c/o pop 2009 in Köln - Amanda Blank, Frittenbude und Paul Kalkbrenner

 
Die c/o pop hatte, wie vielerorts nachzulesen war, so einiges an Kuriositäten zu bieten. An allererster Stelle wäre da Patrick Wolfs Ausraster am Donnerstagabend zu nennen. Den haben wir nicht mitbekommen. Doch wir waren auch vor Ort an diesem Wochenende - mit Abstrichen. Was sich allerdings zwischen dem Freitagabend in den Odonien, der anschließenden Pascha-Taxi-Rush-Hour und dem geschmeidigen Ausklingen mit Paul Kalbrenner so abgespielt hat, hat Jan mal in aller Deutlichkeit herausgestellt.

Wir von Lachsauge haben ja das Glück zum Größtenteil in und um Köln – soll heißen: Bonn – zu wohnen. Bei so einer Veranstaltung wie der c/o pop erweist sich das seit jeher als großer Vorteil. Für das Wochenende mussten wir dann wegen anderer Verpflichtungen aber doch Abstriche bezüglich der Teilnahme an den abendlichen Konzerten rund um die Panels am Schauspielhaus machen. Wir entschieden uns dafür, am Freitag einen kleinen Redaktionsausflug in die Kölner Odonien zu unternehmen, um die Hipster-Queen Amanda Blank so wie die Electro-Mosher Frittenbude aus den südlichen Gefilden mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ich habe bis dato noch kein Konzert mit einer Open Air-Vorführung der eher mäßig erfolgreichen „Ludolfs“-Verfilmung begonnen. Aber wie man sich da so mit einem Bier auf den mit Sicherheit von allerlei Ungeziefer bewohnten Kinosesseln lümmelt und den Schrottgeschwistern bei ihrem Roadtrip durch die Republik in Richtung Toscana zusieht, hat das schon etwas Schönes.

Danach bekommen wir Pep angeboten und werden vom frankophilen Klomann mit allerlei Absurditäten vollgequatscht. Irgendwann ist es dann 1 Uhr und vorbei an den im Internet schon gepriesenen Heimtrainer-Exponaten geht es zum Ort des Geschehens. Und, nun, wir werden enttäuscht. Es ist a) rammelvoll, was bei einem solch kleinen Konzert ja keine Seltenheit ist, b) ist es aber vor allem die Künstlerin selbst, die zu unserem flauen Gefühl in der Magengegend beiträgt: Halbplayback, etwas inspirationsloses Herumgehampel und scheinbar provokante Geständnisse wie „I lost my virginity in Germany!“ lassen die beiden DJ’s im Hintergrund fast interessanter wirken als das kleine Gör, welches mit der derben Note des eigenen Œuvre etwas überfordert zu sein scheint.

Glücklicherweise betreten kurz danach Frittenbude die Bühne. Vermutlich war ich schon zu betrunken um die gebetsmühlenartigen „Fuck Audiolith“-Mantras zu verstehen. Egal. Als zweiter Song wird gleich „Mindestens in 1000 Jahren“ angeteased und zu diesem Zeitpunkt ist schon mehr los, als bei Amanda Blanks vermeintlicher Entjungferung auf deutsch. Der Wahnsinn geht dann mit „Pandabär“ und allerlei hippen Songs weiter - Ich kann es nur immer wieder betonen. Frittenbude sind Raverüpel. Oder besser: Mediengruppe Telekommander auf der Höhe der Zeit, ohne eklige Beastie Boys-Reminiszenzen - Elektroficke eben. Mit der Egotronic-Hommage „Raven gegen Deutschland“ und der ureigenen Version von Kettcars "Graceland" wird das zum Ende noch einmal deutlich unter Beweis gestellt.
CSS sind dann irgendwie nicht da und als Ausgleich legen noch ein paar weniger talentierte Seratojünger auf, während die Drahtskelette der Dinosaurier stumm über die letzten Feierwütigen wachen. Eine brennende Mülltonne wird beständig mit Holzscheiten gefüttert. Wir stolpern in den Morgen, während vor dem Pascha gerade die Taxi-Rush Hour beginnt. Jedem das seine – nur keine Amanda Blank mehr für uns. Soviel steht fest.

Am Sonntag geht es dann so weiter, wie es Freitag aufgehört hat. Mit Sonnenstrahlen und Alkohol. Nach entspannter Rumhängerei am Rheinufer begeben wir uns langsam in Richtung der PollerWiesen. Dort angekommen wird schnell klar: hier stimmt etwas nicht. Denn zwischen Marlboro-Promostand und Rheinstrand treffen hier Welten aufeinander: Menschen, die noch im Ansatz popmusikalisches Verständnis mit sich bringen blicken hier der bitteren Realität ins Auge.

Soll heißen: Sternchentattoos auf Knöcheln sind hier ebenso legitim wie „Pornobrillen“, oder halbnackte, durch McFit-Abos gestählte Oberkörper. Außerdem mit dabei: Zeigefingereinsatz, eine erschreckend hohe Quote der Farbe lila im Bereich Frauenoberteile sowie Red Bull als Grundnahrungsmittel. Plus: es riecht auf dem Gelände stellenweise nach einer kruden Mischung aus Jean Paul Gaultier-Parfüm und Hundescheiße, was wohl eher kein Zufall ist.

Blendet man die Housejünger für einen Moment aus, ist es aber mehr als erträglich auf den PollerWiesen. Ricardo Villalobos ist Vater geworden und so ist es mehr als verständlich, dass der Gute gerade lieber bei Nachwuchs und Frau den Papa gibt, als knapp 5000 Leute mit seinem Backkatalog zu beschallen.

Cassy, Adam Beyer, Raresh und Shumi - welche im Vorhinein für Hintergrundmusik sorgen sind nicht gerade spannend. Das wird es dann aber, als Paul Kalkbrenner ans Pult tritt. Kippe im Mundwinkel, blaues Shirt und dasselbe lausbübische Grinsen, welches der gute Mann auch in „Berlin Calling“ auf den Lippen spazieren trägt, lassen keine Zweifel. Ich bin etwas skeptisch, als die dritte Nummer gleich „Sky and Sand“ ist. Aber so, wie die Augustsonne langsam hinter den Wipfel verschwindet, die Nebelmaschine dampfende Fabelwesen über die Menge pustet und auf einmal alle irgendwie doch gleich aussehen, meint man fast noch das Rauschen des Rheines und den knirschenden Sand unter seinen Füßen zu spüren - der wahrscheinlich größte Moment an diesem Abend. Das Programm zwischen den ganz großen Nummern ist aber auch weise gewählt und beinhaltet gegen Ende neben „Aaron“ auch noch den Remix zu 2Raumswohnungs „Wir werden sehen“.

Und was wir gesehen haben? Schönes Veranstaltungen im Rahmen der c/o pop – bis zum nächsten Jahr.

Kommentare

vassap?

sehr schöner bericht!
bin froh das ich nicht dabei war, aber liest sich spitze.