The Whitest Boy Alive, Zakk - Düsseldorf, 9. April
Vor einem guten Jahr habe ich ihn das letzte Mal gesehen. Und damals war er schon genauso schlaksig, aufgedreht und stets gut gelaunt wie heute. Die Rede ist natürlich von Erlend Oye und im selben Zug von seiner Band THE WHITEST BOY ALIVE.
Der Konzertsaal des Düsseldorfer ZAKKs ist ungefähr so lang wie er breit ist, dazu ist die Veranstaltung restlos ausverkauft. Platz zum Atmen bleibt trotz alledem und man möchte fast sagen, quadratisch, praktisch, gut. Die Vorband THE NEW WINE aus Norwegen (Lokalpatriotismus und Vorbands gehören schon immer zusammen) klingt zum Verwechseln ähnlich nach dem main act; zumindest bis zum ersten Mal der Gesang zu hören ist und man diese sanft-beruhigende Stimme vermisst. Nicht, dass THE NEW WINE schlecht wären, aber es fehlt an einem Aufhänger, an irgendetwas, dass sie aus der Masse der „unabhängigen“ Elektropoper herausheben würde. Gefeiert werden sie, natürlich im Verhältnis zur durchschnittlichen Begeisterung die eine Vorband auszulösen vermag, trotzdem, denn die Menge ist in so freudiger Erwartung auf THE WHITEST BOY ALIVE, die sich wohl aufgrund Erlends anderweitiger Umtriebigkeiten nur allzu selten zu Konzerten außerhalb Berlins hinreißen lassen, dass jegliche Kritikfähigkeit ausgeblendet ist. It’s all about gude Laune.
Hinter ihr die gezeichnete Menschenmenge Geoff McFetridges (im gewohnten Stil der beiden Alben), vor ihr die echte, lebende, feiernde Masse, steht sie dann plötzlich da, die Band des Abends. Wie auf RULES geht es los mit Keep A Secret. An der Gitarre wirkt Erlend hochkonzentriert und verspielt sich anfangs einige Male leicht, doch es fällt kaum auf und sowieso ist es viel mehr sein Gesang, der stimmt und zählt. Wie zu erwarten erhalten die „alten“ Songs der Platte DREAMS einen elektronischen Touch. Keyboarder und Mann fürs Elektronische Daniel Nentwig ist ein fester Bestandteil der Band (geworden).
Beim schönen Song Burning tauschen die vier, scheinbar wirklich spontan, die Instrumente, was der Musik keinen Abbruch, der Stimmung jedoch nochmals eine Aufwertung verleiht. Auf der Bühne sieht man teils amüsierte, teils verwunderte Gesichter, aufgrund dieser Tauschaktion. Man selbst kommt ums Schmunzeln nicht herum und denkt, wie irre sympathisch diese Menschen doch sind. Elektronisch-tanzbar wird das Konzert fortgeführt, Songs wie Inflation oder Fireworks sind nur noch Verwandte ihrer Albumversionen, aber das macht nichts, ganz im Gegenteil.
Nach den Rufen nach einer Zugabe ist man zunächst erstaunt, dass man THE NEW WINE wieder auf der Bühne sieht. Doch irgendwie passt es ins Bild des Abends. Nach einigen Akkorden kommen dann die weißen Jungs dazu und gemeinsam stimmt man in eine Version von Golden Cage ein, die sehr stark an den Fred Falke Remix erinnert. Der Höhepunkt des Konzerts. Die Gäste tanzen, die Bühne tanzt, alles tanzt. Danach ist Erlando mehr Frontmann denn je. Er lässt sich auf der Bühne feiern, nimmt seine Brille ab, springt in die Menge um durch die ganze Halle zu laufen und jedem einmal persönlich die Hand zu schütteln oder auf den Fuß zu treten.
Am Ende des Konzerts kündigt er an, es werde eine Aftershowparty geben (Anm. des Autors: auf der er selbst den größten Spaß haben wird). Doch diese endet leider schon um 24.00, es ist Karfreitag. An diesem Abend vernahm ich aus diversen Mündern den Ausdruck Nazichristen.
