The xx sind die Band der Stunde. Von allen großen, meinungsmachenden Popinstitutionen mit dem Auftrag gesegnet, 2009 mal so richtig für Wirbel zu sorgen, schmeißen die vier Damen und Herren jetzt ihr Debüt "xx" auf den Markt. Mal wieder "next big thing" oder nicht? Unser Mann mit der Schwäche für schnelllebiges Trendgeballer, Jan Wehn, weiß mehr...
Man muss sich das einfach mal auf der Zunge zergehen lassen: Wie zur Hölle können vier junge Briten ihr Album folgendermaßen beginnen lassen? Wabernde Synthieflächen der Marke New Wave, welche sich, umgeben von epochalen Trommelschlägen, sanft unters ausgeklügelte Tapping kuscheln – und das ist nur das Intro. Eigentlich fast unverschämt, als zweiten Song direkt solch eine Nummer wie „Vcr“ folgen zu lassen.
Denn wenn Romy Madley Croft und Oliver Sim so simple Szenarien wie “Watch things on VCR's / with me and talk about big love. / I think we're superstars. / You say, you think we are the best thing” ins Mikrofon hauchen werden einem schon mal die Knie weich. Hier mutieren kleine Worte zu großen Gefühlen, scheinbar banale Momentaufnahmen zum Dreh- und Angelpunkt im Jetzt und Hier. Klingt kitschig? Nö, wer Zeilen wie „Please teach me gently how to breathe.“ behutsam in die Ohrmuschel gelegt bekommt, wird mir beipflichten. In Kombination mit dem sympathischen Frage-Antwort-Gesang von Romy und Oliver kreieren hier wirklich ganz besondere Momente im schnellen 2009er-Sommer.
Unabhängig von der erstaunlichen Reife der Lyrics, beeindruckt auch die Selbstverständlichkeit, mit welcher die Mädels und Jungs ihre Stücke zu hochkomplexen Arrangements mit dem richtigen Sinn für das Mehr und das Weniger auskleiden. Jedes Delay auf der zweiten Gitarre, jeder Impuls der Drum, sind wohl gewählt und zeugen von einem musikalischen Verständnis, für das sich manche Band dieser Tage wohl von halbseidenen Produzententeams unter die Arme greifen lassen muss. Das mit unermüdlichem Basslauf gesegnete „Crystalized“ steht der Single „Basic Space“ dabei in nichts nach.
Abgeklärte Musikfans ohne den Willen, der jungen Band eine Chance zu geben, würden die vier Jungspunde vielleicht als Shoegaze-Schussel mit Affinität zu The Cure oder Velvet Underground bezeichnen. Dabei ist es gerade die erstaunliche Reife – sei es musikalisch oder textlich – die The xx zu dem machen was sie sind: einer guten Band, auf deren Schultern in diesem Jahr einige Hoffnungen lasten.