Dave Matthews Band - Big Whiskey And The GrooGrux King

Fans von Dave Matthews Band müssen immer bedauern, dass ihre Lieblinge in Deutschland trotz zwanzig-jährigen Bandbestehens noch nicht bekannt sind, wobei sie doch in Amerika schon lang Erfolge feiern. Und es ist auch wirklich zu bedauern, dass gerade diese Band hier so unbeachtet bleibt, wo wir doch sonst jeden Schrott von den Amerikanern importieren oder – in den ganz schlimmen Fällen – auf Haar sträubende Weise kopieren. Aber auch das neue Album, „Big Whiskey And The GrooGrux King“, lässt keinen Grund erkennen, warum die Band hier so unbekannt ist.

Mit „Grux“, einer kleinen Jazznummer auf einem Saxophon wird das Album eröffnet; und für alle, die die Band noch nicht kennen: Ja, wenn ich sage Jazz, dann meine ich auch Jazz und nicht nur den Versuch, durch ein paar Töne aus einem Saxophon jazzig zu klingen. Dave Matthews Band hat einen festen Saxophonist im Gepäck, der für mehr als lustiges Gedudel im Hintergrund gebraucht wird. Bei „Shake Me Like A Monkey“ wird klar, was ich meine: Während andere Rockbands bei einer ähnlichen Nummer Bläser nur in den Hintergrund gesetzt hätten, um alles ein wenig voller klingen zu lassen, sind die Bläser hier im Vordergrund und tragen das Lied mit einer effektvollen Begleitung.

Aber nach so vielen Worten über das Saxophon, erstmal etwas Allgemeines. Das Fundament der Band ist erdiger Rock mit griffigen Riffs, druckvollen Drums und einer leicht rauchigen Stimme. Aber gerade in den Genre übergreifenden Momenten vollzieht sich ein kleines musikalisches Wunder; denn wenn diese Band mal bei Jazz, Groove oder Country etwas entlehnt, dann geschieht das nicht bemüht avantgardistisch sondern fügt sich zu einem stimmigen Gesamtbild.

Dies scheint nur möglich, weil die fünf Bandmitglieder, Dave Matthews (Gesang und Gitarre), Boyd Tinsley (Violine), Carter Beauford (Drums), Stefan Lessard (Bass) und der verstorbene LeRoi Moore (Saxophon) vertreten durch Jeff Coffin, alle wahre Könner in ihren Gefilden sind und deswegen mal epischen Rock wie in „Squirm“, mal eine Country-Nummer mit wilden Jam-Parts wie „Alligator Pie“ bieten können. Wie abwechslungsreich dazu die Stimme des Sängers ist zeigt sich in „Time Bomb“, wo sie anfangs zärtlich haucht und am Ende nach bester Hard-Rock-Manier kreischt.

Die Texte sind mal romantisch, mal philosophisch, mal schlüpfrig aber bildlich immer treffend und einprägsam. „You will rest your head, your strength once saving/ And when you wake you will fly away/ holding tight to the legs of all your angels/ Goodbye my love, into your blue, blue eyes” lauten einige Verse aus „Baby Blue“.

Am Ende bleibt festzuhalten, dass Dave Matthews Band ein Album bietet, das keinen Fan enttäuschen dürfte, was nach dem Tod des Saxophonisten endlich eine erfreuliche Nachricht ist. Für diejenigen, denen die Band noch unbekannt ist, bietet sich hier die Möglichkeit aus dem recht mittelmäßigen Rockjahr 2009 auszubrechen. Diese Chance sollte nicht ungenutzt bleiben.