Heimkino

Filme 2010. Der persönliche Jahresrückblick.

Also, Christoph und Max haben sich das so gedacht: Der eine, Christoph, abstrahiert fünf Filme des Jahres 2010 aus dem „Sumpf“ der Kinolandschaft, und der andere, Max, greift sich fünf Filme, die zwar nicht neu erschienen, ihm aber trotzdem im vergangenen Jahr im Gedächtnis geblieben sind. Es ist nichts anderes als die ewige, elende Frage: Was besser ist, das Neue, oder das Alte. Von Christoph Büttner und Max Link

Byte.fm: Blog & Roll - Alter Fisch im neuen Gewand

Lange Zeit stagnierte es hier. Im Hintergrund jedoch brodelte es. Zum einen haben wir für byte.fm ein Mixtape für die Sendereihe 'Blog&Roll' zusammengestellt, das heute Abend um 23 Uhr 'On Air' sein wird. Den Fragebogen und einen kleinen, aber feinen Artikel über uns gibt es hier.
 

Novemberkind

20 Jahre Wiedervereinigung sind gefeiert, „Good Bye Lenin" einmal mehr durch das Abendprogramm gelaufen und zahlreiche TV-Produktionen zum Thema ausgestrahlt. Doch aus dem „Einheitsbrei" sticht ein kaum beachteter Film heraus, der im Zuge der Wiedervereinigungswelle jetzt endlich auch den Weg auf die DVD-Scheibe gefunden hat: Christian Schwochows „Novemberkind". Ein außergewöhnlicher Film über ein Stück deutsche Geschichte, der keine Ost-West Stigmatisierung, Spreewaldgurken oder kitschige Mauerfallstories braucht.

Sommer vorm Balkon

 
Die Freundinnen Katrin und Nike wohnen beide in einem alten Berliner Mietshaus. Und bei der ein oder andere Flasche Wein, oder auch weniger romantisch, aber pragmatisch: bei dem ein oder anderen Glas Wodka-Cola, philosophieren beide über das Leben und ihre ganz persönlichen Hindernisse, die sich ihnen in den Weg stellen. Das ist mal heiter, mal tragisch, mal urkomisch und ironisch.

Im Lauf der Zeit

Mitte der Siebziger ist Wim Wenders’ Deutschland grau. An der damalig deutsch-deutschen Grenze entwickelt sich trotz alledem eine poetische Männerfreundschaft. Doch wie das Land hat auch die Freundschaft ihre Grenzen. Dorthin führt Wenders' Roadmovie, an jegliche Grenzen.

Todo Sobre Mi Madre (Alles Über Meine Mutter)

„Was schreibst du?“ fragt ihn seine Mutter. „Nada.“, antwortet er. Doch in Wirklichkeit schrieb er TODO SOBRE MI MADRE - Alles über meine Mutter. Ihm, Estaban, ist es nicht peinlich, er will seine Mutter Manuela viel mehr damit überraschen. Sowieso scheint ihm gar nichts peinlich zu sein, er lebt fernab jeglicher pubertärer Klischees. Den Abend seines 17. Geburtstags verbringt er mit seiner Mutter und seinem Notizbuch. Der Film läuft nicht einmal fünf Minuten, doch als Zuschauer weiß man bereits jetzt: Dies sind die beiden Dinge in seinem Leben, die er am Wenigsten missen möchte.

Broken Flowers

Für Don Johnston sind die besten Zeiten vorbei. Er sitzt auf seinem schicken roten Ledersofa in einem schwarzen Traininganzug und schaut gelangweilt und lebensmüde seinem Namensvetter Don Juan im Fernsehen zu. Mit dem hat der in die Jahre gekommene Frauenheld nicht mehr viel gemein. Findet auch seine Freundin Sherry, die in prompt verlässt und ihm zwischen Tür und Angel erklärt, dass er nur noch ein „abgehalfterter Don Juan“ sei.

Paris, Je t'aime

PARIS, JE T’AIME ist ein Fleckenteppich höchster Güte, ein 18-teiliger Episodenfilm, initiiert von Claudie Ossard, der Produzentin der fabelhaften Welt der Amelie.  Ein Film, der sich ausschließlich die Stadt Paris, wenn auch mit ihren vielfältigen Konnotationen, zum Thema macht, wird es nicht einfach haben, hat es nicht einfach. Eine Brücke zwischen Authentizitismus und Klischee, zwischen authentischen Klischees und Originalität zu schlagen, ist nicht einfach. Doch die Liste der Autoren, Regisseure und Schauspieler ist lang und liest sich nicht schlecht.

Night on Earth

Jim Jarmusch hält nichts von Konzepten wie Plot oder Moral. „Es geht nur um diese unbedeutenden Dinge, die sich sonst nicht zu Geschichten fügen“ sagt er und ergänzt: „Das wirkliche Leben hat auch keinen Plot, warum sollten Geschichten unbedingt einen haben.“ Eine Philosophie, die ihn drastisch aus der Riege des klassischen Arthaus-Regisseurs hinaushebt und Motor jeder Kunstdebatte sein könnte. An dieser Stelle jedoch nicht.

Auf der anderen Seite

In einem langen Kameraschwenk sehen wir eine Tankstelle in der Pampa. Ein Auto bewegt sich Richtung Zapfsäule und sein Fahrer, kaum ausgestiegen, wird freundlich begrüßt. Drinnen bestellt er sich ganz selbstverständlich einen Toast und man redet ein wenig. Selbst für diejenigen, die sich Fatih Akins AUF DER ANDEREN SEITE in ausschließlich deutscher Sprache ansehen (wieso auch immer), dürfte klar sein: Wir sind in der Türkei. Schnitt.