Passion Pit - Manners

Es ist doch immer dasselbe: Wer holt sich im Laufe des Jahres die Krone als frischster Neukömmling in einer sich täglich neu erfindenden, bunten Popwelt aus Back-in-the-days-Reminiszenzen und möglichst innovativer Neuerfindung des Genres. Im letzten Jahr waren es für viele vielleicht Andrew VanWyngarden und Ben Goldwasser alias MGMT. 2009 haben Passion Pit mit ihrem Debüt "Manners" recht gute Chancen, findet Jan Wehn.

Als kleine Trendhure steht man eigentlich täglich, meist eher monatlich, mit Sicherheit aber einmal im Jahr vor der großen Frage: Wer wird das nächste große Ding? Nun, im letzten Jahr haben mir die Psychedeliapopper vom MGMT ein schönes Frühjahr und einen unvergesslichen Sommer beschert. Keine Frage: Andrew VanWyngarden und Ben Goldwasser hatten mit ihrem zweiten Album „Oracular Spectacular“ einen großen Hype und mit „Kids“ sowie „Time To Pretend“ noch größere Pophymnen kreiert - für mich die Band aus 2008. Für einen kurzen Moment war ich auch gewillt, diesen Satz unter die LP des Indieglamrock-Duos Empire of the Sun zu setzen. Rückblickend betrachtet besaß „Walking On A Dream“ aber irgendwie nicht genug Potential, um auch über mehrere Monate – und sei es im Remixformat - Clubs und Blogs zu regieren.

Bei Passion Pit ist das anders. Als vor wenigen Wochen das Video zur Vorabsingle auf unzähligen Blogs die Runde machte, war klar: das ist anders. Das Video: scharfgestochene Vimeo-Ästhetik und erfrischende Designkünste ambitionierter Kunsthochschulabsolventen der jüngsten Generation. Die Musik: zerhackstückelte Stakkatosynthies, ein Drumset mit Jamcharakter und diese ach-so sorglose Kopfstimme. Die Symbiose unter dem Arbeitstitel „The Reeling“ kreierte für viele einen ganz besonderen Moment voller Frühlingsgefühle und Unbeschwertheit.

Der Einfluss von Produzent Chris Zane ist „Manners“ dabei durchaus anzuhören. Den Einfluss, den Zane auf The Walkmen hat, klingt auch auf manchen Passion Pit-Songs durch. Das indieesque „Moth’s Wing“ darf zum Beispiel durchaus – ohne hier allzu große Blasphemie zu betreiben –als Sampling-Hommage an die Musik der 60er gesehen und gehört werden. „Swimming In The Flood“ übernimmt den ausgleichenden Slowtempoparrt des Albums und „Sleepyhead“ versprüht bis ins hinterletzte Sechzehntel Chipmunk-Charme, während „Little Secrets“ mit „The Reeling“ um den ersten Platz des albuminternen Rankings kämpft. Und gibt es bitte einen genialeren Songtitel als „Seaweed Song“?

Was Michael Angelakos und seine Band hier abliefern ist passgenauer Sound für Zwoneun: nicht zu dick aufgetragen und auch nicht zu minimalistisch. „Manners“ ist – um dann doch mal eine Referenz zum tagesaktuellen Popmusikgeschehen zu ziehen - La Roux ohne eklige Eighties-Referenzen und Empire of the Sun ohne aufgesetzte Gayness – und trifft somit genau den Nerv der Zeit. Die ersten Songs nahm Michael Angelakos übrigens noch ganz allein und als Valentinstagsgeschenk für seine Freundin auf. Aus Passion Pit ist mittlerweile eine fünfköpfige Band, aus der „Chunk Change“-EP ein großes Album und aus unfassbar guter Musik noch bessere geworden. Tipp!