Gerade mit einem Vampirfilm kommt der koreanische Regisseur Park Chan-wook, der einem am ehesten durch seinen zum Kultfilm avancierten OLDBOY bekannt sein dürfte, jetzt daher. Mitten hinein in diesen seltsamen Hype. Natürlich ist DURST auf ein anderes Publikum aus als eben Twilight oder seinesgleichen. Die Frage, was das Genre noch offen hält, und ein wenig polemisch-pathetisch formuliert, ob es noch zu retten ist, wäre allerdings noch zu klären.
Sehr grob lässt der Film sich in zwei Teile einteilen. Der Erste erzählt die Geschichte des Priesters Sang-hyeon, wie er sich zu Forschungszwecken mit einem tödlichen Virus infizieren lässt, und wie er schließlich zum Vampir wird. Man muss genau aufpassen, die Sequenzen sind kurz, die Cuts hart, es wird nur das Wesentliche erzählt, und es bleibt viel Raum, den man mit eigenen Gedanken ausfüllen muss. Andererseits hat man genau dafür keine Zeit, da der Film nun eben sehr schnell erzählt.
Der Film führt einem also vor Augen, dass er ein Film ist. Diese Selbstrefentialität kommt zu einem frühen Höhepunkt, wenn Sang-hyeon einen Eid in eine Videokamera sprechen muss. Die Sehanweisung steht ganz am Anfang der Geschichte. Jetzt kann die eigentliche Handlung kommen.
Aber noch einmal zurück zu Sang-hyeon. Indem er helfen will einen tödlichen Virus zu besiegen, lässt er sich mit diesem infizieren und opfert damit sein Leben einem höheren Zweck. Eine selbstlose Tat würde man so etwas nennen. Der große Zufall, der ihn rettet ist nun, dass er mit Vampirblut versorgt wird, welches ihm unglaubliche Kräfte verleiht. Die Geschichte beginnt also auch mit einem Paradoxon: Der Priester will zunächst den Menschen helfen und opfert sich, nun muss er, ohne dass er es gewollt hätte, Menschen töten, um am Leben zu bleiben. Der Vampirismus ist hier nur Mittel zum Zweck. Die Abstraktion beziehungsweise die Fiktion des Vampirwesen wird genutzt um über die großen philosophischen Fragen zu verhandeln: Gibt es so etwas wie Schicksal und den freien Willen.
Der zweite Teil des Films ist, wenn man so will, eine Liebesgeschichte. Sang-hyeon, der sich mittlerweile selbst aus dem Kloster verbannt hat, da die Versuchungen zu groß geworden sind, kommt bei der Familie eines alten Freundes unter. In seinem Heimatort ist er zu einer Art unfreiwilligem Popstar mutiert, da er der einzige Mensch ist, der den tödlichen Virus jemals überlebt hat. Er beginnt eine Affäre mit Tae-joo, der Freundin seines alten Freundes.
Und nun passiert etwas unvorhergesehenes. Der Film wird komisch. Er wird genau in dem Moment komisch, in dem sich Sang-hyeon verliebt. Dieser Sang-hyeon, der sich selbst als Vampir zu beherrschen wusste, verliert nun die Kontrolle – und genau das macht der Film auch. Zuerst meint man als Zuschauer noch, man hätte etwas nicht verstanden, und es wäre unangebracht zu lachen, da der Film bis hierhin doch allzu ernst war. Aber weit gefehlt. Diese tragische Komik wird der Film bis zu seinem Ende nicht mehr ablegen.
Die verzweifelte Liebe ist nun also jeglicher Antrieb für Sang-hyeon. In Persona Tae-joo. Diese vermag ihren schlechten Charakter nicht mehr zu verheimlichen, aber für Sang-hyeon ist es zu spät, er ist ihr (scheinbar) ausgeliefert. Aus der Liebe wird schließlich ein Kampf der Geschlechter. Und aus diesem Kampf entsteht für Sang-hyeon die Erkenntnis, die er schon zu Anfang hatte. Der einzige Ausweg ist die erneute Selbsaufgabe.
Aber einmal ganz abgesehen von diesen vielen philosophischen und theologischen Bedeutungsebenen schafft der Regisseur Park Chan-wook vor allem einen Film, der durch seine Visualität überzeugt. Wohl nicht umsonst gewann er bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes den Preis der Jury, und setzte sich dabei unter anderem gegen den thematisch eng verwandten und hochgelobten ANTICHRIST durch.