Passend zu unserem Text über den Modefilm findet ihr hier die angesprochenen Videos von Miu Miu und Viktor&Rolf.
Großartiger layed-back Disco-Track von Figures (Jamie Blanco und James Delay), visuell ansprechend umgesetzt von Chris Tirrel und Entwurf aus London.
Figures - Velo from Christopher Tirrell on Vimeo.
Der Tod von Gil-Scott Heron ist ein unglaublicher Verlust für die Musikwelt. Und jeder, der mit seinem Werk noch nicht vertraut ist, sollte spätestens jetzt Anlass genug sehen, das zu ändern. Der Tribute Mix von DJ Tom E. bildet die wichtigsten Werke des New Yorkers ab.
Gil Scott-Heron Tribute Mix by Dj_Tome on Mixcloud
(via @KFMW)
Ein Buch, das man in allerhöchstens einer halben Stunde lesen kann, in dem kein einziger Satz steht, das dafür aber voll ist von Fragen.
Findet mich das Glück? von Peter Fischli und David Weiss ist herrlich, zum Wundern, Lachen oder manchmal natürlich zum Traurigsein. War jemand in meinem Zimmer? Sieht meine Seele in einem fremden Land die Fernsehsendungen, die ich verpasst habe? Oder: Soll ich an meiner Erscheinung arbeiten? Die Antworten auf hunderte von Fragen sind also dem Leser überlassen.
Verlag der Buchhandlung Walther König, 2007 Köln
Eigentlich sollte an dieser Stelle ein kurzer Artikel über zwei „Altmeister“ des queer-cinema auf der Berlinale stehen. Da aber für den aktuellen Rosa von Praunheim keinerlei Tickets mehr zu bekommen waren, steht hier nun ein extrem subjektiver Bericht über das ganze Bohai um das es auf dem Festival vornehmlich geht: Roter Teppich und Berlinale-Parties.
Einfach nach Berlin zu kommen und sich neue, alte, großartige, schreckliche, innovative oder klassische Filme anzuschauen wäre ja auch zu viel verlangt. Vielmehr muss man ja sich selbst als Bedeutungsproduzenten feiern – nur dazu sind ja die Institutionen Roter Teppich und Invitation-Only Parties im Prinzip da. Wie man generell das Gefühl hat, dass es einem großen Teil des Laien- und Fachpublikums nicht wirklich um Filme geht. Auch in den Q&As nach den Screenings bestimmen regelmäßig eher generelle Beiträge zum Sujet oder Betroffenheitsgesten das Bild. „Die Armen Menschen im konfliktgebeutelten Südamerika/Township in Südafrika/XXXXXX (insert any Krisenherd here)“.
Trotzdem ist es natürlich schöner sich ein Screening gemeinsam mit dem Regisseur anzuschauen, als sich dazu zu Hause vor den Laptop zu setzen – und so hab ich mich auch tierisch gefreut, der (offizielle) Premiere des neuen Bela Tarr Films „A Torinói ló“ beiwohnen zu können. Das Drumherum dabei ist aber eher furchtbar. In Ermangelung eines schönen Filmtheaters am Potsdamer Platz in dem man solche Premieren zeigen kann, baut man einfach ein riesiges „Berlinale Palast“ Schild an das vorhandene Musical-Theater. Dazu ein roter Teppich mit vier Kameras plus Live-Regie für die verschiedenen Bildwände. Für den Normalbürger gibt es dann einen separaten Eingang und rund eine viertel Stunde vor Vorstellungsbeginn wird man per Gong und dreisprachiger Ansage auf seinen Platz gebeten. Denn von dort kann man sich dann per Live-Übertragung die Ankunft der Stars am Roten Teppich ansehen und warten, bis sich diese endlich im Saal eingefunden haben.
Der Reputation zu Folge betritt an diesem Abend auch ein Star das Kino. Bela Tarr ist der einzige bekannte nicht-deutsche Regisseur der seinen Film auf der Berlinale präsentiert. David Cronenberg oder Lars von Trier warten damit lieber bis zum doch prestigeträchtigeren Cannes. Zum Glück und Verzücken des Autors bricht ein Tarr aber das aufgefahren-aufgesetzte Star-Image. „That was it. Go Home!“ so seine einzigen Worte nach dem Screening. Auch die Schauspieler János Derzsi, Erika Bók und Mihály Kormos sperren sich mit ihrer Physiognomie jeder hochglanztauglichen Glamour Inszenierung.
Nach dem Film hat der Zuschauer dringend etwas Aufmunterung nötig. Dankenswerter Weise hatte ich kurz vor meinem Flug nach Berlin noch die ein oder andere Einladung in die Hand gedrückt bekommen und konnte mir so auch ein Bild vom Selbst-Feiern geben. Wenn man dann auch eine nicht furchtbar Steife Networking-Nummer erwischt, hat man im Prinzip auch alles richtig gemacht. Das ab einer gewissen Uhrzeit auch die wirklich wichtigen Leute nicht mehr anwesend sind, dafür aber die vielen un(ter)bezahlten und überarbeiteten Sklaven der Unterhaltungsindustrie zu ihrem Party-Recht kommen, ist mir eher angenehm aufgefallen. Ich könnte jetzt auch ganz VICE-mäßig selbstdestruktiv meine Erfahrungen mit dem free Booze im Selbstversuch schildern. Das erspare ich dem Leser aber mal. Christoph Büttner
Kurzkritik: Viva Riva!
Faszination Kinshasa. Neun Millionen Metropole und von Konflikten gebeutelt, entwickelt sich das kulturelle Potential abseits von afrikanischer Musik und Clubkultur nur langsam. Dem Regisseur Djo Munga zu Folge gibt es nicht einmal ein Filmtheater. Nachdem sich kürzlich "Kinshasa Symphony" eher dokumentarisch mit der Hauptstadt der DR Kongo beschäftigt hat, war eben jener Djo Munga nun mit ersten Spielfilm aus dem Kongo seit - nach eigenen Angaben - 25 Jahren zu Gast.
Dafür suchte er sich einen wilden Genrefilm aus, ein Gangstermovie mit den üblichen Zutaten. Kleiner Gauner will schnell aufsteigen, tritt dabei den falschen Leuten auf die Füße, und muss fortan um sein Leben fürchten. Es herrscht akuter Benzinmangel, was die Benzinpreise Kinshasas in astronomische Höhen schnellen lässt. Da lohnt es sich, dass Riva eine Ladung Benzinfässer in Angola klaut, um sie im Kongo profitträchtig zu verkaufen. Leider hätten auch die Angolaner gern ihre Ladung zurück und sind Riva auf des Fersen.

Viva Riva erzählt die Geschichte einer vernarbten Gesellschaft. Die stärksten Figuren sind jene, die im wahrsten Sinne des Wortes am Rand stehen. Wie Passanten und Bystander auf die Dramen und Prügeleien, die sich vor ihren Augen abspielen, schauen und mit welcher Gleichgültigkeit sie reagieren, sagt mehr über die Vergangenheit Kinshasas, als dies von Protagonisten ausgelebte Gewalt könnte. Letztere gibt es in Viva Riva übrigens zu Hauf, auch an Sexszenen wird nicht gespart. Das wäre nicht weiter schlimm, wäre der Film nicht auch sonst furchtbar überdreht. Charaktere drehen ins Klischeehafte ab, am Ende explodiert alles und präsentierte Sexualität ist primär voyeuristisch ausgebeutet. Und je mehr Charaktere sterben (und es sterben alle), desto geringer wird das Interesse, leider. Schade, das kongolesische Kinodebut hätte etwas besseres verdient. Christoph Büttner
"Viva Riva!" (läuft noch im Forum, 20.2. 13:45 CineStar 8)
Berlinale Anno Zero – Beobachtungen zum Festivalbeginn
Irgendwie ist es wahrscheinlich alle paar Jahre so, dass sich die Berlinale neu orientieren muss, aber dieses Jahr sagt das Gefühl - im Jahre eins nach dem großen Jubiläum – muss der Schnitt etwas radikaler sein, da man das TamTam, das man im letzten Jahr aufgefahren hatte so nicht beibehalten konnte. Bloß verändert hat sich eigentlich nichts. Es ist das gleiche Gefühl, sich im touristisch geprägten Hauptquartier der Berlinale um den Potsdamer Platz zu bewegen, alles ist noch genau da, wo es im Vorjahr auch war. Und Karten für das Festival, das sich selbst gerne in eine Reihe mit Cannes und Venedig stellt, gibt es immer noch zwischen Asia-Imbiss und Görtz. Das Einzige was sich merklich geändert hat sind die Besucherzahlen. Die steigen nämlich seit Jahren konstant und dieses Jahr wird Europas größtes Publikumsfestival warscheinlich die Marke von über 300.000 verkauften Karten brechen. Dazu kommen nochmal rund 200.000 Kinobesuche von akkreditierten „Fachbesuchern“.

Die Berlinale ist und bleibt also eher Massenfestival. Was nicht unbedingt schlecht sein muss, schließlich ist man so nicht ganz so abgehoben von den Menschen, die die Filme ja später auch konsumieren sollen. Kunst braucht schließlich auch Jemanden, der sie rezipiert. Es ist also nicht ganz unmöglich wie etwa in Cannes sich auch mal in der großen Welt des Kinos umzuschauen. Allerdings führt der Besucheransturm auch dazu, dass sogar die Retrospektive oder Vorstellungen um 12 Uhr mittags ausverkauft sind und man auch schonmal über fünf Stunden vor Beginn keine Karten mehr bekommt.
Was gibt es sonst noch? Die Coens statt Scorsese. Eine Ingmar Bergman Retro. Eine Shibuya Minoru Retro im Forum. Festivaltaschen aus Jute. Einen „schlanken“ Wettbewerb (danke FAZ und alle die darin abgeschrieben haben). Und den biggest Fuzz momentan noch über das Fehlen von Jafar Panahi nach dessen Verurteilung im Iran. Achja und Beileidsbekundungen auch noch in Richtung Mohammad Rasoulof, nachdem zuerst die FAZ und dann die anderen Feuilletons gemeckert haben. So richtig aufregend ist das alles nicht. Eine seltsame Leere hat die Festivallandschaft zu ihrem Beginn noch im Griff, es ist halt dann doch eher business as usual statt großer Neuanfang. Christoph Büttner
Melt! Tag 1
Die Vorzeichen des diesjährigen Melt!-Festivals waren nicht die Besten - jedenfalls wenn es um mich persönlich geht. Ich konnte erst am Freitagmorgen morgen gegen 10 Uhr losfahren, da ich noch universitäre Verpflichtungen hatte (nein, keine normale Vorlesung, die hätte man ja ausfallen lassen können). Also machte ich mich alleine auf den Weg von Bonn nach Gräfenhainichen. Über 500 Kilometer Autofahrt, und das alleine, das ist wahrlich kein Spaß. Mein Glück war, dass bei diesen tropischen Temperaturen die Klimaanlage funktionierte und mein iPod vollgeladen war, sonst, das schwöre ich, hätte ich die Zeit nicht überstanden.
In Ferropolis angekommen, war oberste Priorität das bereits aufgebaute Zelt zu finden, während meine bereits einen Tag vorher angereisten Begleitpersonen schon bei Oliver Koletzki vor der Big Wheel Stage abspackten. Glücklicherweise schaffte ich es dann doch noch zumindest das Ende von dessen (so ließ ich mir berichten) fantastischen Set zu sehen. Danach war die erste Bredouille, aber lange nicht letzte an diesem Wochenende, zu lösen: Pantha Du Prince, Matias Aguayo oder Ja, Panik. Aufgrund der Hitze im Intro-Zelt, wo die von mir präferierten Ja, Panik spielten, schaffte ich es am Ende doch noch bei allen mal reinzugucken und obendrein bekam ich das hervorragend passende Calypso-Feeling von Shout Out Louds' "Impossible" zu spüren. Gut gelöst.
Der Abend hatte noch so einige Highlights. Two Door Cinema Club haben einfach eine verdammt souveräne Show runter gerissen, was anbetrachts ihres Hypestatuses sehr überraschte. Ebenfalls einem Hype entsprungen ist Jamie XX, dessen Dubstep-Set zwar in den Übergängen hier und da etwas hakte, im Grunde aber solide und tanzbar war. Health wiederum hatten die undankbare Aufgabe, im Zelt zu spielen, das sich einfach nicht abkühlen wollte. Dieser Umstand wirkte sich letztlich nur auf die Zuschauerzahl aus, nicht jedoch auf die destruktive Performance der Noise-Rocker, allen voran Bassist BJ, der über die Bühne wirbelte als gebe es kein Morgen. Der Aufenthalt im Zelt nagte so an der Kraft, dass der fest eingeplante Lindström&Christabelle-Gig kurzerhand gestrichen wurde. Stattdessen gab es neben einigen Bieren und Würsten ein hervorragendes Set von Foul Tet bei unfassbarer Kulisse (auf der anderen Seite des Sees, so schien es, blitzte und donnerte es), einen mittelmäßigen Auftritt von Autokratz (inklusive absolut abspackendem Mann an den Reglern), ein interessantes Dubstep-'Battle' zwischen Kode9 und Martyn, sowie einem maximal bratzenden Set von Danger auf der Gemini-Stage. Die Nacht endete zu den After-Hour-Klängen von Ricardo Villalobos bei aufgehender Sonne auf der atmosphärisch in dem Moment nicht zu toppenden Big Wheel Stage. Und als wir um halb 7 in Richtung Schlafplatz schlurften, tanzten die Menschen immernoch. Da war der Sleepless-Floor noch nicht einmal geöffnet.
Melt! Tag 2
Das Unwetter (siehe Four Tet-Auftritt) zog an uns vorüber und als wir um 11 Uhr von der stehenden Hitze in den Zelten geweckt wurden, kamen die letzten Feiernden vom Sleepless-Floor. In Anbetracht des anstehenden langen Tages war die Entscheidung erst gegen 20.30 am Gelände aufzuschlagen, besiegelt. Tatsächlich ließ ich mich dazu überreden, mir Dendemann anzusehen und wurde mehr als positiv überrascht von einem, der mal so etwas wie ein Jugendsymbol war und hier perfekt in die Nische passen möchte. Der anschließende Auftritt Jamie T.s war mittelmäßig, die Interpretation vieler Songs ließ oft zu Wünschen übrig. Schade drum, und tschüß Mainstage. Denn es galt, eines der Highlights anzusteuern: Jamie Lidell lieferte eine unglaubliche Liveperformance mit variabler Stimmgewalt für diejenigen ab, die die lange Aufbauzeit abwarten wollten. Anschließend wieder zur Mainstage: DJ Shadow und Chris Cunningham bildeten eine perfekte Einheit, die potentiell von den Jungs von Moderat hätte weitergeführt werden können, hätte sich ihr Gig nicht um mindestens eine Stunde nach hinten verschoben und es somit für mich unmöglich machte, den Auftritt bis zum Ende zu verfolgen. Fazit des zweiten Tages: heute wurde viel zu viel verpasst: Hurts, Chromeo, Carl Craig und die Dirty Projektors sind nur einige der Namen.
Melt! Tag 3
Kein Tag des Festivals ist so deprimierend wie der letzte. Das gilt ganz besonders fürs Melt!, bei dem der letzte Tag nicht nur aufgrund einiger abreisender Gäste, sondern auch aufgrund eines (im Vergleich!) mittelmäßigen Line-Ups und der anstehenden Abreise stimmungsmäßig etwas abfällt. Dennoch, dieses Gefühl ist mit Betreten des Geländes passé. Und der heutige Opener sorgt in besonderem Maße dafür. Die Kings Of Convenience lieferten bei traumhaften Wetter ein großartig akkustisch-minimalistisches Set ab und waren, auch dank eines schon seit 3 Tagen auf dem Melt! herumgeisternden Erlend Oye, mit Sicherheit eines der Highlights dieses Wochenendes. Ein Prädikat, das man auch Fred Falke und den Broken Bells ausstellen darf, deren Auftritte durch die krasse Überschneidung einen kleinen Wehrmutstropfen erhielten. Turbostaat, die heute und insgesamt wohl am Wenigsten ins Line-Up passten, sahen sich einer Schar begeisterter Anhänger gegenüber, mit denen sie gemeinsam das Intro-Zelt zum Kochen brachten und dürften nebenbei vielen Unbehelligten ihre Platten nähergebracht haben. Den Abschluss des Festivals bestritten für uns persönlich Massive Attack (da bei WhoMadeWho das Zelt aus allen Nähten platzte und Ellen Allein und Sascha Funke aufgrund der frühen Zeiten und der anstehenden Rückfahrt verpasst werden mussten). Alles in allem war die Enttäuschung insgesamt über den heißersehnten Auftritt der Briten wohl groß. Persönlich würde ich für das Fehlen einer speziellen Stimmung für das Trip-Hop-Break-Beat-Set die unzähligen ignoranten Besucher (übrigens ein Eindruck, den ich bei diesem Melt! zum ersten Mal hatte) verantwortlich machen, die sich besoffen, grölend und ununterbrochen redend in die Menge mischten und die Musik nicht selten übertönten.
Wir fielen dennoch totmüde ins Bett und spätestens am nächsten morgen wurden verbindliche Verabredungen für das nächste Jahr getroffen, denn Fakt ist auch dieses Mal: Melt! ? Immer wieder
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