Phoenix - Wolfgang Amadeus Phoenix

Der Trend kommt aus Versailles. Aus der Ablehnung des immernoch andauernden Monarchenpomps des Städtchens Versailles geht eine der großen französischen Bands hervor. Als Phoenix 2000 ihr Debüt “United” aufnahmen, war man von dem Mash-Up aus Funk und Indie-Pop begeistert, dessen unsystematische Zusammensetzung eine fehlende Dramaturgie evozierte, die gerade bemerkenswert war. Doch da war noch etwas in diesem neuen Sound versteckt, das spätestens mit Bekanntwerdung der Einflüsse der Franzosen klar wurde: subtil, aber hörbar war die Musik des Quartetts von der Dance-Musik Daft Punks und den warmen Elektrokompositionen Airs inspiriert. Dieser bis heute einzigartige Klang und der unvermeidlich französische Akzent Thomas Mars' waren völlig neu und reihte sich sofort in die Riege zeitgenösischer Popmusik.

Auf “Alphabetical” wurde der Sound etwas steriler und elektronischer und es trat so etwas wie Ordnung in die Tracklist. “It's Never Been Like That” war dann ein Schnellschuss; rau, schnell und für Phoenix-Verhältnisse recht hart. Alle drei Alben von ähnlicher Qualität, so dass jeder seine eigene Lieblingsplatte wählen kann.

“Wolfgang Amadeus Phoenix” versteckt hinter seinem großen und überraschend-frechen Titel zwar große, aber wenig überraschende Popsongs. Man nahm sich mal wieder etwas mehr Zeit als für den Vorgänger und werkelte mit Cassius-Kopf Zdar an den Einzelteilen der Songs ab. Ein Wehrmeutstropfen: der Gesang rückt ungewöhnlich stark in den Hintergrund, die Kompositionen, die dem Stile der Franzosen durchaus Treu bleibt, überdecken diesen gewollten Fehlschuss jedoch und kompensieren ihn weitestgehend. Zumal, so Mars, durch das Mischen des Gesangs in den Hintergrund, eine Art Phantasiesprache impliziert wird, die dem Hörer eine gewisse kreative Freiheit lässt. Man könnte sagen, er ziehe die Form dem Inhalt vor, doch da widerspricht er. Es gab zu viel zu sagen und so lässt er dem Hörer die Möglichkeit zur textreuen Wahrnehmung oder eben einer vollkommen eigenen.

Legen wir den Fokus also auf die Musik. Die Dramaturgie des Albums wird mal wieder gebrochen. Diesmal jedoch auf recht unkonventionelle Art. Während auf den Opener “Lisztomania” zwei lupenreine Popsongs folgen, wird der Rhytmus, den die Platte damit langsam aufnimmt, durch das zweiteiliges Instrumental-Epos (...) unterbrochen. Die Qualität dieser sphärischen Spielerei, die nahezu ohne Gesang auskommt, nicht schmälernd, nimmt die Platte nachher erst schleppend Fahrt auf. Doch auch dieser Umstand, diese nach eigener Logik kredenzte Dramaturgie, ist gewollt und soll den aus der Rahmen fallenden Songkomplex mit in das Album einbeziehen. Klar, am Ende des Albums wäre ein Mangel an Aufmerksamkeit vermutlich genug Grund diesen Fremdkörper wegzuskippen. Verständlich also, dass hier mal wieder, ganz im Sinne der Musik, mit den musikalisch-ästhetischen Vorgaben gebrochen wurde. Das macht Sinn.

“Wolfgang Amadeus Phoenix” ist ein großer Titel für ein mittelgroßes Album. Es steht nicht im Schatten seiner Vorgänger, tritt aber auch nicht entscheidend hinaus, um es auf auf die Schnelle “United” oder “Alphabetical” vorzuziehen. Da heißt es wohl wieder: abwarten und Tee trinken. Denn auch die Vorgänger zündeten nicht sofort. Erst mit Remixen, Discman/i-Pod-Erlebnissen und persönliche aufgeladenen Momenten wurde die jeweilige Platte zu etwas indiviuell besonderem. Es gibt zumindest keinen Grund, dass das Selbe nicht auch mit dem vierten Album passieren wird. Und bei einer Band wie Phoenix ist das immernoch ein sehr großes Kompliment an ihr Schaffen.