METALLICA!!!
Ich bin erst vor kurzem aufgewacht und höre noch immer, wie die Menge diesen Namen schreit. Die Jungs haben gestern in Köln gespielt und sind wohl daran schuld, dass bei mir immer noch alles wie durch Watte klingt; abgesehen davon, dass meine Waden vom Springen und meine Arme vom (unfreiwilligen) Pogen schmerzen. Aber man geht ja auch nicht auf ein Metallica-Konzert, um Feuerzeuge in die Luft zu halten.
Nun aber von Anfang an: Mein Konzertpartner und ich hatten gestern keine großen Ambitionen, weit vorne zu stehen, und schlendern deswegen erst in die Arena, als die erste Band, The Sword, schon spielen. Da die Bühne in der Mitte der Halle aufgebaut ist, und die pogenden Massen viel Platz zum Durchgehen schaffen, sind wir nach wenigen Minuten in der ersten Reihe. Unglaublich, da tauch ich Jahre lang Stunden vor den Konzerten auf, um einen Platz einigermaßen weit vorne zu kriegen, und nun, wo ich mir gar keine Mühe gebe, stehe ich in der ersten Reihe.
Die zweite Überraschung folgt direkt: Plötzlich erscheint Lars Ulrich auf der Bühne und spielt mit The Sword ein Lied. Wo gibt es denn so was? Ich dachte immer Metallica wären recht einbebildet und wollten mit ihren Vorbands nichts zu tun haben. Nach der schnellsten Umbaupause meiner ganzen Konzerterfahrung kommen dann Machine Head, die vom Publikum für eine Vorband verdammt gut gefeiert werden. Überall hört man Chöre die „Machine Fucking Head!!!“ grölen. Irgendwie gefällt mir der Rhythmus; deswegen gröle ich mit. Jetzt kommt James Hetfield auf die Bühne und spielt ein bisschen mit Machine Head. Hier geht ja alles drunter und drüber.
Die nächste Umbaupause ist dann doch ein bisschen länger; aber nun soll ja auch der Main-Act kommen. „Extacy of Gold“ erklingt unterstützt von einer netten Lasershow. Dann erscheinen Metallica und hauen einem „This was just your Life“ um die Ohren. Die Menge rastet völlig aus, und ich halte mich an dem Wellenbrecher fest, um nicht meinen geilen Platz in der ersten Reihe zu verlieren. Denn der lohnt sich wirklich. Ich kann zum Beispiel Kirk Hammet bei seinen Soli mal genau auf die Finger gucken. Fazit: Der Mann ist immer noch verdammt gut.
Begeistert bin ich auch von der zentralen Bühne. Das Schlagzeug von Lars Ulrich dreht sich von Zeit zu Zeit, so dass man den Drummer mal von allen Seiten sehen kann – wobei mit die Perspektive von Hinten am besten gefällt; hier kann man nämlich sein Spiel genau beobachten. Die riesigen Särge mit integrierten Scheinwerfern an der Decke werden ab und zu herunter gelassen und beugen sich dann direkt über das Publikum. Das alles macht schon eine gelungene Show.
Besonders bei der unglaublichen Bühnenpräsenz, die diese Band hat. Insgesamt acht Mikrophone sind es, glaube ich, die es der Band ermöglichen, mal in jede Richtung der Arena zu singen. Die Lieder decken eigentlich von allem etwas ab. Es gibt „Enter Sandman“, „Master of Puppets“, „Die, die my Darling“ und viel vom neuen Album. Nur „St. Anger“ wird komplett ignoriert.
Aber eine Sache muss man dann doch bemängeln: der Sound ist einfach zu laut. Nicht das ich Angst um meine Ohren habe, aber bei schnelleren Riffs übersteuern die Boxen einfach zu sehr, und es ist unmöglich einzelne Töne zu hören – alles klingt wie ein Sound-Brei. Manchmal ist der Sound so schlecht, dass man James Hetfields Stimme fast gar nicht mehr hört; stattdessen des unangenehme Knirschen von Boxen, die übersteuern. Wirklich ärgerlich.
Natürlich gibt es auch wieder ein bisschen Pyrotechnik zu bewundern. Es sind zwar diesmal keine Explosionen zu sehen, aber wenn einem die Hitze von meterhohen Stichflammen entgegenkommt, staunt man auch nicht schlecht. Dann steht das letzte Lied an. James Hetfield fordert uns auf, „our last bit of energy“ zu geben, und kündigt dann das klassische Schlusslied „Seek and Destroy“ an. Die Nummer fetzt ordentlich, und hier stimmt auch der Sound hundertprozentig. Dann nehmen sich Metallica noch mal ordentlich Zeit, um sich von den Fans zu verabschieden, und das Konzert ist zu Ende. Über zwei Stunden Metal haben uns alle als schwitzende, schwerhörige Menge zurückgelassen. Aber genau deswegen geht man ja auf ein Metallica-Konzert.