiner Verwirrung ist der Film jedoch schwer aufzulösen, und daher funktioniert er als satirische Farce besser als als satirisches Drama.