Als ich gestern Morgen vor die Tür trat, war es verhältnismäßig kalt. Die Sonne schien. Und während in sich zusammengekauerte Blätter vom Wind über den Asphalt gescheucht wurden, machten mir das kräftige Blau des Himmels und die kühle, klare Luft deutlich: es wird langsam Herbst.
Blöd nur, dass Noah and the Whale dieser Tage mit einem Album um die Ecke kommen, das den Namen „First Days Of Spring“ trägt. Aber: das macht eigentlich gar nichts, denn die 12 Stücke – und hier schließt sich der Kreis bezüglich der doch etwas kruden Einleitung – fügen sich perfekt in diesen wettertechnischen Umbruch, den ich dieser Tage ganz deutlich verspürt habe. Dieses Album und der Herbst gehören – Name hin oder her - zusammen! „First Days of Spring“ – Intro und Titeltrack zugleich – schwebt mit Geigen, verhaltener E-Gitarre und fernen Toms - einem Laubblatt gleich - durch die Boxen und „Our Window“ fegt dezent, fast seicht umher - wie die willkürliche Melodie eines Windspieles, welches über den Tag hinweg immer mal wieder behutsam angestupst wird.
Auch aus Songwritingsicht ist „First Days of Spring“ eine kleine Großartigkeit. Wenn Charlie Fink mit dem Timbre eines gebrochenen Mannes Zeilen wie „My heart is broken and there’s nothing you can do“ ins Mikrofon seufzt - nicht ohne gegen Ende des Albums flehentlich zu versichern, dass seine Tür für die Verflossene dennoch immer offenstehe - kann einem schon etwas anders in der Magengegend werden.
Zusammengehalten werden die melancholischen Melodien von Instrumentalen, welche von Struktur und Aufbau an ausgeklügelte Kleinkunstwerke von Bands wie Explosions In The Sky erinnern - mit dem Unterschied, dass Noah and the Whale ihre Kompositionen um charmante Fiedelstreiche aus dem Folkbereich („My Broken Heart“), bescheidene Countrylicks („My Door Is Always Open“) oder leichte Dissonanz auf den behutsamen Klavierakkorden bereichern. All das wird dabei von einer sanften Schwermütigkeit umgeben, wie ich sie zuletzt wohl auf einer iLiKETRAiNS-Platte vernommen habe.
Fest steht: Noah and the Whale haben auf „First Days of Spring“ wahrlich Hymnen für die erhabene Traurigkeit kreiert. Und ob nun die letzten Tage des Sommers, die ersten des Herbstes oder „First Days of Spring“: das Album ist eines der besten, welches ich in diesem Jahr bis dato gehört habe. Kaufen und Spazierengehen, bitte.
Kommentare
Schön!
Da habe ich direkt Lust, mir dieses Album anzuhören.